Bist du glücklich, mein Sohn?
An diesem Morgen wärmten die sanften Strahlen der aufgehenden Sonne das Lager. Lerchenflügel hatte es sich vor dem Kriegerbau bequem gemacht und genoss die wohltuende Wärme auf ihrem getupften Fell. Sie war in der Nacht noch auf der Jagd gewesen und hatte den Vormittag nun frei. Auch wenn sie nun schon länger wieder im Kriegerbau schlief merkte sie immer noch, dass ihr Körper nach langer Zeit in der Kinderstube noch nicht ganz so widerstandsfähig war, wie früher. Dennoch, sie spürte die stärker werdenden Muskeln unter ihrem Fell, als sie mit gründlichen Zungenstrichen darüber fuhr.
Ihre Augen scannten träge das Lager ab, während die Sonne sie einlullte. Wo waren ihre Jungen verstreut? Wo trieb sich Goldfuchs herum? Sie hob den Blick, doch am ehesten hoffte sie, ihren Sohn Wolkenpfote zu finden. Sie musste dringend nach ihm sehen, sich vergewissern, dass es ihm gut ging. Seit seiner Ernennung zum Heilerschüler war er wahnsinnig beschäftigt gewesen. Lerchenflügel konnte die Wahl gut verstehen, ihr sanftmütiger, liebenswerter Sohn würde ohne Zweifel einen bemerkenswerten Heiler abgeben. Doch viel wichtiger noch war es, ob er mit dieser Wahl glücklich war. Er hatte doch immer schon der beste Krieger überhaupt werden wollen, schon in der Kinderstube.
Zunehmend unruhig erhob sich die besorgte Mutter auf die Pfoten und schnippte erleichtert mit dem Schweif, als sie den weißgrauen Kater endlich entdeckte. Sie trabte leichtfüßig zu ihm herüber und vergewisserte sich schon auf dem Weg von seiner körperlichen Unversehrtheit.
“Wolkenpfote!“ , begrüßte sie ihn schnurrend und schmiegte sich zu Begrüßung an ihn. “Mein Sohn, hast du einen Moment Zeit?“ , fragte sie ihn und warf ihm einen warmen Blick aus ihren hellblauen Augen zu. Sie musterte ihn genauer, in ihrem Blick eine sanfte Einladung, sich ihr jederzeit zu öffnen.
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Wird der SternenClan mich erwählen?
Der weißgraue Kater hatte gerade ein paar Kräuter sortiert. So, wie Echowind es ihm gezeigt hatte. So hoffte er zumindest. Noch kannte er bei Weitem nicht jedes Heilkraut beim Namen, doch er wurde schon besser. Und dann gab es sogar Kräuter, die es zum aktuellen Blattwechsel nicht gab. Wie aufregend es werden würde, wenn er in den nächsten Blattwechseln auch all jene Kräuter kennen lernte, die gerade nicht blühten und nicht auffindbar waren? All jene, die Echowind nicht schon gesammelt und hier liegen hatte.
Zufrieden brummte Wolkenpfote, als er sein Werk betrachtete. Hoffentlich wäre sein Mentor damit zufrieden. Schließlich konnte er nicht sehen, doch er würde es trotzdem bemerken, hätte Wolkenpfote sich nur halbherzig beim Sortieren angestellt. Echowind sah nicht, doch konnte anders sehen. So viel hatte Wolkenpfote schon mitbekommen in den letzten paar Tagen.
Sich ausruhen wollend verließ der Heilerschüler den Heilerbau und trat ins Lager hinaus. Er setzte sich neben den Bau und begann seinen langen, schönen Pelz zu putzen. Dabei fiel ihm auf einmal ein, dass er seine Pfoten nach dem Sortieren in Wasser waschen sollte, damit er keine Rückstände irgendwelcher Kräuter in seinen Körper aufnahm, die er vielleicht nicht gebrauchen konnte. Doch als er gerade aufstehen und zu einem Wasserloch laufen wollte, kam seine Mutter Lerchenflügel auf ihn zu und begrüßte ihn schnurrend, während sie sich an ihn schmiegte.
”Mama!” , schnurrte Wolkenpfote und nach ihrer Frage sah er sie aus seinen blassgrünen Augen leicht unsicher an.
Hatte er etwas falsch gemacht? Nein, das konnte nicht sein. Oder doch? Aber ihre Augen sahen so unglaublich liebevoll aus, dass sie einfach nicht böse auf ihn sein konnte. Und normalerweise wurde Lerchenflügel auch nicht böse, vor allem nicht ihren Jungen gegenüber. Schließlich waren sie Familie. Wobei Goldfuchs auch Familie war und dennoch hatte Wolkenpfote das Gefühl, er würde sich nicht für ihn interessieren.
”Natürlich, für dich habe ich doch immer Zeit.” , schnurrte er und rieb seinen Kopf an ihrer Flanke. ”Wie geht es dir? Fühlt es sich für sich auch noch immer seltsam an, nicht in der Kinderstube zu schlafen?”
Er wusste, dass sie erst, seit er ernannt wurde, auch wieder im Kriegerbau schlief. Doch davor waren sie ganze 6 Monde zusammen in der Kinderstube gewesen und Wolkenpfote würde für nichts auf der Welt diese schöne Zeit vergessen wollen. Ja, er wollte immer Schüler werden und endlich 6 Monde alt sein, aber jetzt? Er vermisste es neben seiner Mama im Bau zu liegen und zu dösen. Er vermisste es den Traum vom Kriegersein zu haben. Wobei, vielleicht würde der SternenClan ihn auch gar nicht als Heilerschüler annehmen, dann könnte er noch immer ein Kriegerschüler werden. Aber wenn der SternenClan ihn nicht akzeptieren würde, wäre Wolkenpfote sehr gekränkt. Eventuell machte er sich auch einfach zu viele Sorgen darum.
