Die alte Kätzin regte sich leicht, als Sonnenrufs Stimme an ihr Ohr drang. Ihr Atem ging hörbar, flach und unregelmäßig, als müsste sie sich jeden einzelnen Zug erkämpfen. Für einen Herzschlag hielt sie ihre Augen geschlossen. Doch ein schwaches aber raues Knurren drang aus ihrer Stimme.
"Geschichte… schön sie ist…" , murmelte sie. Nicht nur ihre Sicht sondern auch ihre Stimme schien langsam leiser und schwächer zu werden "Ursprung… wichtig immer." Schwach zuckte ihre Schwanzspitze. "Stern… Lichtkatze… Wege zeigen sie wollte…" Die alte Kätzin blinzelte einmal langsam. "Ähnlich… Ahnen es tun. Führen… aber zwingen nicht."
Träge glitten ihre alten Augen zu Sonnenruf, suchten ihre große, hellorange Gestalt, fand sie allerdings nur verschwommen. "Gut erzählen du kannst… ruhig… wie Wind vor Regen." Sie schenkte der großen Kätzin ein sanftes Lächeln trotz ihrer zunehmenden Müdigkeit. "Bitte... fortfahre..."
Ein leises Rascheln drang an ihre Ohren, leicht zuckte ihr rechtes Ohr. Das Rascheln kündigte die Rückkehr der anderen an doch nahm sie das Auftauchen Dünenwinds, Maulbeerpfotes und Drosselrufs nur am Rande wahr. "Moos… ihr sucht…" , murmelte sie. Ihre Stimme klang schwerer und brüchiger als zuvor. "Freundlich… sehr." Ein schwaches Lächeln huschte über ihr bemaltes Gesicht. "Weich liegen… schön... das ist."
Kurz stockte ihr Atem bevor er rasselnd weiterging. Für einen Herzschlag hatte es gewirkt als würde sie wegdriften, sich aber dann doch wieder in ihren Körper zurückzwang.
Langsam drehte sie Nebelkrähe ihren Kopf zu. Seine Nähe schien sie zu erden, ruhiger werden zu lassen. Sein Schweif, seine Wärme... Wind ließ ein leises, dankbares Schnurren hören. "Viele Fragen… du hast…" , murmelte sie. "Gut das ist… neugierig Geist… lebendig er ist." Sie blinzelte schwer als ihre Sicht erneut verschwamm. "Lang… Leben…" , setzte Wind an, brach kurz ab und atmete flach ein. "Nicht Monde zählen nur… sondern Wege… die gegangen werden." Ein schwaches Zittern lief durch ihren alten Körper. "Manche kurz gehen… und doch viel sehen. Andere… lange gehen… und leer bleiben." Sie atmete einmal durch bevor sie ihre Stimme dazu zwang, wieder etwas lauter zu werden. "Wind trägt… oder nicht."
Die Kätzin schloss die Augen führ mehrere Herzschläge als würde sie ihre verbliebene Kraft sammeln bevor sie weitersprechen konnte. "Orte… alter Kräfte…" , murmelte sie schließlich. "Hier auch… vielleicht. Anders… sie fühlen sich an. Mond… Wasser… Stein… überall sie sind… doch hören… lernen man muss." Ihr Atem ging deutlich schwerer als zuvor. Jeder Zug hob ihre Brust nur noch ein wenig. "Weit… wir gingen…" , fügte sie leise hinzu. "Viele Nächte… viele Winde. Heimat… fern sie ist… doch hier… nicht ganz fremd."
Sie blinzelte erneut. Langsamer dieses Mal. Winds Augen blieben einen Herzschlag zu lange geschlossen bevor sie sie wieder öffnete. "Fragen… gut sie sind…" , hauchte sie Nebelkrähe zu. Ein leises, schwaches Schnurren begleitete ihre Worte. "Zu viele… nicht."
