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Broken bones and broken souls - Druckversion

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Broken bones and broken souls - Eisbrecher - 10.01.2026


Broken bones and broken souls
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Es war bereits mehr als 12 Tage her, dass sich die Clans am Baumgeviert getroffen hatten. Und 11 Nächte waren vergangen, seit Fichtenstern ihnen auftrug den Schlangenfelsen mit allen mitteln an sich zu reißen. Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen, als er munter neben seinem ehemaligen Mentoren Loderblick die Distanz zum neuen Revier immer weiter verkleinerte. Die Sonne war längst unter gegangen. Die feuchte Luft hatte sich in seichten Regeln verwandelt der unerbittlich sich über sie ergoß und ihr Fell in ihren kalten Perlen tauchte. Die einbrechende kühle wollte in ihren Pelz beißen, doch weder Eisbrecher noch Loderblick interessierte dies.
Sie hatten wichtigeres zu tun.
Es war kein offizieller Auftrag. Eher eine private Verabredung freudiger Natur. Seine grünen Augen lagen auf Loderblick mit einer gewissen Zufriedenheit. Ob sein Mentor oder er den Einfall hatte war nicht mehr wichtig. Aber ihr Gespräch war es.
Dies ging ungefähr so:


“Ich brauche wen zum verprügeln.“
„Ist dir etwa langweilig, kleiner?“
„Tu doch nicht so“
, hatte er zurück gezischt. “Du würdest deine Krallen doch auch am liebsten in einen Pelz versenken.“
„Da hast du Recht, Bürschchen. Vielleicht ja in dir, der guten alten Zeiten willen?“
„Oder in einige Wurzelhirne. Ob ihr Körper so Widerstandsfähig ist wie die Wurzeln eines Baumes?“
„Eher ist unser Feuer zu viel und sie verbrennen“

Ein eisiges, gefährliches Feuer tanzte in dem Auge von Loderblick.
“Heute Abend?“, kam die heisere erwartungsvolle Stimme von Eisbrecher.
“Heute Abend.“ bestätigte Loderblick.
Und beide grinsten sich bitterböse an.


So schnell hatten sie beschlossen, dass sie spät am Abend los wanderten und zum Schlangenfelsen gingen. Für Futter. Zum Beanspruchen. Und für Wurzelhirne!, keckerte sein Kopf.
Oh wie sehr Eisbrecher sich bereits darauf freute diesen hohlen Baumstämmen an die Wurzeln zu pinkeln und sich dabei an ihrem Anblick zu suhlen.
Vielleicht trafen sie ja auf ganz besondere Exemplare mit denen es erst so richtig Spaß machte sich zu prügeln. Erwartungsvoll erzitterte sein Schwanz den er hoch in der Höhe trug. Die Zunge glitt über sein Maul.


“Ich bekomme so langsam Hunger.“, maunzte er leise zu seinem Mentor während die ersten Nebelschwaden sich immer weiter den Hang hinauf arbeiteten.
Seine Augen wanderten über die Umgebung. Die Ohren zuckten etwas und lauschten, bevor er weiter sprach: “Es wirkt, als würden die Ahnen für uns arbeiten. Der Nebel wird dichter und höher. Wir können im Schlangenfelsen ganz nach unserm Vergnügen spielen.“ Er kicherte etwas als er sich den alten Kater neben sich vorstellte wie er durch das Gebiet tollte. Seine Krallen über Fleisch zog und genüsslich beobachtete wie sein Gegner ihm wimmernd unterlegen war. Er um sein Leben bettelte und Loderblick sein eigenes Spiel begann.
Eisbrecher war ebenso gut darin, allerdings genoss er es nicht in der Art wie sein Kamerad.


Sie erreichten das Gebiet des Schlangenfelsens und waren nicht mehr als Schemengestalten im Nebel. Er hatte sie mittlerweile komplett Verschluckt. Würden die beiden Kater nicht so dicht nebeneinander laufen, würden sie sich wohl nicht mehr sehen.
Eisbrecher sah Loderblick lange an, bevor er ihm zu nickte. Sie hatten zuvor besprochen, dass sie sich trennen würden und Jagen, bevor sie sich an den gefährlichen Steinen, in denen so manch ein Reptil hauste, trafen.
Der Kater sprang davon in die eine Richtung und schlich sich durch das Gebiet. Er schnupperte und lauschte.
Als Eisbrecher auf eine Markierung des Wurzelclans traf, grinste er und urinierte einfach drüber. Da raschelte es. Es klang nicht nach eine Vogel sondern eher wie etwas das sich durch das Gras schlängelte.
Langsam duckte er sich und versuchte sich dem Geräusch zu nähern. Er sah die Schwanzspitze der Schlange. Sofort hielt er inne und wartete, als sie sich weiter wandte setzte er zum Sprung an. Die Schlange war listiger und verschwand in einem Loch, das er im Nebel nicht gesehen hatte. Der Kater senkte den Kopf und knurrte hinein. “Zisch ab du Feigling!“


Er müsste wohl nach etwas anderem schauen. Sein Magen knurrte langsam immer lauter. Sofort nahm er wieder Witterung auf und lauschte dabei, ob er bereits Wurzelhirne vernahm. Doch die Spuren waren alle vom Tag. So glitt er durch den Nebel langsam näher an den Schlangenfels heran und witterte eine Erdkröte. Die Zunge glitt über sein Mäulchen Die würde mir jetzt ausgezeichnet schmecken, dachte Eisbrecher als er ihrer Spur folgte und sie ruhend hinter dem Fels aufspürte. Ohne weitere Zeit zu verschwenden wetzte der Kater um die Ecke und drückte die Kröte mit den Pranken gen Boden bevor er ihr mit dem Maul den Kopf abriss.
Genüsslich verspeiste er sie, ohne die Umgebung aus seiner Wahrnehmung zu blenden. Er wollte bereit sein, wenn er eine andere Katze als Loderblick wahrnahm. Er hoffte darauf den Nebel nutzen zu können für einen wundervollen Angriff.
Oder zumindest seinem Mentor die Chance zu geben, indem er als Köder da hinter dem Felsen saß.



