Broken bones and broken souls
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Es war bereits mehr als 12 Tage her, dass sich die Clans am Baumgeviert getroffen hatten. Und 11 Nächte waren vergangen, seit Fichtenstern ihnen auftrug den Schlangenfelsen mit allen mitteln an sich zu reißen. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er munter neben seinem ehemaligen Mentoren Loderblick die Distanz zum neuen Revier immer weiter verkleinerte. Die Sonne war längst unter gegangen. Die feuchte Luft hatte sich in seichten Regeln verwandelt der unerbittlich sich über sie ergoß und ihr Fell in ihren kalten Perlen tauchte. Die einbrechende kühle wollte in ihren Pelz beißen, doch weder Eisbrecher noch Loderblick interessierte dies.
Sie hatten wichtigeres zu tun.
Es war kein offizieller Auftrag. Eher eine private Verabredung freudiger Natur. Seine grünen Augen lagen auf Loderblick mit einer gewissen Zufriedenheit. Ob sein Mentor oder er den Einfall hatte war nicht mehr wichtig. Aber ihr Gespräch war es.
Dies ging ungefähr so:
“Ich brauche wen zum verprügeln.“
„Ist dir etwa langweilig, kleiner?“
„Tu doch nicht so“ , hatte er zurück gezischt. “Du würdest deine Krallen doch auch am liebsten in einen Pelz versenken.“
„Da hast du Recht, Bürschchen. Vielleicht ja in dir, der guten alten Zeiten willen?“
„Oder in einige Wurzelhirne. Ob ihr Körper so Widerstandsfähig ist wie die Wurzeln eines Baumes?“
„Eher ist unser Feuer zu viel und sie verbrennen“
Ein eisiges, gefährliches Feuer tanzte in dem Auge von Loderblick.
“Heute Abend?“ , kam die heisere erwartungsvolle Stimme von Eisbrecher.
“Heute Abend.“ bestätigte Loderblick.
Und beide grinsten sich bitterböse an.
So schnell hatten sie beschlossen, dass sie spät am Abend los wanderten und zum Schlangenfelsen gingen. Für Futter. Zum Beanspruchen. Und für Wurzelhirne! , keckerte sein Kopf.
Oh wie sehr Eisbrecher sich bereits darauf freute diesen hohlen Baumstämmen an die Wurzeln zu pinkeln und sich dabei an ihrem Anblick zu suhlen.
Vielleicht trafen sie ja auf ganz besondere Exemplare mit denen es erst so richtig Spaß machte sich zu prügeln. Erwartungsvoll erzitterte sein Schwanz den er hoch in der Höhe trug. Die Zunge glitt über sein Maul.
“Ich bekomme so langsam Hunger.“ , maunzte er leise zu seinem Mentor während die ersten Nebelschwaden sich immer weiter den Hang hinauf arbeiteten.
Seine Augen wanderten über die Umgebung. Die Ohren zuckten etwas und lauschten, bevor er weiter sprach: “Es wirkt, als würden die Ahnen für uns arbeiten. Der Nebel wird dichter und höher. Wir können im Schlangenfelsen ganz nach unserm Vergnügen spielen.“ Er kicherte etwas als er sich den alten Kater neben sich vorstellte wie er durch das Gebiet tollte. Seine Krallen über Fleisch zog und genüsslich beobachtete wie sein Gegner ihm wimmernd unterlegen war. Er um sein Leben bettelte und Loderblick sein eigenes Spiel begann.
Eisbrecher war ebenso gut darin, allerdings genoss er es nicht in der Art wie sein Kamerad.
Sie erreichten das Gebiet des Schlangenfelsens und waren nicht mehr als Schemengestalten im Nebel. Er hatte sie mittlerweile komplett Verschluckt. Würden die beiden Kater nicht so dicht nebeneinander laufen, würden sie sich wohl nicht mehr sehen.
Eisbrecher sah Loderblick lange an, bevor er ihm zu nickte. Sie hatten zuvor besprochen, dass sie sich trennen würden und Jagen, bevor sie sich an den gefährlichen Steinen, in denen so manch ein Reptil hauste, trafen.