Ihr trüber werdender Blick glitt wieder nach oben in die Zweige des Ahnenbaums. "Silbern… Himmel werden… wenn Augen… richtig sehen…" Ihre Stimme verlor sich fast am Ende des Satzes während ihr Körper noch etwas tiefer in das bunte Laut sank. Als würde selbst das Liegen ihr allmählich schwerer fallen.
Unbekannte Pfote
Alias — Leitung
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Wie sehr sich Wind mühte. Sie wollte es ihnen allen recht machen.
Die alte Kätzin lauschte und sprach. Sie murmelte, hauchte und drängte ihre Stimme dazu, die Antworten zu geben die alle Verlangten ohne sie zu fordern oder es böse zu meinen. Dies schien die Fremde wohl zu spüren, sonst wäre sie nicht so umsichtig. Oder Ausdauernd. Vielleicht lag es aber auch in ihrer Natur.
Sie sprach davon, dass der Ursprung wichtig sei. Immer. Und dass die Sternenlichtkatzen Wege zeigen, doch sie zwingen niemals eine Katze diesen zu gehen. Das bedeutete doch, dass am Ende jede Katze ihren Weg wählte – oder etwa nicht? Schön diese Vorstellung. Zugleich irgendwie traurig. Denn was, wenn die Ahnen ihnen den Weg zeigten, eine Katze aber zu stolz, zu feige oder zu naiv war um ihn nicht zu gehen und sich dadurch für einen falschen Weg entschied. Das implizierte es doch, oder?
Schließlich kehrten Dünenwind, Maulbeerpfote und Drosselruf zurück. Nebelkrähe öffnete seine Augen und sah sie an. Etwas wehmütiges, schweres lag in dem Blick. Gepaart mit Dankbarkeit, Anerkennung und Wärme.
So wie die Kätzin neben ihm klang... Wirkte es, als wäre die Zeit nah. Ein schwerer Kloß bildete sich in seinem Hals. Feucht wurden die Augen, die Sicht so wirr. So anders.
Plötzlich spürte er wie Wind ihren Kopf zu ihm drehte und schnell schluckte der Kater die Emotionen runter, lächelte sie sanft, unsicher an. Sie lobte ihn für seinen neugierigen Geist. Er wusste definitiv nicht was sie meinte. Aber es klang nett. Nett gemeint.
Auch, weil sie davon sprach dass er lebendig ist.
Das war doch sicher etwas gutes, oder?
Lebendig und Neugierig.
Ja. Dies war es. Denn nur so konnte eine Katze lernen und Antworten erhalten.
Und so versuchte Wind ihm zu erklären, was er nicht begriff.
Es ging nicht um Monde die gezählt wurden, sondern Wege die gegangen wurden.
Wenn Nebelkrähe diese Erläuterung umsetzte, dann würde er also alle Patrouillenwege zählen müssen? Alle Jagten? Jeden Ausflug in die Bäume?
Das klang wirklich nach verdammt langen Leben.
Und nach viel Arbeit.
Er wollte nicht arbeiten.
Nein.
Solche Leben wollte er wirklich nicht.
Weder Neun, noch ein langes bei dem die Wege zählten.
“Wind trägt... oder nicht.“ , sprach sie plötzlich. Nebelkrähe zuckte mit den Ohren, witterte prüfend und hob den Kopf suchend. Doch er fand nicht was sie meinen konnte. Was sollte sie tragen? Oder der Wind. Nein... Er fand und verstand es schon wieder nicht.
So freundlich diese Kätzin war, so schwer war es manchmal sie zu verstehen. Lag es an der Sprache? An der Wortwahl? Oder einfach nur an ihm?
Ach das war ganz egal. Es war eben so. Der SternenClan hatte es entscheiden und sicher gab es hier Katzen, die es eher verstanden als er. Es war ja auch gar nicht seine Aufgabe. Fand Nebelkrähe zumindest.