@Loderblick @Holunderzweig @Lebenstraum



RE: Broken bones and broken souls - Loderblick - 11.01.2026


Two snakes in the dark



Loderblick hatte sich bereits seit Tagen rastlos und unruhig gefühlt. Er hatte dieses Gefühl nie richtig greifen können und es war ihm auch nur unterbewusst aufgefallen, doch in diesem Zustand kam ihm Eisbrechers Vorschlag ausgesprochen gelegen. So trotteten sie nun im Schatten der Nacht Seite an Seite durch das Revier des GlutClans, immer weiter auf dessen Noch-Grenze zu. Denn Fichtenstern hatte klar geäußert, dass die Schlangenfelsen nicht länger den Wurzelhirnen gehören sollten und Loderblick konnte sich kaum vorstellen, dass die Baumkuschler noch viel länger standhalten würden. Bald würden sie sich geschlagen geben, gegen den mächtigsten Clan des Waldes konnte niemand lange bestehen.

Ein leichter Nieselregen prasselte auf die beiden Kater nieder, als sie die offizielle Grenze zum WurzelClan Gebiet überschritten. Sein gesundes Auge hatte der Rote seinem Begleiter zugewandt, dem die freudige Erregung beinahe aus jeder Pore strömte. Eisbrecher beteuerte oft, das ihm das Kämpfen nicht auf die gleiche Weise Freude bereitete, wie seinem alten Mentor, doch heute bezweifelte Loderblick dies. Sein ehemaliger Schüler schien beinahe zu knistern vor lauter zurückgehaltener Energie. Ein böses Grinsen straffte Loderblicks Lefzen, als sie die Schlangenfelsen vor sich im Nebel ausmachen konnten. Eisbrechers Worte nahm er mit einem Ohrenzucken wahr.

“Die Ahnen.“, prustete er verächtlich und grub seine scharfen Krallen in den kühlen Waldboden.

“Wenn sie Glück haben, werden sie heute um den einen oder anderen Baumkuschler bereichert.“

Sein Bernsteinauge glühte gefährlich auf, während er erwartungsvoll die Umgebung scannte. Es war befreiend, mit einem gleichgesinnten unterwegs zu sein, einem Kater, der nichts von der verweichlichten Seite hatte, die so viele seiner Clangefährten scheinheilig vor sich hertrugen.
Doch Eisbrecher hatte nicht unrecht, die Wartezeit konnten sie ebenso gut überbrücken, indem sie ihren Hunger stillten. Hoffentlich tauchte überhaupt jemand auf. Loderblick hatte heute gewiss nicht zum jagen sein Nest verlassen. Er nickte seinem Begleiter knapp zu, bevor sich beide Kater in unterschiedliche Richtungen davonstahlen. Nebel waberte über den nächtlichen Waldboden und hüllte die beiden Krieger ein, verbarg sie vor allem, was sich hier draußen herumtrieb.

Lautlos arbeitete sich der rote Kater über die dunstnassen Felsen. Sie waren glatt und teilweise unwegsam, doch sie bereiteten dem erfahrenen Kater keine Schwierigkeiten. Sorgsam prüfte er die Luft, lugte in Felsspalten und unter Vorsprünge, wohl wissend, dass sich nachts kaum Reptilien nach draußen wagten. Es dauerte nicht lange, bis er fündig wurde. In einer langgezogenen Felsspalte lag zusammengerollt und geschützt vor der Nässe eine Ringelnatter, die nichts von der tödlichen Gefahr ahnte, die selbst im Schlaf auf sie lauerte. Mit einem präzisen Pfotenschlag zerrte er die Schlange aus ihrem Versteck und tötete sie mit einem schnellen Biss. Selbstzufrieden trug er die Schlange auf einen erhöhten Platz, um sie dort genüsslich zu verspeisen und gleichzeitig den besten Platz für einen Überraschungsangriff zu besetzen. Sollten sie kommen, die Wurzelhirne.


@Eisbrecher @Holunderzweig @Lebenstraum



RE: Broken bones and broken souls - Holunderzweig - 12.01.2026


Vielleicht, vielleicht auch nicht


Der Nebel hing tief im Lager, als Holunderzweig den Bau verließ. Feuchtigkeit lag in der Luft, sammelte sich in ihrem Fell und ließ die Geräusche gedämpft wirken, als würde der Wald jeden Ton für sich behalten wollen. Es war ruhig. Zu ruhig für ihren Geschmack. Ihr Blick glitt über die vertrauten Umrisse des Lagers. Sie wusste genau, wo sie nicht hinsehen durfte.

Rindenseele.

Sie hatte es in den letzten Tagen erstaunlich gut geschafft, ihm aus dem Weg zu gehen. Keine zufälligen Begegnungen. Keine Blicke, die zu lange verweilten. Keine Gespräche, die Fragen aufwarfen, für die sie keine Antworten hatte. Es war nicht geplant gewesen. Kein bewusster Entschluss. Eher ein instinktives Ausweichen, wie man es tat, wenn man wusste, dass ein Schritt zu viel etwas Unwiderrufliches auslösen könnte. Ihr Bauch spannte unter ihrem Fell. Schwer, rund, unübersehbar. Der Clan wusste längst Bescheid. Holunderzweig spürte die Blicke trotzdem. Leiser geworden. Vorsichtiger. Manche mieden sie, andere beobachteten sie umso genauer. Sie tat so, als würde es sie nicht kümmern. Als wäre alles wie immer.

Doch das war es nicht.

Sie verlagerte ihr Gewicht, zwang sich zur Ruhe. Rindenseele hatte Fragen. Das wusste sie. Vielleicht sogar mehr als andere. Und genau deshalb durfte sie ihm gerade jetzt nicht begegnen. Nicht, solange sie selbst nicht wusste, was sie sagen sollte. Wie sollte sie seine Fragen bloß beantworten?

Ein Rascheln im Augenwinkel lenkte sie ab. Lebenstraum näherte sich, ihr helles Fell zeichnete sich klar gegen den dunkleren Hintergrund ab. Holunderzweig nickte ihr knapp zu, ein stummes Einverständnis.

Jagen. 
Etwas Normales. 
Etwas, das sie noch konnte.

Der Gedanke tat gut.
Außerhalb des Lagers sein, würde gut tun.

Ohne viele Umstände verließen sie das Lager. Der Wald nahm sie auf, der Nebel wurde dichter, schloss sich hinter ihnen, als hätte es das Lager nie gegeben. Holunderzweig ließ den Blick über den Boden schweifen, suchte nach Spuren, nach etwas Vertrautem, an dem sie sich festhalten konnte.

Ein Flattern ließ sie innehalten.