Der Kater sprang davon in die eine Richtung und schlich sich durch das Gebiet. Er schnupperte und lauschte.
Als Eisbrecher auf eine Markierung des Wurzelclans traf, grinste er und urinierte einfach drüber. Da raschelte es. Es klang nicht nach eine Vogel sondern eher wie etwas das sich durch das Gras schlängelte.
Langsam duckte er sich und versuchte sich dem Geräusch zu nähern. Er sah die Schwanzspitze der Schlange. Sofort hielt er inne und wartete, als sie sich weiter wandte setzte er zum Sprung an. Die Schlange war listiger und verschwand in einem Loch, das er im Nebel nicht gesehen hatte. Der Kater senkte den Kopf und knurrte hinein. “Zisch ab du Feigling!“
Er müsste wohl nach etwas anderem schauen. Sein Magen knurrte langsam immer lauter. Sofort nahm er wieder Witterung auf und lauschte dabei, ob er bereits Wurzelhirne vernahm. Doch die Spuren waren alle vom Tag. So glitt er durch den Nebel langsam näher an den Schlangenfels heran und witterte eine Erdkröte. Die Zunge glitt über sein Mäulchen Die würde mir jetzt ausgezeichnet schmecken , dachte Eisbrecher als er ihrer Spur folgte und sie ruhend hinter dem Fels aufspürte. Ohne weitere Zeit zu verschwenden wetzte der Kater um die Ecke und drückte die Kröte mit den Pranken gen Boden bevor er ihr mit dem Maul den Kopf abriss.
Genüsslich verspeiste er sie, ohne die Umgebung aus seiner Wahrnehmung zu blenden. Er wollte bereit sein, wenn er eine andere Katze als Loderblick wahrnahm. Er hoffte darauf den Nebel nutzen zu können für einen wundervollen Angriff.
Oder zumindest seinem Mentor die Chance zu geben, indem er als Köder da hinter dem Felsen saß.
Alias — nessjas
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Loderblick hatte sich bereits seit Tagen rastlos und unruhig gefühlt. Er hatte dieses Gefühl nie richtig greifen können und es war ihm auch nur unterbewusst aufgefallen, doch in diesem Zustand kam ihm Eisbrechers Vorschlag ausgesprochen gelegen. So trotteten sie nun im Schatten der Nacht Seite an Seite durch das Revier des GlutClans, immer weiter auf dessen Noch-Grenze zu. Denn Fichtenstern hatte klar geäußert, dass die Schlangenfelsen nicht länger den Wurzelhirnen gehören sollten und Loderblick konnte sich kaum vorstellen, dass die Baumkuschler noch viel länger standhalten würden. Bald würden sie sich geschlagen geben, gegen den mächtigsten Clan des Waldes konnte niemand lange bestehen.
Ein leichter Nieselregen prasselte auf die beiden Kater nieder, als sie die offizielle Grenze zum WurzelClan Gebiet überschritten. Sein gesundes Auge hatte der Rote seinem Begleiter zugewandt, dem die freudige Erregung beinahe aus jeder Pore strömte. Eisbrecher beteuerte oft, das ihm das Kämpfen nicht auf die gleiche Weise Freude bereitete, wie seinem alten Mentor, doch heute bezweifelte Loderblick dies. Sein ehemaliger Schüler schien beinahe zu knistern vor lauter zurückgehaltener Energie. Ein böses Grinsen straffte Loderblicks Lefzen, als sie die Schlangenfelsen vor sich im Nebel ausmachen konnten. Eisbrechers Worte nahm er mit einem Ohrenzucken wahr.
“Die Ahnen.“ , prustete er verächtlich und grub seine scharfen Krallen in den kühlen Waldboden.
“Wenn sie Glück haben, werden sie heute um den einen oder anderen Baumkuschler bereichert.“
Sein Bernsteinauge glühte gefährlich auf, während er erwartungsvoll die Umgebung scannte. Es war befreiend, mit einem gleichgesinnten unterwegs zu sein, einem Kater, der nichts von der verweichlichten Seite hatte, die so viele seiner Clangefährten scheinheilig vor sich hertrugen.