So verstand er auch all die anderen Erläuterungen nicht und merkte wie sein Kopf wanderte, ebenso sein Blick. Obwohl er die Fragen gestellt hatte, hörte er schon gar nicht mehr wirklich zu. Erst die Worte: “Fragen... gut sie sind... zu viele... nicht.“ erreichten den dunklen Kater wieder und weckten ihn. Schweigend sah er sie an. Mehrere Herzschläge lang, bevor er leicht nickte. Als wollte er sagen: In Ordnung, ich habe verstanden Wind. Ich danke dir.
Ihre letzten Worte, waren fern ab seines Horizontes. Doch was die Nebelkrähe verstand war ihr Körper, der weiter in sich sank. Vorsichtig schob er den Kopf an sie, bot sich als Stütze und als Bett an. Wenn sie ging, wollte er nicht dass sie alleine ging. Irgendwie hatte er das große Bedürfnis, dass er dort lag. Bei ihr. Ganz nah. Sie wärmte und ihr das Gefühl gab, von der einen Wärme in die nächste zu gleiten. Zumindest, hatte Nebelkrähe sich den Ort des SternenClans immer als warmen Ort vorgestellt. Wo all die Ahnen auf einen warteten mit warmen Lächeln und freudigen Gesichtern. Sich ein Katzenball sammelte, der einen begrüßte und immer mehr kamen.
Wieder wurden die Augen feucht. Er versuchte es weg zu blinzeln. Spürte wieder den festen, harten griff der sich um ihn legte. Vielleicht mochte es normal sein, Katzen zu verabschieden – sie auf dem Weg zum SternenClan zu schicken oder ihrer gedenken. Doch deswegen war es nie einfach – oder einfacher.
Es war immer schwer. Voller Trauer, trotz der eventuellen Freude, dass ein Schmerz nachließ. Ein Kampf nicht mehr ausgetragen werden musste.
“Es ist schon gut.“ , wisperte er leise. Das Schnurren brüchig.
Sich selbst nicht ganz sicher, ob die Worte nun wirklich Wind gegolten hatten oder sich selbst. Und was schon gut war, in Ordnung. Die Nebelkrähe wusste nur, dass jeder weitere Herzschlag bedeutete, dass eines dieser sieben Herzen nicht mehr schlagen würde.
Es würde einfach aufhören.
Und es machte ihn so Hilflos.
Vielleicht klammerte er sich darum so sehr an die Hoffnung, den Wunsch und die Vorstellung, dass sie sicher in die ewigen Jagdgründe eintreten könnte. Zu ihren Ahnen gelangen und dort im Kreise der wichtigsten Katzen willkommen zu werden.
Alias — nessjas
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Sonnenruf hatte begonnen von dem Ursprung der Clans zu sprechen und Wind genoss die Geschichte. Ebenso schien sie es zu schätzen zu wissen, dass Nebelkrähe so neugierig war. Als die anderen zurückkehrten, brachten sie Moos und Blätter und die alte Kätzin bekam ein bequemes Moosbett hergerichtet. Doch ihr viel das Atmen zunehmend schwerer und das spürten sie alle. Sonnenruf sah Nebelkrähe, wie er mit den Tränen kämpfte und kurz schnurrte die Kätzin und strich dem Kater mit ihrem Schweif über den Rücken. Sie nickte ihm zuversichtlich zu, als wolle sie ihm sagen "Es ist gut, wie du für sie da bist". Die Kätzin war sich sicher, dass Wind die Gesellschaft des Katers zu schätzen wusste. Auch Sonnenruf hatte sich hingelegt, wollte der Kätzin eine angenehme Atmosphäre bieten und nicht das Gefühl, dass die Patrouille es eilig hatte, irgendwo hin zu kommen. Und nun wollte sie mit ihrer Geschichte fortfahren, denn die wollte Wind hören.