Ein Vogel saß nicht weit entfernt auf einem niedrigen Ast, die Federn aufgeplustert gegen die Feuchte. Holunderzweig senkte den Körper, verlagerte ihr Gewicht vorsichtig nach hinten. Sie schlich an, Schritt für Schritt, den Atem angehalten. Für einen Moment fühlte es sich fast richtig an. Wie früher. Dann sprang sie. Der Boden gab minimal nach. Zu langsam. 
Der Vogel stob mit einem scharfen Flügelschlag davon und verschwand im Nebel. Die junge Kriegerin blieb stehen, der Sprung endete unbeholfen. Sie atmete schwerer, als sie sollte. Ein leises Ziehen meldete sich in ihrem Bauch, nicht schmerzhaft, aber deutlich genug, um sie daran zu erinnern, dass nichts mehr so funktionierte wie zuvor.

Frustration flackerte auf, doch diese war nur von kurzer Dauer. Sie dachte an Honigfluss, ihre gleichaltrige Schwester und das was Unausgesprochen zwischen ihnen lag. Ihr Blick wanderte zu Lebenstraum. Und mit ihm kam ein Gedanke, der sich schon länger in ihr festgesetzt hatte. Ein Drängen, leise, aber hartnäckig. Der Wunsch, etwas auszusprechen. Etwas, das sie nun schon lange mit sich trug.

Die Wahrheit.

Nicht nur über ihre Unsicherheit. Nicht nur über ihre Angst.  Sondern über das, was niemand wusste. Dass es zwei Möglichkeiten gab. Dass die Jungen vielleicht von Rußwolke waren. Oder von Bussardjäger. Der Gedanke ließ ihr Herz schneller schlagen. Sie senkte den Blick, grub die Krallen kurz in den weichen Boden. Noch brachte sie kein Wort hervor. Noch nicht. Aber das Bedürfnis, sich Lebenstraum anzuvertrauen, war da. Schwer. Echt. Und gefährlich.

Holunderzweig hob schließlich den Kopf, zwang sich zurück in den Moment. 
Jagen. Atmen. Weitergehen.

Vielleicht würde sie es bald sagen. 
Vielleicht auch nicht.

Der Wald raschelte leise, als hätte er zugehört.

Holunderzweig setzte sich wieder in Bewegung.


Erwähnt: @Rindenseele, @Lebenstraum, @Honigfluss



RE: Broken bones and broken souls - Lebenstraum - 30.01.2026


The sound of silence



Sie hatte es im Gefühl gehabt als sie Holunderzweig gesehen hatte. Nach ihrer Jagdpatrouille vor einigen Tagen während Mondhoch hatte Lebenstraum die trächtige Kätzin gemieden. Dass die Trächtigkeit Reizbarkeit auslösen konnte, war ihr durchaus klar. Immerhin hatte sie die Trächtigkeit ihrer Mutter, der zwei wundervolle Schwestern entsprungen waren, miterleben dürfen. Trotzdem hatte Lebenstraum nicht mit der Schwere ihrer leisen Worte gerechnet. Es hatte sie bis heute beschäftigt. Und Lebenstraum hatte Holunderzweig beobachtet. Sicher würde ihr Jagen gut tun. Also hatte sie der anderen Kätzin vorgeschlagen, gemeinsam Jagen zu gehen. Glücklicherweise hatte die braun-weiße Kätzin zugestimmt.

Gemeinsam hatten sie sich zu den Schlangenfelsen aufgemacht. Lebenstraum hatte Holunderzweig das Tempo bestimmen lassen während ihres Wegs. Der Nebel hing über dem Ort und machte das Erkennen der Umgebung schwerer und der Nieselregen machte es nicht angenehmer. Lebenstraum konnte sich vorstellen, dass Holunderzweig nicht permanent umsorgt werden wollte. Dennoch hielt sie ein Auge auf die trächtige Kriegerin während sie ihre Umgebung ebenfalls im Auge zu behalten versuchte. Schließlich gab es genug Fressfeinde, die hier ihr Unwesen treiben konnten.

Holunderzweig machte sich sogleich an die Arbeit und begann mit ihrer Jagd. Lebenstraum blickte ihr für ein paar Herzschläge hinterher bevor sie sich eine andere Richtung aussuchte. Seit der Sache am Donnerweg als Goldstreif sich auf Achatbrand und Granitstille gestürzt hatte, mied Lebenstraum die Grenze bestmöglich. Und sämtliche Kontakte und Kontaktmöglichkeiten mit dem GlutClan. Allein der Gedanke an diese Felsenhirne ließ sie ihr Nackenfell aufstellen. Leicht schüttelte es Lebenstraum. Ihre Ohren zuckten unruhig als sie sich erinnerte wie Achatbrand sie festgehalten hatte und Granitstille ihm schließlich noch zusätzlich zu Hilfe gekommen war während Goldstreif... nur zugesehen hatte. All das war zwar im vergangenen Mond passiert aber noch immer fragte sich Lebenstraum, wieso die getigerte Kätzin, die Fichtenstern so ähnlich sah, ihr nicht geholfen hatte.

Sie atmete langsam aus. Der Nebel schmeckte nach diesem Ort - kaltem Stein und feuchter Erde. Der Nieselregen klebte ihr Fell langsam enger an ihren eigentlich athletischen, sehnigen Körper. Lebenstraum schob den Gedanken beiseite, so gut sie konnte. Sie war nicht hier, um alte Wunden zu lecken. Sie war hier, um zu jagen. Um Holunderzweig etwas Normalität zu schenken und sich selbst gleich mit.

Ihre weißen Pfoten fanden den Weg fast von allein. Das Gelände hier war tückisch selbst ohne Nebel, Lebenstraum musste ihre Balance bewusst halten und ihre Krallen immer wieder kurz ausfahren, um nicht auf dem nassen Untergrund wegzurutschen.

Mit einem Mal bekam sie das Gefühl... dass der Wald sie beobachtete. Du wirst paranoid. Aber wer konnte ihr das bei so einer Begegnung verübeln? Lebenstraum hielt kurz inne, hob den Kopf und sog die Luft ein. Regen, Stein, Moos, ein Hauch von Schlangen aber alt, nur Spuren. Ein paar Mäuse aber nichts Fremdes. Kein Geruch der Felsenhirne, die immer wieder die Schlangenfelsen ins Visier nahmen. Und doch prickelte es ihr im Nacken als hätte jemand dort eine unsichtbare Kralle angesetzt. Fast hätte sie ihren dreieckigen Kopf geschüttelt. "Reiß dich zusammen.", murmelte sie an sich selbst gerichtet.