Doch Eisbrecher hatte nicht unrecht, die Wartezeit konnten sie ebenso gut überbrücken, indem sie ihren Hunger stillten. Hoffentlich tauchte überhaupt jemand auf. Loderblick hatte heute gewiss nicht zum jagen sein Nest verlassen. Er nickte seinem Begleiter knapp zu, bevor sich beide Kater in unterschiedliche Richtungen davonstahlen. Nebel waberte über den nächtlichen Waldboden und hüllte die beiden Krieger ein, verbarg sie vor allem, was sich hier draußen herumtrieb.
Lautlos arbeitete sich der rote Kater über die dunstnassen Felsen. Sie waren glatt und teilweise unwegsam, doch sie bereiteten dem erfahrenen Kater keine Schwierigkeiten. Sorgsam prüfte er die Luft, lugte in Felsspalten und unter Vorsprünge, wohl wissend, dass sich nachts kaum Reptilien nach draußen wagten. Es dauerte nicht lange, bis er fündig wurde. In einer langgezogenen Felsspalte lag zusammengerollt und geschützt vor der Nässe eine Ringelnatter, die nichts von der tödlichen Gefahr ahnte, die selbst im Schlaf auf sie lauerte. Mit einem präzisen Pfotenschlag zerrte er die Schlange aus ihrem Versteck und tötete sie mit einem schnellen Biss. Selbstzufrieden trug er die Schlange auf einen erhöhten Platz, um sie dort genüsslich zu verspeisen und gleichzeitig den besten Platz für einen Überraschungsangriff zu besetzen. Sollten sie kommen, die Wurzelhirne.
Alias — Haku
Haku ist Offline
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Vielleicht, vielleicht auch nicht
Der Nebel hing tief im Lager, als Holunderzweig den Bau verließ. Feuchtigkeit lag in der Luft, sammelte sich in ihrem Fell und ließ die Geräusche gedämpft wirken, als würde der Wald jeden Ton für sich behalten wollen. Es war ruhig. Zu ruhig für ihren Geschmack. Ihr Blick glitt über die vertrauten Umrisse des Lagers. Sie wusste genau, wo sie nicht hinsehen durfte.
Rindenseele .
Sie hatte es in den letzten Tagen erstaunlich gut geschafft, ihm aus dem Weg zu gehen. Keine zufälligen Begegnungen. Keine Blicke, die zu lange verweilten. Keine Gespräche, die Fragen aufwarfen, für die sie keine Antworten hatte. Es war nicht geplant gewesen. Kein bewusster Entschluss. Eher ein instinktives Ausweichen, wie man es tat, wenn man wusste, dass ein Schritt zu viel etwas Unwiderrufliches auslösen könnte. Ihr Bauch spannte unter ihrem Fell. Schwer, rund, unübersehbar. Der Clan wusste längst Bescheid. Holunderzweig spürte die Blicke trotzdem. Leiser geworden. Vorsichtiger. Manche mieden sie, andere beobachteten sie umso genauer. Sie tat so, als würde es sie nicht kümmern. Als wäre alles wie immer.
Doch das war es nicht.
Sie verlagerte ihr Gewicht, zwang sich zur Ruhe. Rindenseele hatte Fragen. Das wusste sie. Vielleicht sogar mehr als andere. Und genau deshalb durfte sie ihm gerade jetzt nicht begegnen. Nicht, solange sie selbst nicht wusste, was sie sagen sollte. Wie sollte sie seine Fragen bloß beantworten?
Ein Rascheln im Augenwinkel lenkte sie ab. Lebenstraum näherte sich, ihr helles Fell zeichnete sich klar gegen den dunkleren Hintergrund ab. Holunderzweig nickte ihr knapp zu, ein stummes Einverständnis.
Jagen.
Etwas Normales.
Etwas, das sie noch konnte.
