We stand together
Echowind hatte die nachtschwarze Kätzin zur Ruhe und zum Auskurieren gezwungen. Insgesamt 6 Tage waren vergangen seit dem abrupten Angriff des GlutClan-Anführers, der für Distelstern nicht allzu glimpflich ausgegangen war. Sicher hatte sich im Clan bereits herumgesprochen, dass sie ein Leben dabei eingebüßt hatte, machten solche Gerüchte doch schnell die Runde. Dennoch hatte die Anführerin seit ihrem Erwachen nach dem Kampf den Plan gehabt, ihrem Clan von diesem Angriff zu berichten. Und ihnen ihren Entschluss diesbezüglich mitzuteilen. Alle ihre Krieger waren ihr wichtig, waren sie doch Freunde und fühlten sich aber eher wie Familie an. Um zu verhindern, dass dies noch einmal passierte und ihr Clan Tote zu beklagen hätte, wollte Distelstern eine Versammlung einberufen. Sie hatte lediglich auf Echowinds Erlaubnis gewartet, sich wieder normal bewegen zu dürfen. Auch Schattenfrost hatte sie darüber in Kenntnis gesetzt, was sie dem Clan mitteilen wollte. Distelstern hatte zusätzlich noch warten wollen bis Echowind und Wolkenpfote von der Heilerversammlung zurückkehren würden.
Ihre Glieder fühlten sich nach der langen Zeit des Liegens und Schonens noch steif an. Distelstern ließ sich ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit allerdings nicht anmerken als sie sich zu dem hohen Fels im Norden des Lagers bewegte, der seit jeher von ihren Vorgängern und ihr selbst für Clanversammlungen verwendet wurde. Sie spannte ihre kräftigen Hinterläufe an, drückte sich ab und landete auf dem Hochfelsen. Darauf angekommen, atmete Distelstern ein paar Mal durch bevor sie ihre altbekannten Selbstzweifel zurückdrängte, die ihr noch stärker seit ihrer Niederlage zu schaffen machten. Auch, wenn Efeuschatten sein Bestes gegeben hatte, um dem entgegenzuwirken.
"Ich fordere alle Katzen auf, die fähig sind ihre eigene Beute zu fangen, sich beim Hochfelsen zu einem Clantreffen zu versammeln!"
Distelsterns Stimme hallte fest und ruhig durch das Lager während die Sonne tiefer wanderte. Dunkle Wolken bedeckten den Himmel und Wind fegte zunehmend durch das Lager. Geduldig beobachtete Distelstern ihre Clankameraden, die ihrem Ruf folgten und sich zum Hochfelsen begaben, um herauszufinden, was ihre Anführerin ihnen zu sagen hatte.
Sie wartete noch einige Herzschläge bevor sie ihre Stimme erneut erhob. "Vor 6 Tagen bei Sonnenuntergang drang Fichtenstern über den Donnerweg ohne jegliche Provokation in unser Territorium ein." , begann die Kätzin zu sprechen. "Ich warnte ihn, nicht näher zu kommen, was er ignoriert hat. Daraufhin griff er mich an." Ihr blattgrüner Blick wanderte über die Versammelten bevor er an Efeuschatten hängen blieb. Nur für den Bruchteil eines Herzschlags aber es reichte, um ihre aufkeimenden Selbstzweifel zurückzudrängen. "Der GlutClan war stets für seine Aggressivität, seine Skrupellosigkeit und seine Neigung im Kampf zu töten, bekannt. Es war nicht mein erster Kampf gegen Fichtenstern oder ein Mitglied seines Clans. Doch dieses Mal schien etwas anders zu sein. Fichtenstern erschien nicht, wie er selbst. Und er war deutlich stärker als sonst. Schlussendlich kam es dazu, dass er eines meiner Leben nahm." Distelstern drückte ihre Pfotenballen fester auf den Stein darunter, um ihre Anspannung nicht sichtbar werden zu lassen.
Die Anführerin ließ ihrem Clan einige Herzschläge Zeit, um die Information sacken zu lassen oder sich vielleicht schon dazu zu äußern. Und nutzte diese Zeit, um unauffällig durchzuatmen.
Geisterjäger
Alias — Jacky
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Der Wind trägt schwere Worte
Der Wind strich durch das Lager des BrisenClans und brachte den Geruch von feuchtem Gras und nahendem Regen mit sich. Zwischen den Katzen, die sich nach Distelsterns Ruf langsam zum Hochfelsen bewegten, schritt auch Taubenfeder.
Die zarte Kätzin wirkte beinahe verloren zwischen den breiteren Schultern vieler Krieger. Ihr cremefarbenes Fell schimmerte hell im gedämpften Licht des Nachmittags, während sich ihre dunkelblauen Augen suchend über die versammelten Katzen legten. Der Wind spielte mit den feinen Haaren ihres Schweifs, doch Taubenfeder schien das kaum zu bemerken.
Schon Distelsterns erste Worte ließen ihr Herz schneller schlagen.
Ein Angriff.
Von Fichtenstern.
Und… ein verlorenes Leben.
Taubenfeder sog scharf die Luft ein, so leise, dass es beinahe im Rascheln der Blätter unterging. Ihre Ohren legten sich leicht an den Kopf, während sie unwillkürlich einen Schritt näher an die Katzen neben ihr rückte, als könnte deren Nähe sie vor der Schwere dieser Worte schützen.