Nun schüttelte sie tatsächlich den Kopf, sodass feine Tropfen aus ihrem Fell und von ihren weißen Schnurrhaaren spritzten bevor sie sich setzte wieder in Bewegung setzte. Sie wollte nicht zu weit von Holunderzweig weg, nur weit genug, damit beide in Ruhe jagen konnten.

Ein Rascheln, ganz zart, direkt unter einem flachen Felsvorsprung, ließ sie innehalten.

Sofort fiel sie ins Jagdkauern. Bauch tief, Schultern weich, Schritte klein, Schweif zum Ausbalancieren. Wieder sog sie Luft ein, diesmal konzentrierter. Und da war er: der warme, erdige Duft einer Rötelmaus. Die Maus war nah. Sehr nah.

Lebenstraum verharrte und lauerte. Ein Herzschlag. Zwei. Sie wartete, bis sich im Nebel etwas bewegte, nicht sichtbar, eher... fühlbar. Dann sah sie es: ein winziger Schatten und ein zuckender Schweif, der kurz am Rand eines Steinlochs auftauchte.

Sie spannte ihre Hinterläufe an. Jetzt.

Mit einem Sprung, der mehr Eleganz als Kraft war, landete sie vor dem Loch, blockierte den Ausgang und schlug gleichzeitig die Pfote vor. Ein kurzes Quieken, sie setzte nach, drehte sich als wäre ihr Körper nur eine geschmeidige Linie und schnappte zu. Nicht brutal, sondern präzise. Ein Biss, schnell und sauber. Dann wurde es still.

Lebenstraum hielt die Rötelmaus zwischen den Zähnen und schloss für einen Moment die grasgrünen Augen als sie ihren Ahnen für die Maus stumm dankte. Dankbarkeit flackerte in ihr auf, warm und ruhig. Sie mochte dieses Gefühl: dass sie etwas beitragen konnte, ohne kämpfen zu müssen. Dass sie nützlich war, ohne jemanden verletzen zu müssen.

Als sie die Augen wieder öffnete, war das Gefühl, beobachtet zu werden, stärker. Es war nicht bloß ein Unbehagen. Es war… als hätte sich der Nebel verändert. Als wäre er dichter geworden, genau da, wo sie hinsah. Lebenstraum legte die Maus zwischen ihren weißen Pfoten ab und richtete sich etwas auf. Ihre Ohren drehten sich in alle Richtungen als sie lauschte. Da war das leise Tropfen des Regens von den Steinen und auf die Steine. Das ferne, weiche Rascheln der Gräser. Ihr eigener Atem.

Aber sonst nichts.

Sie schnupperte erneut. Kein fremder Geruch. Nichts, was nach einem Fressfeind oder einem anderen Clan roch. Und doch sträubte sich ihr Nackenfell ein kleines Stück als würde ihr Körper ihr instinktiv etwas sagen wollen, das ihr Verstand noch nicht verstehen konnte. "Hallo?", maunzte sie leise, kaum mehr als ein hauchen. Lebenstraum schluckte.

Holunderzweig!

Lebenstraum hob hastig die Maus wieder auf und schob sich in Richtung der Stelle, an der sie die andere Kätzin zuletzt gesehen hatte. Sie ging nicht panisch, sie zwang sich zur Ruhe. Panik machte Geräusche. Panik machte Fehler. Und Holunderzweig durfte keine Fehler machen. Nicht jetzt.

Lebenstraum blieb kurz stehen, um die Umgebung zu scannen als sie die andere Kätzin fand. Sie näherte sich vorsichtig, wollte Holunderzweig nicht erschrecken und legte die Rötelmaus ein Stück vor ihr ab. "Der Nebel ist heute sehr dicht.", miaute Lebenstraum. Eher eine Feststellung, weil sie Holunderzweig nicht auf ihre leeren Pfoten oder Lebenstraums erfolgreich gefangene Maus ansprechen wollte. Zögerlich schenkte sie der anderen Kätzin ein  sanftes, kleines Lächeln. Während sie sprach, wanderte ihr grasgrüner Blick immer wieder über die Felsen als suchte sie etwas oder versuchte etwas zu erkennen. Doch nach wie vor war das nichts.

Nur dieses Gefühl.
Dass sie nicht allein waren.
Und dass es nicht ihre Ahnen waren, die sie beobachteten.



@Eisbrecher @Loderblick @Holunderzweig



RE: Broken bones and broken souls - Eisbrecher - 31.01.2026


Broken bones and broken souls
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Die Erdkröte war verspeist. Der Kater leckte die letzten Reste von seinen Pfoten als die Ohren zuckten und die ersten Geräusche vernahmen. Seine Schnurrhaare zuckten, die Muskeln spannten sich an. Sein Maul öffnete sich, entblößte die Zähne zu einer hässlichen grinsenden Grimasse:


Wurzelbrei


Einen kurzen seitlichen Blick warf er in die Richtung wo Loderblick war. Dank des Nebels konnte er ihn nicht ausmachen, doch den Mentor und seinen Schüler verband etwas was sie immer zusammenführte. Unsichtbar. Unzerstörbar.
Geformt vom harten Training, all den Begegnungen noch nach der Lehrzeit. Ihren gemeinsamen Arbeiten und dem tiefen Verständnis für einander – waren sie die perfekte Einheit.
Und so wusste er, dass auch Loderblick sie bemerkt hatte. Dass auch dieser orange brennende Kater zu ihm blickte und die Gedankenstränge ihren gemeinsamen Weg nahmen.
Ohne ein Wort zu sprechen erhob sich Eisbrecher.
Er lauschte den Bewegungen, bevor er leiste über den Boden glitt. Weich. Standhaft. Er gab ihm guten Halt, als würde das Terrain seine Idee begrüßen. Ihn anspornen und den Lauf begünstigen.