Der Gedanke tat gut.
Außerhalb des Lagers sein, würde gut tun.
Ohne viele Umstände verließen sie das Lager. Der Wald nahm sie auf, der Nebel wurde dichter, schloss sich hinter ihnen, als hätte es das Lager nie gegeben. Holunderzweig ließ den Blick über den Boden schweifen, suchte nach Spuren, nach etwas Vertrautem, an dem sie sich festhalten konnte.
Ein Flattern ließ sie innehalten.
Ein Vogel saß nicht weit entfernt auf einem niedrigen Ast, die Federn aufgeplustert gegen die Feuchte. Holunderzweig senkte den Körper, verlagerte ihr Gewicht vorsichtig nach hinten. Sie schlich an, Schritt für Schritt, den Atem angehalten. Für einen Moment fühlte es sich fast richtig an. Wie früher. Dann sprang sie. Der Boden gab minimal nach. Zu langsam.
Der Vogel stob mit einem scharfen Flügelschlag davon und verschwand im Nebel. Die junge Kriegerin blieb stehen, der Sprung endete unbeholfen. Sie atmete schwerer, als sie sollte. Ein leises Ziehen meldete sich in ihrem Bauch, nicht schmerzhaft, aber deutlich genug, um sie daran zu erinnern, dass nichts mehr so funktionierte wie zuvor.
Frustration flackerte auf, doch diese war nur von kurzer Dauer. Sie dachte an Honigfluss, ihre gleichaltrige Schwester und das was Unausgesprochen zwischen ihnen lag. Ihr Blick wanderte zu Lebenstraum. Und mit ihm kam ein Gedanke, der sich schon länger in ihr festgesetzt hatte. Ein Drängen, leise, aber hartnäckig. Der Wunsch, etwas auszusprechen. Etwas, das sie nun schon lange mit sich trug.
Die Wahrheit.
Nicht nur über ihre Unsicherheit. Nicht nur über ihre Angst. Sondern über das, was niemand wusste. Dass es zwei Möglichkeiten gab. Dass die Jungen vielleicht von Rußwolke waren. Oder von Bussardjäger. Der Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie senkte den Blick, grub die Krallen kurz in den weichen Boden. Noch brachte sie kein Wort hervor. Noch nicht. Aber das Bedürfnis, sich Lebenstraum anzuvertrauen, war da. Schwer. Echt. Und gefährlich.
Holunderzweig hob schließlich den Kopf, zwang sich zurück in den Moment.
Jagen. Atmen. Weitergehen.
Vielleicht würde sie es bald sagen.
Vielleicht auch nicht.
Der Wald raschelte leise, als hätte er zugehört.
Holunderzweig setzte sich wieder in Bewegung.
Beutefängerin
Alias — Leni
Leni ist Offline
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Sie hatte es im Gefühl gehabt als sie Holunderzweig gesehen hatte. Nach ihrer Jagdpatrouille vor einigen Tagen während Mondhoch hatte Lebenstraum die trächtige Kätzin gemieden. Dass die Trächtigkeit Reizbarkeit auslösen konnte, war ihr durchaus klar. Immerhin hatte sie die Trächtigkeit ihrer Mutter, der zwei wundervolle Schwestern entsprungen waren, miterleben dürfen. Trotzdem hatte Lebenstraum nicht mit der Schwere ihrer leisen Worte gerechnet. Es hatte sie bis heute beschäftigt. Und Lebenstraum hatte Holunderzweig beobachtet. Sicher würde ihr Jagen gut tun. Also hatte sie der anderen Kätzin vorgeschlagen, gemeinsam Jagen zu gehen. Glücklicherweise hatte die braun-weiße Kätzin zugestimmt.
