guiding through darkness
Der Mond erleuchtete die Höhle des GlutClans bereits, als Eichenfell direkt nach seiner Tochter Heidepfote diese hinter sich ließ. »Pass auf beim Aufstieg. Auch wenn es nicht regnet, der Aufstieg kann immer wieder neu und anders sein, durch die Felsrutsche « erklärte der Kater seiner Tochter mit ruhiger Stimme und blieb dicht hinter ihr. Heute Nacht würden der Krieger und die Schülerin am Kräuterplateau jagen und er konnte sich nichts Schöneres vorstellen. Der braune Kater liebte seine beiden Kinder über alles und jetzt waren sie endlich auch alt genug, waren Schüler und konnten gemeinsam mit ihm das Lager verlassen. Sie war noch nicht lange Schülerin und wer wusste schon, ob sie Erfolg haben würde, doch es ging Eichenfell weniger um eine erfolgsversprechende Jagd, als viel mehr um die gemeinsame Zeit mit seiner Tochter. »Wie findest du deine Ausbildung? Gibt Aschesturm dir hilfreiche Tipps? Und kannst du dich austesten? « fragte er und merkte selbst, wie er dazu neigte den Mentoren seiner Tochter kontrollieren zu wollen. Eichenfell war ein hoch angesehener Krieger, hatte schon einige Schüler ausgebildet und außerdem war er der Meinung, dass nur wenige das so gut konnten wie er. Und so wollte der Kater natürlich ausgerechnet bei seiner eigenen Tochter sichergehen, dass die Ausbildung ordentlich ablief. »Es hilft nichts, wenn ein Mentor seiner Schülerin nicht genug Freiraum lässt. Manchmal muss man durch Fehlschläge lernen und muss auch selbst seinen Weg im Leben finden « erklärte Eichenfell und stupste die perlgraue Kätzin sanft an, um ihr den letzten Absatz nach oben zu helfen.
Als Vater und Tochter oben angekommen waren, blickte der große Krieger sogleich zum Sternenvlies. »Wunderschön, nicht wahr? « fragte er und verlor sich einige Sekunden darin, als er ihren Ahnen entgegenblickte. Dort oben waren seine Eltern. Und mit seinen Eltern meinte der Kater seinen Vater Borkenherz und Wachtelfeder, seine Ziehmutter. Nicht etwa seine leibliche Mutter aus dem WurzelClan. Für Eichenfell war der GlutClan seine Familie und er verstand nicht, wie sein Vater sich in eine Kätzin aus dem WurzelClan verlieben konnte. Ein Glück, dass die Jungen im GlutClan großwerden durften..
Ein sanfter Wind strich sanft durch das Fell der beiden Katzen und Eichenfell nickte zu dem See, indem sich das Sternen- und Mondlicht spiegelte. »Schau beim See nach Beute, aber fall bloß nicht hinein « miaute der Krieger in sanftem Ton und versuchte selbst etwas zu wittern. Der Kater konnte tatsächlich etwas wittern. Der feuchte und doch erdige Geruch einer Amphibie kitzelte seine Nase und Eichenfell war sich sicher, dass es ein Molch oder vielleicht auch ein Salamander sein musste. Doch bevor der Krieger sich auf die Lauer legte, wartete er darauf, dass Heidepfote loszog, um sicherzugehen, dass alles gut lief.
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“Eines Tages möchte ich auch so ein Licht sein, das andere auch an Schattentagen berührt.”
Die junge Schülerin lief vor ihrem Vater Eichenfell aus der Höhle des GlutClans. Es tat gut, diese zu verlassen, denn in den Genuss war sie noch nicht oft gekommen, war sie doch erst kürzlich zur Schülerin ernannt worden. Als der große Kater vor ihr meinte, sie solle beim Aufstieg aufpassen, hätte sie beinahe die Augen verdreht. Als wüsste sie nicht selbst, dass der Aufstieg immer anders sein konnte, das hatte Eichenfell ihr schon gefühlt tausend Mal erzählt. Dennoch wusste sie auch, wie träumerisch sie selbst manchmal drauf sein konnte und dieser Anstieg sollte bewusst und mit voller Aufmerksam bestiegen werden, nicht nur mit halbherziger Aufmerksamkeit.
”Okay, ich gebe acht.” , murmelte Heidepfote, um ihren schokoladenbraunen Vater zufrieden zu stimmen und ihn nicht einfach zu ignorieren, was ihrer Meinung nach sehr unhöflich gewesen wäre. Sie war vielleicht frech, aber Höflichkeit war ihr definitiv nicht abhandengekommen. Na ja, manchmal vielleicht. Aber das tat jetzt nichts zur Sache!