Kurz hielt er in seiner Bewegung inne, duckte sich tiefer:


“Hallo?“


Ein leises maunzen. Ein Hauchen.
Doch er hörte es. Es war nicht fern.
Er hatte diese helle Katze wahrgenommen und war ihr gefolgt, entgegen geglitten in einem großen Bogen. Stets bedacht, den Wind zu achten. Nicht dass er ihre verräterische Spur zu ihnen trug.
Es kitzelte unter Eisbrechers Fell. Prickelte in seiner Haut. Wie gerne würde er ihr antworten. In ihr Ohr hauchen und sie erschrecken.
Doch schon verschwand die Kätzin hastig. Ein heller Fleck im Nebel. Ein Farbenspiel in der grauen Pampe.
Eisbrecher unterdrückte ein heiseres, kehliges Lachen. Schnurrhaare tanzten im zitternden Takt der Vorfreude. Sein Herz explodierte in der Brust. Die Jagdsaison war eröffnet!
Kurze, hastige Atemzüge.
So stark unterdrückt, dass sie in den Geräuschen der Umgebung untergingen. Der Schwanz glitt zittrig hinter dem angespannten Kater her, der erneut der Spur seiner Beute folgte. Wohl wissend, dass Loderblick nicht fern war. Er schlug einen abgewandelten Weg ein wie er.


Da erblickte er die zwei Silhouetten wieder im Nebel. Die Rücken zu ihm gewandt.
Nun schlug Eisbrecher den größeren Boden ein. Er konnte nicht widerstehen. Jener steingraue Kater musste dieses Spiel spielen. Jene Kätzin hatte ihn schließlich herausgefordert. Ihr süßes, verunsichertes Hallo echote noch immer in seinem Kopf. Ein sanfter lockender Ruf.


“Der Nebel ist heute sehr dicht.“ hörte er die Kätzin maunzen.
Sie sprach zu der anderen. Sie war abgelenkt. Und der Nebel schluckte all seine Farben. Sachte und vorsichtig sog er die Luft ein. Er roch es. Die eine roch wie eine der Kätzinnen die in den Königsbau verbannt wurden. Die andere Roch nach Angst.
Dies wird ein besonders spaßiges Spiel. Ein Feuer flammte in seinen Augen auf. Zugleich gab er sich alle Mühe die Präsenz zu verschleiern. Zu Untergraben und alle Gefühle einzufangen bis der Moment war um heraus zu brechen.
Noch einen Schritt.
Ein letzter Atemzug.
Ein weiterer Herzschlag zum Schritt.
Sei still mein wildes Herz
Der nächste Schritt.
Die Luft verharrte im Körper. Das Fell schwieg.
Noch ein einziger und sein Maul war auf der Höhe des Ohres des bunten Farbenspiels im Nebel. Auf der anderen Seite, war sie nun in der Mitte ihrer Gefährtin und von ihm gekeilt.


“Halllooo“, sprach er samtig sanft. Tief und verführerisch. Das dunkle Versprechen sie in den Abgrund zu zerren.
Ein süffisantes Grinsen auf dem Angesicht, holte er bereits mit der Pfote aus und schlug ihr mit ausgefahrenen Krallen über ihren Kopf. Traf sie oberhalb, etwas hinter ihrem rechten Ohr.
Womit Eisbrecher nicht rechnete, war ihre Schreckensreaktion.
Während er sich so auf die Kätzin und ihre Situation einschoss, schlug ihre linke Pfote nach seinem Maul und verpasste ihm einen tiefen Kratzer.
Durch die Scheme im linken Augenwinkel zu abgelenkt – dies war sein Mentor – konnte er der Pfote nicht mehr ausweichen.



@Loderblick @Holunderzweig @Lebenstraum



RE: Broken bones and broken souls - Loderblick - 03.02.2026


Two snakes in the dark


Die Schlange lag wohlig schwer in seinen Magen, gerade schwer genug, um sich schläfrig zu fühlen. Doch hier schien sich etwas zusammenzubrauen, das wesentlich interessanter schien, als ein Schläfchen auf fremdem Revier. Loderblicks Lefzen hoben sich zu einem kalten Grinsen, als er leise Stimmen im Nebel vernahm. Lautlos erhob er sich und warf einen Blick in die Richtung, wo er Eisbrecher vermutete. Der Graue war durch die dichten Schwaden nicht zu entdecken, doch Loderblick war sich sicher, er würde sich dieses Festmahl nicht entgehen lassen. Lautlos schob er sich durch den Nebel, spülte den kalten Fels an seinen messerscharfen Krallen. Er fuhr sie gerade so weit aus, dass er den harten Stein an den Spitzen spüren konnte, unnachgiebig wie der Krieger selbst. Die Luft roch schwer, nach Erde, Moder, nach freudiger Erwartung. War das Blutgeruch? Oder war das nur ein Vorgeschmack dessen, was vor ihm lag? Loderblick schleckte sich über die Lefzen, spürte die feuchten Tropfen auf seinen Schnurrhaaren wie Klauen, die nach ihm Griffen, die Vorboten des Todes. Doch es würde nicht sein eigener Tod sein, der in diesen Schwaden lauerte.

Der Nebel war sein Verbündeter, hüllte seine Gestalt ein wie eine Umarmung. Seine Schritte waren kontrolliert und ruhig, als bliebe ihm alle Zeit der Welt. Er würde das hier genießen. Sein sehendes Auge begann zu Lodern, flackerte auf wie eine Flamme, sorgsam verborgen durch die dichtem Schwaden. Er konnte die Kätzinnen vor sich riechen, den betörenden Duft von Beute, die noch nichts vom Tod aus den Schatten ahnte, der nach ihnen trachtete. Noch konnte er ihre Gestalten nicht ausmachen, doch eine von ihnen schien zu spüren, dass etwas auf sie lauerte.

Hallo?“ Unsicher, ängstlich. Loderblicks Augen funkelten böse. Hallo, Kleines. Willst du spielen?

Er schob sich von dem Fels herunter, der ihn vor ihnen verborgen hatte und wartete im Schatten darauf, dass sein Schüler den ersten Schritt machte. Schon so lange war er nicht mehr sein Mentor, doch die alten Muster blieben. Loderblick grinste eisern, als Eisbrecher seinen Auftritt hinlegte. So viel Drama. So viel Show. Doch er würde ihn nicht alleine den Ruhm ernten lassen.

Er sprang aus seiner Deckung, kalkuliert, präzise. Sein Herz schlug unnatürlich ruhig in seiner Brust, als er genau dort landete, wo er die Kätzin vermutete. Doch sie war Eisbrecher nicht dorthin ausgewichen, wo er sie vermutet hatte und so landete der rote Kater unverrichteter Dinge im Leeren. Er starrte die beiden Kätzinnen an, grinsend, drohend. 