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Bist du glücklich, mein Sohn?
“Mama!“ , schnurrte ihr Sohn erfreut und Lerchenflügel schmiegte sich schnurrend an ihn. Beim SternenClan, war er schon wieder gewachsen? Die Zeit verging so verdammt schnell! Kurz blitzte Unsicherheit in den hellen Augen des jungen Katers auf, als seine Mutter um einen Moment seiner Zeit bat, doch schnell hatte er sie wieder beiseite geschoben. Die Kätzin stupste ihm liebevoll ins lange Fell an seinen Wangen und strich mit der Zunge ein paarmal über eine verknotete Strähne. Sie wollte nicht, dass ihm flau im Magen wurde, wenn sie mit ihm sprechen wollte. Er sollte mit all seinen Sorgen, all seinen Problemen stets zu ihr kommen können. Sie musste dieses Gespräch behutsam angehen.
Seine Worte entlockten Lerchenflügel ein warmes Lächeln. “Das freut mich sehr, Wolkenpfote. Es ist ein wenig seltsam, aber ich freue mich auch, wieder mehr raus zu kommen. Meine Muskeln müssen sich erst mal wieder anständig stärken“ , schnurrte sie vergnügt, nahm ihren Jungspund dann aber genauer ins Visier.
“Und was ist mit dir? Gefällt es dir als Heilerschüler? Ist Echowind gut zu dir?“ , fragte sie nach und hielt mit großer Mühe jede Form von Besorgnis aus ihren Fragen heraus. Stattdessen leuchteten ihre Augen in warmer Fürsorge, gemischt mit ehrlichem Interesse. Sie musste einfach wissen, dass ihr quirliger, liebevoller Sohn so glücklich war, wie er es verdiente!
Alias — Haku
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Lerchenflügel erklärte, dass sie sich selbst freue wieder mehr rauszukommen und WOlkenpfote nickte verstehend.
”Du musstest ja auch wegen uns so lange in der Kinderstube sein! Das muss sehr anstrengend gewesen sein, wenn man nicht wie sonst einfach mal das Lager verlassen kann, wenn man es möchte. Dass man nicht wie sonst immer auf Patrouillen geht. Du musstest dein ganzes Leben für uns ändern!” , miaute er mit großen grünlichen Augen aus und sah Lerchenflügel mit Wärme in den Augen an. ”Danke, dass du dich immer so um uns gekümmert hast.”
Sie leckte ihm über das Fell, vermutlich hatte er wieder Knoten und Filz in seinem langen Pelz. Oft musste er mit seinen Zähnen versuchen, diese Knötchen und Verfilzungen rauszubeißen, da er sie nicht mehr glatt bekam. Sonst hatte seine Mutter das immer getan, doch die letzten Sonnenaufgänge versuchte er es schon alleine. Schließlich war er kein Junges mehr!
Als sie ihn fragte, ob es ihm als Heilerschüler gefiel, musste er an das Gespräch vor wenigen Sonnenaufgängen mit seinem Vater Goldfuchs denken. Dieser hatte ihn gefragt, was er wollte und irgendwie ging ihm die Frage seitdem nicht mehr wirklich aus dem Kopf. Er stieß Lerchenflügel schnurrend mit der Nase an den Hals, er hätte sich etwas recken müssen, um ihr Gesicht zu treffen, obwohl er schon größer war als andere in seinem Alter.
”Mir geht es gut. Echowind ist großartig! Er hat mir schon so viel beigebracht. Ich war auch schon auf Patrouillen und auf der Jagd! Bisher fühlt es sich an, als würde ich nichts verpassen, was ein Krieger auch lernt. Stattdessen lerne ich noch mehr, weil Echowind mich unterrichtet!” , erklärte er mit leuchtenden Augen voller Freude.
Ja, es war anders, als er es sich vorgestellt hatte. Und er trauerte noch immer dem Gedanken hinterher, dass er niemals Krieger sein würde. Dass er nie auch nur in Frage käme, um mal zweiter Anführer oder Anführer des Clans zu werden, wie er es als Junges immer mit seinen Geschwistern gespielt hatte. Aber bisher fehlte es ihm an nichts. Wie ein Kriegerschüler war er auf Patrouillen und Jagden gewesen, nur den Kampf hatte er in den wenigen Sonnenaufgängen seit seiner Ernennung noch nicht geübt. Aber es war vielleicht auch einfach nur zu wenig Zeit seit der Ernennung vergangen, um sich darüber beschweren zu können. Gewiss würde er das auch noch gelehrt bekommen, schließlich mussten auch Heiler sich zu verteidigen wissen, wenn es drauf ankam.
Dennoch gab es eine Sorge, die in letzter Zeit immer höher schwappte…
”Ich habe nur Angst, dass der SternenClan mich nicht akzeptieren könnte..” , murmelte Wolkenpfote niedergeschlagen. ”Wie würde das aussehen? Erst bin ich Heilerschüler, werde vom SternenClan aber nicht akzeptiert und dann? Ich wollte immer Krieger werden, aber wäre es nicht irgendwie ein Rückschlag, würde ich dann doch Kriegerschüler werden? Es würde sich anfühlen, als sei ich nicht gut genug für etwas, was ich nie sein wollte. Und dennoch… ach, ich weiß auch nicht, das ist sicher Mäusehirnig.”
Wolkenpfote sah zu Boden, zuckte mit den Ohren und peitschte peinlich berührt mit dem buschigen Schweif hin und her. Verstand seine Mutter überhaupt, was er hatte aussagen wollen? Vielleicht hätte er einfach den Mund halten sollen.
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