Sonnenruf nickte ruhig und überlegte, bei welchem Punkt der Geschichte sie einen kurzen Stopp eingelegt hatte. Als es ihr wieder einfiel, räusperte sie sich kurz »Es verging ein ganzer Mond in dem Nebelstern und Wurzelstern ihre Clans führten und sie waren gut in ihrer Aufgabe. Als es schließlich genau einen Mond her war, beschlossen die beiden neuen Anführer, sich erneut beim Baumgeviert zu treffen, damit sie über Vergangenes sprechen konnten. So entstand die Große Versammlung. Noch heute treffen sich alle vier Clans jedes Mal zu Vollmond am Baumgeviert, wir tauschen uns miteinander aus und die Anführer berichten von wichtigen Ereignissen des vergangenen Mondes. Kämpfen ist strikt verboten an jenem Abend. Doch nun zurück zu der ersten Großen Versammlung: Als die Clans von Nebelstern und Wurzelstern sich austauschten, tauchte plötzlich Glut wieder auf. Er sprach davon, dass auch er einen Clan gründen würde, der sich auf Stärke beruft und er forderte Katzen auf, ihm zu folgen. Und das geschah auch. So zog Glut in die Gebirge jenseits des Donnerwegs und besetzte dieses Gebiet, das größte der bisher drei Territorien. Stern sah dies scheinbar als Zeichen, dass er die Reife hatte einen Clan zu führen, denn er wurde mit dem Namen Glutstern und seinen 9 Leben gesegnet. Seitdem gab es also drei Clans, die über den Wald herrschten. Sie waren alle ganz unterschiedlich. Unser Clangründer, Wurzelstern, legte besonderen Wert auf das empfindliche Gleichgewicht des Lebens, von dem Stern gesprochen hat. So ist es besonders wichtig, dass wir nur jagen und essen, was wir auch wirklich brauchen. Wir wollen nicht mehr nehmen und wir wissen, dass alles im Einklang steht. Wir stehen nicht über der Maus, sondern sind in einem Kreislauf des Lebens mit ihr verbunden « miaute Sonnenruf und bei ihren letzten Worten hörte man deutlich raus, wie stolz sie die Einstellung ihres Clans machte. Denn genau so sah sie auch das Leben, sie hielt nichts von Fressen oder Gefressen werden. Sie alle waren Teil dieses Lebens und hatten ihren rechtmäßigen Platz in dem Kreislauf. »Nebelstern hingegen, brachte seinem Clan bei, dass Stern enorm wichtig sei. Sie hat ihn mit den neun Leben gesegnet und an ihrer Seite würden verstorbene Clankatzen ihren Platz im Sternenclan einnehmen können. So war die Wertschätzung und Dankbarkeit der Ahnen das Wichtigste im NebelClan. Glutstern hingegen hatte Sterns Worte wieder anders gedeutet. Für den hitzköpfigen Kater war klar: Eine Katze musste ihr Revier verteidigen, musste ihre Stärke demonstrieren und Katzen, die dies bedrohten oder auch daran zweifelten, verdienten den Tod. So war es keine Überraschung, dass es besonders von Seiten des GlutClans häufig zu Kämpfen kam. Besonders an der Grenze zum WurzelClan gab es viele Grenzstreitigkeiten. Und während die drei Clans ihr Leben lebten und ihre Clans führten, siedelte sich eine Gruppe Streuner am Verlassenem Bauernhof oberhalb von Nebelsterns Gebiet an. « berichtete Sonnenruf weiter und sah zu Wind. Wie lange sie noch zuhören könnte? Man spürte deutlich, wie schwer ihr das Atmen, das Leben fiel..