"Selber hallo!", säuselte er höhnisch. 

Die kleine bunte, die offenbar Eisbrechers erstem Angriff entgangen war, hatte die Courage, ihre Krallen gegen ihn zu erheben. Dem roten Kater blieb nichts anderes übrig, als zurückzuweichen, als sie zu einem kräftigen Schlag ausholte. Er spürte den Luftzug ihrer Pfote in seinem Gesicht und schleckte sich amüsiert über die Lefzen. Seine Augen loderten anerkennend auf. Hatten sie hier etwa eine würdige Gegnerin gefunden?



@Eisbrecher @Lebenstraum @Holunderzweig



RE: Broken bones and broken souls - Holunderzweig - 12.02.2026


Bluff


Der Nebel ist heute sehr dicht.


Die Feststellung von Lebenstraum hallte in ihren Gedanken nach, während ihr Blick auf der Rötelmaus ruhte, die ihre Clankameradin gefangen hatte. Das kleine, sanfte Lächeln erwärmte ihr Herz für einen flüchtigen Moment. Es war eine Wurzel, die ihr Halt gab. Ein Stück Normalität. Holunderzweig hatte ihre Situation noch immer nicht akzeptiert. Der Clan sprach nicht offen darüber, doch die Blicke hatten sich verändert. Ihre Bewegungen ebenfalls. Jede Drehung, jeder Sprung verlangte mehr Kraft. Mehr Konzentration. Mehr Vorsicht. Und was war das mit Nebelkrähe?

Sie hasste es.

Gerade als sie etwas sagen wollte, vielleicht etwas Belangloses, vielleicht etwas Wichtiges... da geschah es.

Wie aus dem Nichts kamen sie.
Der Nebel riss auf.

Nicht sichtbar, nicht wirklich. Eher wie ein Druck, der plötzlich nachgab. Ein Laut, zu nah, zu falsch, schnitt durch die feuchte Luft und ließ Holunderzweigs Kopf herumfahren. Ihr Herz stolperte. Für einen Herzschlag vergaß sie zu atmen.

Dann Bewegung.

Eine dunkle Gestalt brach aus dem Dunst hervor, schnell, präzise. Holunderzweig begriff erst im nächsten Moment, dass der Angriff nicht ihr galt. Krallen blitzten auf, ein dumpfes Geräusch, ein Atem, der scharf eingesogen wurde. Lebenstraum!

Alles geschah gleichzeitig.
Und doch viel zu langsam.

GlutClan.

Der Geruch traf sie nun voll. Kalter Stein. Nadelwald. Feuchte Erde. Und darunter dieses beißende Etwas, das nach Überlegenheit roch. Mehr als einer. Ihr Magen zog sich zusammen. Zwei Silhouetten zeichneten sich im Nebel ab. Groß. Sicher. Ruhig. Zwei kampferfahrene Kater.

Ein bitterer Gedanke schnitt durch sie wie eine kalte Klinge:
Was für eine Behinderung sie gerade war.

Ihr Körper war nicht mehr ihrer allein. Schwer. Träger. Unberechenbarer. Jeder Schritt ein kalkuliertes Risiko. Sie spürte die Rundung ihres Bauches wie ein verräterisches Zeichen in der Dunkelheit. Angst kroch unter ihr Fell. Nicht schrill. Nicht panisch. Sondern kalt und klar. Deutlich. Noch während sie sich neu ausrichtete, löste sich eine zweite Gestalt aus dem Nebel. Feuerfarbenes Fell. Ein kontrollierter Sprung. Kein Zögern. Kein Zweifel. Das... das war doch nicht der Heiler des GlutClans? Nein, sie waren sich ähnlich, aber dies war eindeutig ein erfahrener Krieger. Holunderzweig verlagerte das Gewicht, riss den Kopf herum. Der Kater landete dort, wo sie eben noch gestanden hatte.

Holunderzweig zögerte nicht.

Wenn sie jetzt innehielt, war sie verloren. Sie stieß sich ab, riss die Pfote hoch und schlug nach dem roten Kater, mit aller Kraft, die sie trotz der Schwere mobilisieren konnte. Ihre Krallen schnitten durch die Luft. Sie zielte auf sein Gesicht. Verfehlte. Ihre Pfote traf nichts außer Nebel. Sie spürte nur den Luftzug an ihren Ballen. Zu weit.
Zu langsam. Er wich zurück. Mühelos. Beinahe gelangweilt. Ein Grinsen lag auf seinem Gesicht.

Die Erkenntnis traf sie härter als jeder Schlag:
Er hatte keine Eile.
Er fürchtete sie nicht.
Und ... sah er ihren Bauch?

Holunderzweig setzte sofort nach, zog sich einen halben Schritt zurück, suchte Halt auf dem rutschigen Boden. Ihr Atem ging schneller, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Tief in ihrem Bauch meldete sich ein dumpfes Ziehen, warnend, beharrlich. Sie ignorierte es. Musste es ignorieren. Sie stellte sich breiter hin, spannte den Körper an, obwohl jede Muskelfaser wusste, dass sie nicht in Bestform war. Der Nebel machte alles enger, ließ Distanzen verschwimmen. Ihre Angst pochte in ihren Ohren wie ein zweiter Herzschlag. Doch sie durfte es sich nicht anmerken lassen.

„Ihr solltet schleunigst verschwinden. Wir werden gleich von einer anderen Patrouille abgelöst.“

Ihre Stimme klang fester, als sie sich fühlte.
Nur ein Hauch rauer als sonst.

Bluff.

Und sie wusste es. Lebenstraum auch. Und diese Kater... würden sie es drauf ankommen lassen?


Erwähnt: @Lebenstraum, @Nebelkrähe

Angesprochen: @Loderblick, @Eisbrecher




RE: Broken bones and broken souls - Lebenstraum - 19.02.2026


The sound of silence



“Halllooo“, hörte sie die samtig sanfte, tiefe und verführerische Stimme an ihr Ohr dringen. Ihr Atem stockte. Lebenstraum versuchte noch den dreieckigen Kopf wegzuziehen als die Krallen sie oben an ihrem Kopf, etwas hinter ihrem rechten Ohr traf. Der Schmerz schoss durch ihren Schädel und hätte sie fast den Kopf schütteln lassen. Wenn ihr Reflex nicht stärker gewesen wäre. Noch während sie herumfuhr, riss sie ihre linke Pfote hoch und schlug nach dem Fremden, riss ihre scharfen Krallen über die bräunliche Nase und verpasste dem Kater - wie sie jetzt erkannte - einen tiefen Kratzer. Blutgeruch stieg ihr in die Nase. Frisch und metallisch. Ihre grasgrünen Augen weiteten sich für einen Herzschlag. Sie hatte ihn... verletzt. Sie, die doch immer lieber die diplomatische Lösung wählte oder weglief als zuzuschlagen.