Gemeinsam hatten sie sich zu den Schlangenfelsen aufgemacht. Lebenstraum hatte Holunderzweig das Tempo bestimmen lassen während ihres Wegs. Der Nebel hing über dem Ort und machte das Erkennen der Umgebung schwerer und der Nieselregen machte es nicht angenehmer. Lebenstraum konnte sich vorstellen, dass Holunderzweig nicht permanent umsorgt werden wollte. Dennoch hielt sie ein Auge auf die trächtige Kriegerin während sie ihre Umgebung ebenfalls im Auge zu behalten versuchte. Schließlich gab es genug Fressfeinde, die hier ihr Unwesen treiben konnten.
Holunderzweig machte sich sogleich an die Arbeit und begann mit ihrer Jagd. Lebenstraum blickte ihr für ein paar Herzschläge hinterher bevor sie sich eine andere Richtung aussuchte. Seit der Sache am Donnerweg als Goldstreif sich auf Achatbrand und Granitstille gestürzt hatte, mied Lebenstraum die Grenze bestmöglich. Und sämtliche Kontakte und Kontaktmöglichkeiten mit dem GlutClan. Allein der Gedanke an diese Felsenhirne ließ sie ihr Nackenfell aufstellen. Leicht schüttelte es Lebenstraum. Ihre Ohren zuckten unruhig als sie sich erinnerte wie Achatbrand sie festgehalten hatte und Granitstille ihm schließlich noch zusätzlich zu Hilfe gekommen war während Goldstreif... nur zugesehen hatte. All das war zwar im vergangenen Mond passiert aber noch immer fragte sich Lebenstraum, wieso die getigerte Kätzin, die Fichtenstern so ähnlich sah, ihr nicht geholfen hatte.
Sie atmete langsam aus. Der Nebel schmeckte nach diesem Ort - kaltem Stein und feuchter Erde. Der Nieselregen klebte ihr Fell langsam enger an ihren eigentlich athletischen, sehnigen Körper. Lebenstraum schob den Gedanken beiseite, so gut sie konnte. Sie war nicht hier, um alte Wunden zu lecken. Sie war hier, um zu jagen. Um Holunderzweig etwas Normalität zu schenken und sich selbst gleich mit.
Ihre weißen Pfoten fanden den Weg fast von allein. Das Gelände hier war tückisch selbst ohne Nebel, Lebenstraum musste ihre Balance bewusst halten und ihre Krallen immer wieder kurz ausfahren, um nicht auf dem nassen Untergrund wegzurutschen.
Mit einem Mal bekam sie das Gefühl... dass der Wald sie beobachtete. Du wirst paranoid. Aber wer konnte ihr das bei so einer Begegnung verübeln? Lebenstraum hielt kurz inne, hob den Kopf und sog die Luft ein. Regen, Stein, Moos, ein Hauch von Schlangen aber alt, nur Spuren. Ein paar Mäuse aber nichts Fremdes. Kein Geruch der Felsenhirne, die immer wieder die Schlangenfelsen ins Visier nahmen. Und doch prickelte es ihr im Nacken als hätte jemand dort eine unsichtbare Kralle angesetzt. Fast hätte sie ihren dreieckigen Kopf geschüttelt. "Reiß dich zusammen." , murmelte sie an sich selbst gerichtet.
Nun schüttelte sie tatsächlich den Kopf, sodass feine Tropfen aus ihrem Fell und von ihren weißen Schnurrhaaren spritzten bevor sie sich setzte wieder in Bewegung setzte. Sie wollte nicht zu weit von Holunderzweig weg, nur weit genug, damit beide in Ruhe jagen konnten.
Ein Rascheln, ganz zart, direkt unter einem flachen Felsvorsprung, ließ sie innehalten.
Sofort fiel sie ins Jagdkauern. Bauch tief, Schultern weich, Schritte klein, Schweif zum Ausbalancieren. Wieder sog sie Luft ein, diesmal konzentrierter. Und da war er: der warme, erdige Duft einer Rötelmaus. Die Maus war nah. Sehr nah.
Lebenstraum verharrte und lauerte. Ein Herzschlag. Zwei. Sie wartete, bis sich im Nebel etwas bewegte, nicht sichtbar, eher... fühlbar. Dann sah sie es: ein winziger Schatten und ein zuckender Schweif, der kurz am Rand eines Steinlochs auftauchte.