Doch sie setzte die Geschichte fort, wie die Kätzin es sich gewünscht hatte. »Die Präsenz der Streuner blieb nicht unbemerkt und es kam schließlich zu einem sehr großen Kampf auf den weiten Ebenen. Eine Streunerin, Feder, kannte sich mit Heilkräutern aus und verstand ihr Tun. Sie kümmerte sich um die Verwundeten ihrer Streunergruppe. Ihr Wissen hatte sie von ihrer Wissbegierde, sie war neugierig und immer voller Tatendrang..bei einer ihrer Erkundungen stieß sie auf einen See in einer Höhle unter der Erde. Als sie von dem Wasser trank, was klar wie das Sternenvließ schmeckte, fiel sie in einen tiefen Schlaf und ihr begegnete Stern, welche ihr von den anderen drei Clans berichtete. Sie sprach davon, dass ihr Wissen über Kräuter wichtig für das Überleben der Clans sei und das Feder ihr Wissen an eine Katze in jedem der Clans weitergeben sollte. Außerdem sei auch ihre Gruppe dazu bestimmt, ein Clan zu sein, denn die aktuelle Zwist zwischen Wurzelstern und Glutstern, brachte ein Ungleichgewicht über den Wald, welches wieder in Balance finden musste. « berichtete Sonnenruf weiter und atmete kurz durch. Sie würde die Geschichte fortsetzen. Und sie sah, wie die alte Kätzin zuhörte und doch fragte sie sich, ob Wind jemals das Ende der Geschichte erfahren würde, denn bald schon würde sie zu den Ahnen gehen.
Alias — Efeu
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Die alte Kätzin hatte sich langsam hingelegt und lag still auf dem Moos und den Blättern, die herangetragen worden waren. Ihr Körper fühlte sich fast schwerelos und zugleich unendlich müde und schwer an. Als hätte ihr Unterbewusstsein beschlossen, den Kampf aufzugeben. Ihr Atem war ein leises, unregelmäßiges Ziehen. Flach, brüchig, schwach. Für einen Herzschlag könnte man das Gefühl bekommen, ihr Atem und Herzschlag seien versiegt bevor sie einen tiefen Atemzug tat als wollte sie doch noch nicht aufgeben.
“Es ist schon gut.“
Nebelkrähes Worte drangen an ihre Ohren, auch wenn er wisperte. Ihre Lefzen zuckten als wollte sie lächeln.
Ein leises Schnurren drang auf Sonnenrufs Geschichte hin aus ihrer Kehle, das kaum mehr war als ein Zittern. "Geschichte… weiter sie geht…" , hauchte die alte Kätzin mit leiser Stimme. So leise, dass sie fast im Rascheln der Blätter versank. Ihre Lefzen bewegten sich langsamer und schwerfälliger. "Gut… das ist…"
Sie öffnete ihre trüben Augen einen Spalt. Das Sonnenlicht drang durch die Zweige des Ahnenbaums, tanzte über den Boden, die Blätter, das Moos, die Wurzeln und durch ihr Sichtfeld. Für einen Herzschlag konnte sie den Wald nicht mehr sehen bevor die Umgebung wieder auftauchte.
"Vier Clans… vier Wege…" , murmelte Wind schwach. "Und doch… ein Himmel… über allen…" Ihr Blick glitt langsam zur Seite. Sie spürte, dass Nebelkrähe noch immer bei ihr war, spürte seine Wärme deutlicher als alles andere. En letztes Mal hob sich ihre Schwanzspitze minimal, berührte seine Flanke kaum merklich. "Nicht allein… ich bin…" , flüsterte sie und gab ein leises, dankbares Schnurren von sich.
Dann stockte ihr Atem.
Ein Herzschlag.
Zwei.
Dann sog die alte Kätzin die Luft wieder ein. Flacher und rauer dieses Mal.
"Gut… das ist…"
Ihre trüben Augen schlossen sich für mehrere Herzschläge. Und als sie sie wieder öffnete, öffneten sie sich nur halb. Der Glanz darin war anders. Weicher, entrückter als blicke sie bereits durch einen Schleier.
"Sterne... rufen..." , murmelte sie kaum hörbar. "Sanft... jetzt..."
Ein kaum sichtbares Zittern lief durch ihren alten, bemalten, geschwächten Körper bevor sie sich wieder entspannte. Jede Spannung wich aus ihr. Langsam und unausweichlich.
"Ahnen… nah… sie sind…" , hauchte sie. "Warten… sie tun… nicht drängen…"
Ihr Atem wurde noch flacher.
Ein leiser Zug.
Dann lange nichts.
