Cursed heart seeks shelter.


Es war ein langer Tag gewesen. Anfangs war es nur neblig gewesen als Pech sich auf den Weg gemacht hatte, um weiterzuziehen. Glücklicherweise kein Wind. Sie hatte möglichst darauf geachtet Wege einzuschlagen, die verlassen zu sein schienen und schon lange nicht mehr benutzt worden waren. Und sobald sie Stimmen anderer Katzen gehört hatte - Clankatzen oder Streuner -, war sie eilig davon gehuscht. Es hatte gereicht, dass der Fluch ihre Familie getroffen hatte. Sie wollte nicht noch andere Katzen ins Unglück stürzen. Seit sie allein unterwegs war und von Ort zu Ort zog, stellte sie sich dieselben vier Fragen. Wieso ich? Wieso meine Familie? Wieso bin ich verflucht? Was habe ich getan, dass ich verflucht wurde?

Pech hatte sich an der Jagd versucht, um etwas in den Magen zu bekommen während sie weiterzog und nach einem Ort suchte, der verlassen zu sein schien und an dem sie für ein paar Tage bleiben könnte. Doch hier schien ihr Glück sie im Stich gelassen zu haben. Und nicht nur das. Pech hatte ein verlassenes Zweibeinernest entdeckt. Zumindest hatte sie es für verlassen gehalten. Doch als sie sich genährt hatte, war ihr ein Hund entgegengesprungen. Nicht groß aber seine Zähne waren Sonnenlicht aufgeblitzt. Eilig hatte sie das Weite gesucht während ihr das Tier hinterhergejagt war. Pech war der festen Ansicht, dass es das für sie gewesen war. War eines ihrer Geschwister, ihre Großeltern oder ihre Eltern durch einen Hund zu Tode gekommen? Ja. Es waren viele Tode, die sie in ihrem kurzen Leben erlebt hatte, aber sie erinnerte sich an die Bilder. Schlamm. Ihr älterer Bruder aus dem 2. Wurf, der sie vor einem großen Hund beschützt hatte. Pech hatte ihr Tempo genutzt, war abgesprungen und über eine Mauer geflüchtet, heruntergesprungen auf der anderen Seite und weitergelaufen während sie das Kläffen des Hunds hinter sich leiser werden gehört hatte. Aber hatte sie angehalten? Absolut nicht.

Erst als sie an einer stinkenden, glatten Oberfläche ankam, wurde sie langsamer. Ein Monster raste darüber, was sie erschrocken zurückstolpern ließ und sie in die andere Richtung laufen ließ. Tiefer in den Wald hinein. Dort nahm sie deutliche Duftspuren wahr. Die WaldClans? Davon hatte sie andere Streuner sprechen hören, vor denen sie sich versteckt hatte bevor sie davon gehuscht war. Sie vertrieben wohl jeden Eindringling von ihrem Gebiet. Also war Pech weiter gelaufen, auch wenn ihre Kraft allmählich nachließ.

Sie war zu einer Senke gekommen nach einiger Zeit, in der die Gerüche zahlreicher Katzen schal gewesen waren. Doch sie war ungeschützt, der leichte Wind strich unbarmherzig über sie hinweg. Hier konnte sie also auch nicht auf Dauer bleiben. Ihre Kraft war inzwischen so weit geschwunden, dass sie nur noch trottete. Pech plusterte ihr kurzes, dichtes Fell gegen den Wind auf während sie durch das Territorium eines anderen Clans trottete, wie es aussah.
Es dauerte weitere Zeit bis sie an einer hochgewachsenen Zeder vorbeikam, die eine mystische Aura zu umgeben und silbrig zu schimmern schien. Gruselig. Pech war eilig weitergegangen.

Als sie das Gefühl hatte, ihre Pfoten würden sie keine Schwanzlänge mehr tragen, fiel ihr olivgrüner Blick auf ein großes Zweibeinernest, das äußerlich verlassen aussah. Für einen Herzschlag blieb sie stehen als sie zögerte. Das hatte sie von dem anderen Zweibeinernest auch gedacht, aus dem ein Hund herausgeschossen kam... Du hast keine Wahl. Die Sonne ging allmählich unter, die Wolken wurden dunkler und der Wind frischte auf. Leicht seufzte Pech bevor sie weiterging.
Je näher sie kam, desto zögerlicher wurden ihre Schritte. Und vorsichtiger. Aufmerksam stellte sie ihre großen Ohren auf während sie dem Eingang näher kam. Es roch... nach einigen Katzen. Aber auch nach Mäusen und Ratten, wenn sie sich nicht täuschte... Pech war erleichtert, dass ihr Magen bei dem Geruch nicht knurrte. Den ganzen Tag hatte sie keine Gelegenheit zur erneute Jagd gehabt nachdem ihre erste Jagd so misslungen war.
Am Eingang des verlassenen Bauernhofs blieb sie stehen und ließ ihren olivgrünen Blick über das Innere wandern. Es wirkte... sicher... Leicht knetete die junge Kätzin den Boden unter ihren Pfoten bevor sie ihren Mut zusammensammelte. Wenn sie nicht wieder in den kühlen Wind hinauswollte - und in den möglicherweise kommenden Regen -, würde sie ihre eigenen Regeln für diese Nacht brechen müssen. Zumindest für heute Nacht. Vorausgesetzt, die hier lebenden Katzen ließen sie bleiben. Leicht räusperte sich die Kätzin.

"Hallo...?", erhob sie zögerlich ihre Stimme während sie ihre großen Ohren aufmerksam aufstellte. Sie drehten sich unruhig immer wieder während ihr Schweif leicht hinter ihr schwang und ein weiteres Zeichen ihrer Unruhe darstellte. "Ist... Lebt... hier jemand...?", fügte sie ebenso zögerlich hinzu, wie zuvor.

@Zahn

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