Sie spannte ihre Hinterläufe an. Jetzt.
Mit einem Sprung, der mehr Eleganz als Kraft war, landete sie vor dem Loch, blockierte den Ausgang und schlug gleichzeitig die Pfote vor. Ein kurzes Quieken, sie setzte nach, drehte sich als wäre ihr Körper nur eine geschmeidige Linie und schnappte zu. Nicht brutal, sondern präzise. Ein Biss, schnell und sauber. Dann wurde es still.
Lebenstraum hielt die Rötelmaus zwischen den Zähnen und schloss für einen Moment die grasgrünen Augen als sie ihren Ahnen für die Maus stumm dankte. Dankbarkeit flackerte in ihr auf, warm und ruhig. Sie mochte dieses Gefühl: dass sie etwas beitragen konnte, ohne kämpfen zu müssen. Dass sie nützlich war, ohne jemanden verletzen zu müssen.
Als sie die Augen wieder öffnete, war das Gefühl, beobachtet zu werden, stärker. Es war nicht bloß ein Unbehagen. Es war… als hätte sich der Nebel verändert. Als wäre er dichter geworden, genau da, wo sie hinsah. Lebenstraum legte die Maus zwischen ihren weißen Pfoten ab und richtete sich etwas auf. Ihre Ohren drehten sich in alle Richtungen als sie lauschte. Da war das leise Tropfen des Regens von den Steinen und auf die Steine. Das ferne, weiche Rascheln der Gräser. Ihr eigener Atem.
Aber sonst nichts.
Sie schnupperte erneut. Kein fremder Geruch. Nichts, was nach einem Fressfeind oder einem anderen Clan roch. Und doch sträubte sich ihr Nackenfell ein kleines Stück als würde ihr Körper ihr instinktiv etwas sagen wollen, das ihr Verstand noch nicht verstehen konnte. "Hallo?" , maunzte sie leise, kaum mehr als ein hauchen. Lebenstraum schluckte.
Holunderzweig!
Lebenstraum hob hastig die Maus wieder auf und schob sich in Richtung der Stelle, an der sie die andere Kätzin zuletzt gesehen hatte. Sie ging nicht panisch, sie zwang sich zur Ruhe. Panik machte Geräusche. Panik machte Fehler. Und Holunderzweig durfte keine Fehler machen. Nicht jetzt.
Lebenstraum blieb kurz stehen, um die Umgebung zu scannen als sie die andere Kätzin fand. Sie näherte sich vorsichtig, wollte Holunderzweig nicht erschrecken und legte die Rötelmaus ein Stück vor ihr ab. "Der Nebel ist heute sehr dicht." , miaute Lebenstraum. Eher eine Feststellung, weil sie Holunderzweig nicht auf ihre leeren Pfoten oder Lebenstraums erfolgreich gefangene Maus ansprechen wollte. Zögerlich schenkte sie der anderen Kätzin ein sanftes, kleines Lächeln. Während sie sprach, wanderte ihr grasgrüner Blick immer wieder über die Felsen als suchte sie etwas oder versuchte etwas zu erkennen. Doch nach wie vor war das nichts.
Nur dieses Gefühl.
Dass sie nicht allein waren.
Und dass es nicht ihre Ahnen waren, die sie beobachteten.
Sternenfänger
Alias — Jacky
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Die Erdkröte war verspeist. Der Kater leckte die letzten Reste von seinen Pfoten als die Ohren zuckten und die ersten Geräusche vernahmen. Seine Schnurrhaare zuckten, die Muskeln spannten sich an. Sein Maul öffnete sich, entblößte die Zähne zu einer hässlichen grinsenden Grimasse:
Wurzelbrei
Einen kurzen seitlichen Blick warf er in die Richtung wo Loderblick war. Dank des Nebels konnte er ihn nicht ausmachen, doch den Mentor und seinen Schüler verband etwas was sie immer zusammenführte. Unsichtbar. Unzerstörbar.