Selbst das Rascheln der Blätter über ihnen schien leiser zu werden als hielte der Wald selbst für einen Herzschlag den Atem an.
Dann kam schließlich ein letzter, schwacher Atemzug. Ihre Brust hob sich kaum merklich ein letztes Mal.
"Schön… Ort…" , wisperte sie. "Gut… ruhen… hier…"
Der Hauch eines Lächelns lag auf ihrem bemalten, alten Gesicht.
"Danke… euch…"
Ihre Stimme verklang und ihr Körper sank ein kleines Stück tiefer in das weiche Moos als hätte sie sich endgültig hinein gebettet. Auch die letzte Anspannung wich aus ihren Zügen. Und ihr Atem kehrte nicht zurück.
Still lag Wind unter dem Ahnenbaum. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht war ruhig. Friedlich.
Als hätte sie einfach die Augen geschlossen, um zu schlafen.
Unbekannte Pfote
Alias — Leitung
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Die große Kriegerin hatte die Geschichte weiter erzählt und dann war es auf einmal so weit. Wind konnte kaum noch richtig atmen und doch wirkte die Kätzin überhaupt nicht panisch, nur ruhig und entspannt. Sie wusste, dass die Ahnen auf sie warteten und sie würde zu ihnen gehen. Ohne Angst und Sorge und mit der Gewissheit, dass ihre Zeit gekommen war. Sonnenruf hoffte, dass auch sie eines Tages so zu den Ahnen treten würde. Ruhig und mit dem Wissen, dass es an der Zeit war. Sanft putzte sie der alten Kätzin das Fell hinter ihrem Ohr und ihrer Kehle entkam ein beruhigendes Schnurren, damit Wind sich wohlfühlen konnte. Sie bedankte sich bei den Katzen und schließlich tat die alte Stammeskriegerin keinen Atemzug mehr. Sie war fort. Bei ihren Ahnen. Sonnenruf blickte nach oben »Unsere geliebten Ahnen, nehmt Wind in euren Reihen auf, ich bitte euch « miaute sie ruhig und sah zu Nebelkrähe. Vorsichtig stand Sonnenruf auf, strich mit ihrem Schweif sachte über den toten Körper von Wind und ging zu Nebelkrähe, den sie sanft an seiner Wange putzte »Es ist okay, Nebelkrähe. Sie wusste, dass ihre Zeit gekommen war « miaute die goldene sanft und versuchte ihren dunkelpelzigen Kameraden zu trösten. Der Kater war sensibel und Sonnenruf hatte erkannt, wie sehr ihn diese Situation mitnahm. So verblieb Sonnenruf an Nebelkrähes Seite, ihre Zunge strich in sanften Zügen über seine Wange und seinen Nacken, um ihn etwas Trost und Ruhe zu spenden und auch sie selbst brauchte Trost. Keine der Anwesenden hätte wohl damit gerechnet, was sie heute erlebt hatten. Und obwohl sie Wind eben erst kennen gelernt hatten, wog ihr Verlust schwer in dem Herzen der Kriegerin.
Sie hob den Blick schließlich und sah zu Felsensprung »Wir müssen sie beerdigen « miaute sie ruhig »Ich finde jemand sollte zurückkehren und Rindenseele Bescheid geben. Wind hat die Totenwache heute Nacht verdient und morgen früh werden wir sie beerdigen, wie einen Krieger aus unseren Reihen « sprach Sonnenruf fest entschlossen. Sie hatten die Kätzin in ein Bett aus Moos und Federn bei ihrem Ahnenbaum zur Ruhe kommen lassen. Und wie die anderen Katzen des Clans, sollten sie bei ihrem toten Körper heute Nacht bleiben, wenn die Ahnen sie aufnehmen würden. Morgen würde sie beerdigt werden. Diese ehrenwerte Behandlung hatte die Fremde verdient.