Doch zum Staunen und Freuen blieb keine Zeit.

Aus dem Augenwinkel sah sie Bewegung. Ein zweiter Schatten mit rotem Fell sprang aus dem Nebel. Für einen Herzschlag lang glaubte Lebenstraum, er würde direkt in sie hinein krachen. Sie spannte sich an, bereit, den Schlag zu nehmen, bereit, wieder zu fallen, bereit, wieder festgehalten zu werden.

Nein! Lebenstraum schnappte nach Luft während sie zur Seite sprang. Der rote Kater landete im Leeren. Der andere Kater starrte Holunderzweig und sie grinsend, drohend an. Leicht legten sich ihre gemusterten Ohren an. "Selber hallo!", säuselte der Fremde höhnisch.

Lebenstraum riss ihre Pfote hoch, um dem Roten ebenfalls ihre Krallen über das Gesicht zu ziehen. Passt zu seinem trüben Auge. Doch der Kater wich zurück und entging ihrem Angriff. Statt weiterzurückzuweichen, leckte er sich amüsiert über die Lefzen. Lebenstraums Nackenfell stellte sich unwillkürlich auf. Jetzt erkannte sie auch den Gestank. GlutClan. Sie rief sich zur Ordnung. Schließlich war Holunderzweig tragend! Die bunte Kriegerin durfte nicht zulassen, dass der anderen Kätzin und ihren ungeborenen Jungen etwas zustieß! Lebenstraum drückte sich ab und sprang auf den Roten zu, bereit, ihre Krallen in sein kurzes Fell zu schlagen.

Sie bemerkte die Bewegung in ihrem Augenwinkel zu spät als der getigerte Kater sich ebenfalls bewegte. Ihr entkam ein leises Geräusch als sie gegen den anderen Kater stieß und zu Boden ging. Für ein paar Herzschläge sah sie Sterne bevor Lebenstraum den dreieckigen Kopf schüttelte, um ihre Sicht zu klären und sich eilig aufrappelte bevor sie auf Abstand ging, um keinen weiteren Treffer zu kassieren. Die Kriegerin schüttelte sich einmal bevor sie die beiden Kater mit ihren grasgrünen Augen fixierte.

Dann bewegte sich Holunderzweig. Und Lebenstraums Herz blieb fast stehen. Nicht doch! Andererseits... Die braune Kätzin schien trotz ihrer Trächtigkeit nicht benachteiligt oder anders behandelt werden zu wollen... Hoffentlich geht das gut. Holunderzweig verpasste dem Roten, der eine frappierende Ähnlichkeit zum Heiler der Felsenhirne aufwies, einen Schlag und Lebenstraum hätte fast ein kurzes Lachen von sich gegeben. Ja, zeig's ihnen! Die bunte Kätzin stellte sich einen Schritt näher zu der braunen Kriegerin, ohne den Blick von den beiden Katern zu nehmen.

„Ihr solltet schleunigst verschwinden. Wir werden gleich von einer anderen Patrouille abgelöst.“ Die bunte Kriegerin wusste, dass es ein Bluff war. Dennoch zwang sie sich dazu, ihre Stimme ruhig zu halten obwohl ihr Herz fast schmerzhaft gegen ihren Brustkorb hämmerte. "Ihr habt''s gehört.", miaute sie und versuchte ihre übliche Sanftheit in etwas Abweisendes, Hartes, Distanziertes zu verwandeln. "Wir sind nicht allein hier."

Lebenstraum spürte das Blut, das ihr in das dichte Fell aus der Verletzung am Kopf sickerte. "Ihr seid auf WurzelClan-Gebiet.", fügte sie hinzu während sie ihre grasgrünen Augen leicht verengte in einer feindseligen Geste. Doch Lebenstraum war für Feindseligkeit und Hass nicht geschaffen. Es wirkte eher wie ein Augenzusammenkneifen, um besser sehen zu können während sie die beiden Kater im Nebel fixierte. "Und ich weiß nicht, ob ihr wirklich Lust habt, euch mit mehr als zwei Katzen anzulegen… nur weil ihr gerade… Langeweile habt." Erst als sie es ausgesprochen hatte, merkte sie, wie naiv das klang. Viel zu viel Vernunft, die sie den beiden Fremden zutraute. Aber sie konnte nicht anders. Ein Teil von ihr hoffte noch immer, dass Worte stärker waren als Krallen.

Gleichzeitig bewegte sie sich so, dass Holunderzweig etwas mehr Schutz hinter ihr hatte. Nicht viel, weil sie die andere Kätzin nicht zu stark einschränken oder bevormunden wollte. Aber ein wenig zumindest. Lebenstraum konnte einfach nicht anders. Ihre Beine waren angespannt, bereit auszuweichen, bereit zu rennen, bereit, notfalls wieder zuzuschlagen."Wir sind nur zum Jagen hier.", sagte sie leiser. "Also lasst uns gehen. Lasst uns einfach… gehen."

Sie hielt den grasgrünen Blick oben, suchte die Gesichter in den Schwaden, suchte ein Zucken, ein Zeichen. Irgendetwas, das ihr verriet, ob sie gleich wieder Krallen spüren würde. Und in ihrem Kopf, ganz still, betete sie zu ihren Ahnen. Betete nur dafür, dass Holunderzweigs Bluff wenigstens einen Herzschlag lang funktionierte.



@Eisbrecher @Loderblick @Holunderzweig



RE: Broken bones and broken souls - Eisbrecher - 26.02.2026


Such a sweet prey, smells like fear!