Geformt vom harten Training, all den Begegnungen noch nach der Lehrzeit. Ihren gemeinsamen Arbeiten und dem tiefen Verständnis für einander – waren sie die perfekte Einheit.
Und so wusste er, dass auch Loderblick sie bemerkt hatte. Dass auch dieser orange brennende Kater zu ihm blickte und die Gedankenstränge ihren gemeinsamen Weg nahmen.
Ohne ein Wort zu sprechen erhob sich Eisbrecher.
Er lauschte den Bewegungen, bevor er leiste über den Boden glitt. Weich. Standhaft. Er gab ihm guten Halt, als würde das Terrain seine Idee begrüßen. Ihn anspornen und den Lauf begünstigen.
Kurz hielt er in seiner Bewegung inne, duckte sich tiefer:
“Hallo?“
Ein leises maunzen. Ein Hauchen.
Doch er hörte es. Es war nicht fern.
Er hatte diese helle Katze wahrgenommen und war ihr gefolgt, entgegen geglitten in einem großen Bogen. Stets bedacht, den Wind zu achten. Nicht dass er ihre verräterische Spur zu ihnen trug.
Es kitzelte unter Eisbrechers Fell. Prickelte in seiner Haut. Wie gerne würde er ihr antworten. In ihr Ohr hauchen und sie erschrecken.
Doch schon verschwand die Kätzin hastig. Ein heller Fleck im Nebel. Ein Farbenspiel in der grauen Pampe.
Eisbrecher unterdrückte ein heiseres, kehliges Lachen. Schnurrhaare tanzten im zitternden Takt der Vorfreude. Sein Herz explodierte in der Brust. Die Jagdsaison war eröffnet!
Kurze, hastige Atemzüge.
So stark unterdrückt, dass sie in den Geräuschen der Umgebung untergingen. Der Schwanz glitt zittrig hinter dem angespannten Kater her, der erneut der Spur seiner Beute folgte. Wohl wissend, dass Loderblick nicht fern war. Er schlug einen abgewandelten Weg ein wie er.
Da erblickte er die zwei Silhouetten wieder im Nebel. Die Rücken zu ihm gewandt.
Nun schlug Eisbrecher den größeren Boden ein. Er konnte nicht widerstehen. Jener steingraue Kater musste dieses Spiel spielen. Jene Kätzin hatte ihn schließlich herausgefordert. Ihr süßes, verunsichertes Hallo echote noch immer in seinem Kopf. Ein sanfter lockender Ruf.
“Der Nebel ist heute sehr dicht.“ hörte er die Kätzin maunzen.
Sie sprach zu der anderen. Sie war abgelenkt. Und der Nebel schluckte all seine Farben. Sachte und vorsichtig sog er die Luft ein. Er roch es. Die eine roch wie eine der Kätzinnen die in den Königsbau verbannt wurden. Die andere Roch nach Angst .
Dies wird ein besonders spaßiges Spiel. Ein Feuer flammte in seinen Augen auf. Zugleich gab er sich alle Mühe die Präsenz zu verschleiern. Zu Untergraben und alle Gefühle einzufangen bis der Moment war um heraus zu brechen.
Noch einen Schritt.
Ein letzter Atemzug.
Ein weiterer Herzschlag zum Schritt.
Sei still mein wildes Herz
Der nächste Schritt.
Die Luft verharrte im Körper. Das Fell schwieg.
Noch ein einziger und sein Maul war auf der Höhe des Ohres des bunten Farbenspiels im Nebel. Auf der anderen Seite, war sie nun in der Mitte ihrer Gefährtin und von ihm gekeilt.
“Halllooo“ , sprach er samtig sanft. Tief und verführerisch. Das dunkle Versprechen sie in den Abgrund zu zerren.
Ein süffisantes Grinsen auf dem Angesicht, holte er bereits mit der Pfote aus und schlug ihr mit ausgefahrenen Krallen über ihren Kopf. Traf sie oberhalb, etwas hinter ihrem rechten Ohr.
Womit Eisbrecher nicht rechnete, war ihre Schreckensreaktion.