Alias — Efeu
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Maulbeerpfote hatte die Ratte nicht erwischt. Doch dafür war sie direkt in Drosselrufs Pfoten gelaufen und er hatte ihr ein schnelles Ende beschert. Auch wenn er behauptete, dass das Buschungeheuer sie besiegt habe und nicht er. Maulbeerpfote schnurrte entzückt. ”Danke Drosselruf und Buschungeheuer!” , bedankte sie sich warf dem Busch einen schmunzelnden Blick zu, während der Kater sich schon wieder abwandte und bestimmte, dass sie nun das suchten, wofür sie hergekommen waren.
Auch ihre Schwester Dünenwind lobte die Schülerin, sie habe die Ratte zwar nicht erwischt, sie aber perfekt auf Drosselruf zu getrieben.
Sie sammelten Moos und Blätter und kehrten mit diesen und der Ratte im Maul Maulbeerpfotes zu den anderen Katzen zurück.
Die Fremde wurde auf den weichen Dingen des Waldes gebettet, während Sonnenruf wohl gerade die Geschichte ihrer Clans erzählte. Dann miaute die unbekannte Kätzin, dass die Sterne sie rufen würden und die Schülerin sah traurig drein.
”Auf Wiedersehen, wir werden uns bestimmt im SternenClan wieder begegnen.” , miaute die cremefarbene Kätzin, während Wind ihre letzten Atemzüge tat.
Maulbeerpfote sah traurig in den dunkler werdenden Himmel hinauf, in dem schon ein paar Sterne leuchteten. Es war traurig, eine Katze gehen zu sehen. Sie hatte schon viel vom Tod gehört und ihn mit eigenen Augen gesehen, doch noch nie sah sie, wie das Leben aus einem verschwand. Für ihre Wurfschwester war sie damals noch zu jung gewesen, an die erinnerten Maulbeerpfote und die andere Wurfschwester Brombeerpfote sich nicht. Doch wie musste es nur für alle anderen Beteiligten gewesen sein? Tiefe Traurigkeit schnürte ihr den Hals zu und sie atmete einmal tief ein und wieder aus.
Sonnenruf bat ihre Ahnen die Kätzin bei sich aufzunehmen und meinte dann, dass sie sie beerdigen und ihr die letzte Ehre erweisen sollten. Eine Katze solle Rindenseele Bescheid geben und jemand sollte die Wache übernehmen. Maulbeerpfotes Kopf ruckte hoch.
”Darf ich?” , fragte sie leise, ehe sie sich räusperte und mit lauter Stimme fortfuhr. ”Ich würde gerne die Totenwache abhalten. Vielleicht frage ich noch einen anderen Schüler, dass ich nicht alleine bin? Ich könnte auch los und Rindenseele Bescheid geben, einen weiteren Schüler holen, zurückkehren und gemeinsam Totenwache abhalten?”
Sie wollte etwas für Wind tun. Mehr, als nur Moos und Blätter zu sammeln. Beute hatte sie nicht gewollt, also könnte sie diese auf den Frischbeutehaufen legen. Ihr Blick wanderte zu Nebelkrähe, dem der Tod der alten Katze auch nahe gegangen war. ”Also.. Falls du nicht Totenwache halten möchtest, Nebelkrähe.” , meinte sie etwas kleinlaut und knetete mit ihren kleinen Pfötchen nervös die Erde unter den Ballen. Ihr wäre es auch recht, wenn der schwarze Kater es tat. Schließlich hatte er nun mehr Zeit mit WInd verbracht, da Maulbeerpfote mit den anderen beiden Kriegern Moos gebracht hatte.
Alias — Kadse
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Herzschläge vergingen und Worte wisperten wie der Wind durch die Blätter. Jede Bewegung und jedes Geräusch sog die Nebelkrähe wie ein durstiger Schwamm auf. Sie ließ ihn sich regen, das Fell aufstellen und zugleich mit Wasser in den Seelentoren die Welt anblicken. Der Kater konnte seine Emotionen selbst nicht greif. Zu allem Überfluss lag ein sanftes Lächeln auf den Lefzen.