Die perlgraue Kätzin war mit vollen Sinnen beim Aufstieg und schnaufte ein wenig, da sie es noch nicht gewohnt war, diesen zu erklimmen. Laut den anderen Schülern würde sie das aber bald drauf haben und ihre Kondition würde sich schnell steigern.
Während dem Aufstieg stellte Eichenfell ihr einige Fragen und die Schülerin musste von der Neugier ihres Vaters lächeln, warf ihm aber ein gespielt ernsten Blick zu, als er erklärte, dass man auch durch Fehlschläge lernen müsse. ”Papa! Ich bin erst seit wenigen Tagen Schülerin, ich glaube, ich kann noch nicht gut genug einschätzen, ob ich mich wirklich austesten kann und mir Aschesturm hilfreiche Tipps gibt. Aber bisher ist es toll. Es ist wunderbar, das Lager verlassen zu können, so wie jetzt mit dir. Es ist wunderbar, dass ich endlich das ganze Territorium erkunden kann, ohne eine Strafe dafür zu bekommen.” , kicherte sie bei ihrem letzten Satz und erinnerte sich an einen Versuch, als Junges den Aufstieg der Steine hier zu bewältigen, um das Territorium zu sehen. Natürlich hatte sie es nicht geschafft und eine kleine Steinlawine ausgelöst, ihr war zum Glück nichts passiert, doch Ärger hatte sie dennoch erhalten, obwohl es nur ein Versuch und kein Erfolg war.
Durch ein kleines Helfen des Kriegers, gelang es der Schülerin den Aufstieg vollends zu meistern. Tief atmete die Kätzin ein und folgte dem Blick ihres Vaters hoch gen Himmel, wo die Sterne miteinander tanzten.
”Eines Tages möchte ich auch so ein Licht sein, das andere auch an Schattentagen berührt.” , bemerkte Heidepfote darauf und sah mit leuchtenden grünen Augen die Sterne an, die um die Wette strahlten.
Ein Wind strich durch das Fell der Katzen, als hätte der SternenClan sie gehört und würde hiermit seine Einwilligung erteilen, dass Heidepfote eben jenes Licht werden durfte. Sanft stieß sie ein leises Schnurren aus, wie als ein Dank an den SternenClan, als hätten sie soeben miteinander kommuniziert. Was natürlich völliger Mäusedung war, schließlich konnten nur Anführer und Heiler mit dem SternenClan richtig kommunizieren. Dennoch, es war ein schönes Gefühl für Heidepfote und ein bisschen Träumen war ja auch erlaubt, oder nicht?
Heidepfote wurde aufgetragen, am See nach Beute zu schauen, aber nicht hinein zu fallen. Erneut hätte sie fast die Augen verdreht. Sie konnte sie Sorge Eichenfells ja durchaus verstehen, aber ein bisschen Abenteuer sollte man auch mal im Leben haben. Mit ein wenig Spannung und Aufregung! Doch ihr Vater war dafür wohl eher nicht gemacht.
”Okay, alles klar. Ich pass auf mich auf.” erwiderte sie versöhnlich und schritt leise und bedächtig in Richtung des Sees, um nicht direkt jegliche Beute zu verschrecken, die sie womöglich gleich wittern könnte.
Als sie einen guten Platz gefunden hatte, schloss sie die hübschen grünen Augen, öffnete ihr Maul einen Spalt breit und ließ ihrem Geruchssinn freie Fahrt. Es dauerte kurz, bis sie die ganzen Eindrücke verarbeitet hatte, denn noch immer war es neu für sie und ungewohnt und auch schwierig, die Gerüche alle zuzuweisen, doch sie war sich fast sicher, dass sie Beute gerochen hatte. Doch dass es sich darum um einen Vogel hielt, war ihr nicht gänzlich bewusst. Es hätte genauso gut auch eine Maus sein können, nur Reptilien und Amphibien rochen ein bisschen anders, empfand die Schülerin. Zumindest aus dem, was sie bisher schon gewittert hatte, was auch nicht sonderlich viel war, da sie ja erst seit kurzer Zeit Schülerin war und Beute erlegen durfte. Und lebendige Beute roch nochmal leicht anders, als die tote Frischbeute aus dem Lager. Zumindest kam es ihr so vor, vielleicht war sie auch einfach nur ein bisschen von all den Eindrücken überfordert, wer konnte das schon wissen?
Sie ließ sich in ein noch recht ungeschicktes Jagdkauern fallen und schlich sich an den Vogel an.
Zu spät erkannte sie, dass es sich um einen Vogel und nicht um eine Maus handelte, doch da war sie schon zu weit angeschlichen, der Vogel bemerkte sie und erhob sich schnell in die Lüfte. Eilig sprang Heidepfote ab, versuchte das schöne Tier im Sprung zu erwischen, doch die Schülerin verfehlte es um Längen!
”Menno.” , murmelte sie und schlug frustriert mit dem Schweif hin und her.
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