Während er sich so auf die Kätzin und ihre Situation einschoss, schlug ihre linke Pfote nach seinem Maul und verpasste ihm einen tiefen Kratzer.
Durch die Scheme im linken Augenwinkel zu abgelenkt – dies war sein Mentor – konnte er der Pfote nicht mehr ausweichen.
Alias — nessjas
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Die Schlange lag wohlig schwer in seinen Magen, gerade schwer genug, um sich schläfrig zu fühlen. Doch hier schien sich etwas zusammenzubrauen, das wesentlich interessanter schien, als ein Schläfchen auf fremdem Revier. Loderblicks Lefzen hoben sich zu einem kalten Grinsen, als er leise Stimmen im Nebel vernahm. Lautlos erhob er sich und warf einen Blick in die Richtung, wo er Eisbrecher vermutete. Der Graue war durch die dichten Schwaden nicht zu entdecken, doch Loderblick war sich sicher, er würde sich dieses Festmahl nicht entgehen lassen. Lautlos schob er sich durch den Nebel, spülte den kalten Fels an seinen messerscharfen Krallen. Er fuhr sie gerade so weit aus, dass er den harten Stein an den Spitzen spüren konnte, unnachgiebig wie der Krieger selbst. Die Luft roch schwer, nach Erde, Moder, nach freudiger Erwartung. War das Blutgeruch? Oder war das nur ein Vorgeschmack dessen, was vor ihm lag? Loderblick schleckte sich über die Lefzen, spürte die feuchten Tropfen auf seinen Schnurrhaaren wie Klauen, die nach ihm Griffen, die Vorboten des Todes. Doch es würde nicht sein eigener Tod sein, der in diesen Schwaden lauerte.
Der Nebel war sein Verbündeter, hüllte seine Gestalt ein wie eine Umarmung. Seine Schritte waren kontrolliert und ruhig, als bliebe ihm alle Zeit der Welt. Er würde das hier genießen. Sein sehendes Auge begann zu Lodern, flackerte auf wie eine Flamme, sorgsam verborgen durch die dichtem Schwaden. Er konnte die Kätzinnen vor sich riechen, den betörenden Duft von Beute, die noch nichts vom Tod aus den Schatten ahnte, der nach ihnen trachtete. Noch konnte er ihre Gestalten nicht ausmachen, doch eine von ihnen schien zu spüren, dass etwas auf sie lauerte.
Hallo?“ Unsicher, ängstlich. Loderblicks Augen funkelten böse. Hallo, Kleines. Willst du spielen?
Er schob sich von dem Fels herunter, der ihn vor ihnen verborgen hatte und wartete im Schatten darauf, dass sein Schüler den ersten Schritt machte. Schon so lange war er nicht mehr sein Mentor, doch die alten Muster blieben. Loderblick grinste eisern, als Eisbrecher seinen Auftritt hinlegte. So viel Drama. So viel Show. Doch er würde ihn nicht alleine den Ruhm ernten lassen.
Er sprang aus seiner Deckung, kalkuliert, präzise. Sein Herz schlug unnatürlich ruhig in seiner Brust, als er genau dort landete, wo er die Kätzin vermutete. Doch sie war Eisbrecher nicht dorthin ausgewichen, wo er sie vermutet hatte und so landete der rote Kater unverrichteter Dinge im Leeren. Er starrte die beiden Kätzinnen an, grinsend, drohend.
"Selber hallo!" , säuselte er höhnisch.
Die kleine bunte, die offenbar Eisbrechers erstem Angriff entgangen war, hatte die Courage, ihre Krallen gegen ihn zu erheben. Dem roten Kater blieb nichts anderes übrig, als zurückzuweichen, als sie zu einem kräftigen Schlag ausholte. Er spürte den Luftzug ihrer Pfote in seinem Gesicht und schleckte sich amüsiert über die Lefzen. Seine Augen loderten anerkennend auf. Hatten sie hier etwa eine würdige Gegnerin gefunden?
Alias — Haku
Haku ist Offline
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