Eisbrecher wich zurück. Es waren zwei kleine Schritte, leicht und doch veränderten sie die Dynamik. Seine Augen lagen auf der Kätzin, missmutig ohne sie aus den Augen zu lassen. Die Bunte hatte ihn erwischt. Dies war weniger ein Problem. Was ihn störte war ihr Ausdruck dabei. Sie war überrascht Ihre Augen hatten sich geweitet, seine wurden schmaler. Ein tiefes knurren.
Erneut bewegte er sich, verschob die Anordnung des Kampfes und plötzlich stand er im Weg der bunten Süßen, die gerade seinen Mentor anspringen wollte und sie prallten aneinander. Sie ging mit einem leisen Geräusch zu Boden, während er die Lefzen nur verzog. Ein spottendes Schnaufen.
Schließlich sprang sie auf und ging auf Abstand. Und auch er wich noch weiter, auf dass der Nebel ihn wieder verschluckte. Zuletzt sahen sie nur noch sein schiefes Grinsen. Seine Seelenspiegel in denen das Feuer aus mangelnder Freude und zugleich großer Vorfreude auf Rache tanzte.

Ihm war nicht entgangen, dass die Trächtige langsam war. Sie brauchte ewig um zu registrieren, die Gedanken zu verarbeiten und hatte dann seinen Mentor angegriffen. Doch dieser quittierte dies alles mit demselben Grinsen wie Eisbrecher.
Letzterer konnte die Gedanken des roten bereits erahnen.
Lauter erklang nur noch das schwere Atem der Kätzinnen.
Was für ein Freudenschmaus., höhnte seine Stimme in seinem Kopf.

Er ging links, dann rechts, dann wieder links. Bewusste Geräusche bevor sie dumpfer wurden und verschwanden. Das Ungute Gefühl, dass ein Jäger um sie schlich blieb.
Dank seines Felles eins mit dem Nebel schlich er erneut um die beiden Kätzinnen herum. Er lauschte als die erste Sprach, es war nicht die süße die Hallo gerufen hatte. Es war die Trächtige: “Ihr solltet schleunigst verschwinden. Wir werden gleich von einer anderen Patrouille abgelöst.“ Eine feste Stimme. Sein linkes Ohr schnippte nach hinten weg, der Schwanz hielt inne, ebenso seine Bewegungen. Ein Herzschlag als er die Geräusche sondierte, die Witterung aufnahm und überlegte.
Darauffolgend schlich er weiter.

“Ihr habt's gehört. Wir sind nicht alleine hier.“, kam das Miauen der Süßen. Es klang unpassend. Als wollte sie etwas versuchen was nicht gelang.
Ein tiefes kehliges Lachen ertönte hinter Holunderzweig, wanderte weiter an ihrer Flanke vorbei und hallte hinüber zu Lebenstraum.
“Ihr seid auf Wurzelclan-Gebiet.“, versuchte die niedliche Bunte es weiter.
“Hast du das gehört, mein Freund? Sie sind nicht alleine hier. Wir sollten weg rennen bevor sie von ihrer Patrouille abgelöst werden!“, tönte es nun von der anderen Seite. Dann sprach er leiser, verächtlicher und zugleich amüsierter: “Die Wurzelhirne scheinen schon so verzweifelt zu sein, dass sie ein kleines süßes Häschen und eine Kätzin in freudiger Erwartung los schicken.“

Kurz ließ der Kater die Stille wirken. Ließ die Worte sinken.
Es schien zu wirken. Denn wo sie gerade noch darüber Sprach, über Lust und Unlust sich mit mehr als zwei Katzen anzulegen, sprach sie plötzlich von der Jagd und sie fing an... Zu flehen.
Eisbrecher umrundete sie bereits zum zweiten – oder gar dritten mal – als sie es sagte. Die Zunge strich über die Lefzen, sie verzogen sich zu einem freudigen Grinsen. Seine Haut kribbelte und die Muskeln spannten sich an. Sein Herz schlug schneller.
Dies war der Punkt den er liebte. Der ihn immer weiter machen ließ.
“Aber wir sind doch auch nur zum Jagen hier.“, flüsterte er. Unbestimmbar woher es kam.
Kam es von vorne? Oder von der Seite? Es war als würde die Stimme sich im Nebel verteilen und von ihm davon getragen werden.

Und dann geschah es.
Schnell wie der Schatten eines Jägers sprang Eisbrecher aus seinem Versteck und biss beherzt in den Hinterlauf der süßen Bunte. Blut quoll in seinen Mund, benetzte die Zunge und wurde mit einer Zufriedenheit geschluckt, als sei er selbst eine Mücke und kein Raubtier. Er wollte mehr. Doch die Dickpelzige Bunte wirbelte herum, entriss ihm ihr Bein und holte mit der Kralle aus. Lachend setzte er die Hinterpfoten zurück, drückte sich mit seinen vorderen Pfoten ab und kratzte ihr über das Gesicht.

“Wer sagt, dass wir es nur mit zwei Katzen aufnehmen können? Oder gar wollen?“ In seinen Augen funkelte eine wilde Freude. Sie konnte sehen, dass er liebte was er da tat. Dass er es amüsant fand ihren Schmerz zu sehen. Sie zum Kämpfen drängte und es nicht nur sein Element war – es war seine Existenz.

Noch während er da auf seinen Hinterpfoten stand, sprang sie ihn an und zusammen fielen sie zu Boden. Sie verwandelten sich in ein Knäuel bei dem versucht wurde sich zu Beißen und zu Kratzen, zu Hauen und was sonst alles möglich war. Doch keiner erwischte den anderen oder wurde abgeblockt. Sie rollten von Holunderzweig weg, an Loderblick vorbei und als sie zum halten kamen, stand Eisbrecher endlich über ihr – beziehungsweise saß.
Sein Hinterteil auf ihrem unteren Bauch und die rechte Pfote drückte auf ihre Halspartie, dort wo sie so seidig weich und nachgiebig war. Genau da, wo die Luftröhre entlang führte. Der Kater verlagerte unnachgiebig das vordere Gewicht auf diese Pfote und blickte ihr in die Augen.

“Hallo, Süße.", wiederholte er süßlich. “Wir jagen hier. Auf unserem Gebiet. Und ich bin dir äußerst dankbar, dass du dich als meine Beute so schön anbietest. Du bist wirklich vorzüglich.“
Langsam neigte er seinen Kopf. Nah genug um an ihrem Hals und Wangenfell entlang zu schnuppern, zugleich weit genug weg um nicht verletzt zu werden.
“Du Duftest köstlich..“, sprach er leise, etwas tiefer. Sein Kopf glitt zurück, das Grinsen tauchte wieder auf: “nach Angst.“



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