Oh SternenClan…
Die Kätzin ließ sich vorsichtig auf ihre kleinen Pfoten nieder, ihren Schweif ordentlich um die Beine gelegt. Ihr Blick hing an Distelstern, die hoch oben auf dem Felsen stand, so ruhig, so gefasst. Taubenfeder konnte sich kaum vorstellen, wie es sein musste, gegen einen so gefährlichen Gegner zu kämpfen… und dabei ein Leben zu verlieren.
Ein leises Zittern lief durch ihren Körper.
Sofort schossen ihr Bilder durch den Kopf. Krallen. Blut. Der Donnerweg. Fichtenstern, wie er mit lodernden Augen aus dem Schatten sprang. Ihre Fantasie hatte schon immer die unangenehme Angewohnheit, selbst kleine Dinge in dramatische Bilder zu verwandeln. Und das hier… das war alles andere als klein.
"Das ist ja schrecklich…" murmelte sie leise, ihre Stimme weich und warm, kaum lauter als der Wind, der über das Lager strich.
Ihre Augen füllten sich bereits mit Feuchtigkeit, während sie Distelstern mit aufrichtiger Sorge betrachtete. Trotz der Entfernung wollte sie am liebsten hinauf zum Hochfelsen laufen, um sicherzugehen, dass ihre Anführerin wirklich noch stand. Dass sie wirklich in Ordnung war.
Stattdessen zwang Taubenfeder sich still sitzen zu bleiben. Ihr Blick glitt über die anderen Katzen des Clans. Manche wirkten angespannt, andere wütend. Wieder andere schienen einfach nur schockiert. Und Taubenfeder spürte, wie sich eine bekannte, schwere Sorge in ihrer Brust ausbreitete. Wenn der GlutClan wirklich so unberechenbar geworden war…
Was wird dann als nächstes passieren?
Ihre Ohren zuckten nervös, und sie beugte sich ein kleines Stück zu der Katze neben ihr, als würde sie Schutz in der Nähe eines Clangefährten suchen. "Glaubt ihr…" begann sie vorsichtig, ihre Stimme leicht zitternd, "…dass sie wieder angreifen könnten?" Ihre dunklen Augen wanderten erneut zum Hochfelsen hinauf.
Ein verlorenes Leben.
Allein der Gedanke ließ Taubenfeder den Schweif enger um ihre Pfoten wickeln.
Alias — Leni
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Lerchenflügel hatte Distelstern schon einige Tage kaum mehr gesehen, nur selten hatte sie den Heilerbau verlassen. Umso besorgter behielt die getupfte Kätzin nun ihre Anführerin im Blick, als sie auf den Hochfelsen sprang und den Clan zu einem Treffen zusammenrief. Erleichtert stellte Lerchenflügel fest, dass ihre Stimme so ruhig und selbstsicher wie immer klang. Leichtfüßig trabte die schlanke Kriegerin zur Lagermitte, wo sich der Clan bereits zu versammeln begann. Sie erblickte die schmalen Schultern ihrer Schwester Taubenfeder und setzte sich dicht neben sie.
Distelstern begann zu sprechen und Leerchenflügels Herz zog schmerzhaft in ihrer schmalen Brust. Sie hatte schon von dem brutalen Kampf gehört, doch nun Distelstern selbst über diesen grausamen Vorfall sprechen zu hören, ließ ihre Kehle trocken werden und ihre schmalen Schultern in sich zusammensacken. Fichtenstern war schon immer ein eiskalter, kampfeshungriger Kater gewesen, doch nun schien Distelstern der Überzeugung, dass er durch irgendetwas noch an Stärke dazugewonnen hatte. Lerchenflügel spürte das weiche Fell ihrer Schwester an ihrer Flanke und sie leckte ihr beruhigend übers Ohr, ohne jedoch Distelstern aus den Augen zu lassen. Mitleid und Besorgnis schimmerten in ihren Seelenspiegeln.
[b]“Glaubt ihr… das sie wieder angreifen könnten?“[/i] hörte sie Taubenfeders leise Worte neben sich und dieses Mal wandte sie ihr den Blick zu. Ihre eigene Besorgnis schimmerte in den Augen ihrer Schwester und ließ Lerchenflügels Herz vor Sorge schneller schlagen.
“Ja, ich fürchte schon. Fichtenstern scheint keine Furcht davor zu haben, sich mit allen drei Clans gleichzeitig anzulegen. Er muss sich unheimlich sicher sein.“ Die gemurmelten Worte wurden vom Wind durchs Lager getragen, kein Trotz lag darin, kein Mut. Nur tiefe Sorge und Furcht. Lerchenflügel war eine Mutter und schien kaum in der Lage ihre Jungen zu verteidigen. Distelstern selbst kam nicht gegen die Bedrohung durch Fichtenstern an. Lerchenflügels Krallen gruben sich in den feuchten Moorboden, als könnte sie so ihren Halt bewahren. Ihre Augen suchten nach Goldfuchs, ihrer Stütze, ihrem Beschützer. Doch auch um ihn sorgte sie sich so sehr wie noch nie. Ihre Augen tasteten beinahe ruhelos über die versammelten Katzen. Ihre Freunde, ihre Familie. Und sie alle hatten nur ein Leben, welches sie geben konnten. Lerchenflügels Brustkorb schnürte sich so schmerzhaft zu, dass ihr kaum Luft zum Atmen blieb.
Alias — Haku
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