“Nicht allein.. ich bin...“ , hörte er Wind flüstern. Nein. Sie war nicht alleine. Sie alle begleiteten sie. Ihr letztes Geleit. Sie sollte von Wärme und Liebe umringt sein, trotz der kurzen Bekanntschaft. Und von Wärme und Liebe empfangen werden wenn sie hinüber trat. In die ewigen Jagdgründe, hinauf zum SternenClan. Sie würde auf sie blicken und über sie wachen. Sie selbst fand diesen Abschied gut und den Blick in ihre ganz eigene Zukunft.
In seinem Kopf kamen Worte von vergangenen Katzen, dass das irdische Ende nicht das Ende einer Katze war. Dass der eine Weg vorbei war, doch ein anderer sich ihnen eröffnete. Schwer schluckte Nebelkrähe, die Schnurrhaare zuckten dabei. Es war ein schöner Gedanke. Ein Gedanke dem er wirklich glaubte und den er sich jedem wünschte.
Und dennoch war es schwer.
Wind äußerte, dass sie den Ort schön fand und hier gut ruhen würde. Und sie dankte ihnen.
Herzschläge vergingen.
Und dann schlug es nicht mehr.
Alles stockte und endete für diesen einen Moment.
Der Körper erschlaffte bei ihm und er musste den Kopf etwas recken und die Augen zukneifen.
Sie war... gegangen.
Es riss an seinem Herzen obwohl sie sich nicht kannten. Und zugleich frohlockte er. Er freute sich für sie, war ihr Atem doch so schwer gewesen und ihr Körper so müde. Nun konnte sie die Last ablegen und im SternenClan frei und leicht wieder durch den Himmel springen.
Nebelkrähe wusste, dass dem so war. Aber wieso hörte sein Herz nicht auf sich so schwer zu fühlen?
Der Kater legte die Ohren zurück, konnte die Augen nicht öffnen und noch immer nicht schlucken. So dick war der Kloß in seinem Hals.
“Es ist okay, Nebelkrähe. Sie wusste, dass ihre Zeit gekommen war.“ miaute Sonnenruf. Ja, das wusste er. Das wussten sie alle. Und sie wussten wohin Wind ging und die Krähe wusste auch, das Wind wieder kehren würde. Mit jedem Windstoß und jedem sanften Säuseln würde sie ihre Präsenz verkünden. Es war ein Lichtblick der Zukunft die ihn erfreute, doch noch lag die Trauer zu tief.
Und so war er dankbar um den Trost der Kätzin. Er schnurrte leise, holprig. Immer wieder brach es ab und suchte neu den Beginn. Wie eine rhythmische Störung im Herzschlag. Seinen Kopf drückte er leicht gegen die Kriegerin, vergrub das Gesicht und sog ihren Duft tief ein um sich wieder zu erden. Erst als sie ruhig ihren Vorgang miaute, blickte er wieder zu den anderen. Die Augen noch feucht, doch deutlich fester. Ein sicheres Lächeln auf den Lippen und so viel wärme und Liebe im Gesicht, dass er alle Anwesenden um sich kuscheln konnte und damit trösten.
Maulbeerpfote fragte leise und räusperte sich für eine festere Stimme. Erneut erhob sie die Stimme und sprach die Worte klarer. Nebelkrähe sah zu Wind, rieb seinen Kopf sachte an ihr, bevor er sich langsam löste. Ein letzter Körperlicher Abschied bevor die Wärme vollends entschwand. Langsam erhob er sich, als Maulbeerpfote schließlich fragte: “Also.. Falls du nicht Totenwache halten möchtest, Nebelkrähe.“ Woran sich die Krähe wohl sonst stieß und irritierte Antworten mit einem Funken Belustigung gab, stieß sie sich heute nicht. Stattdessen glitt sie, an Sonnenruf entlang reibend weiter zu Maulbeerpfote. Der Blick auf den nervösen Pfötchen die sich kneteten, während er näher kam. “Ich denke nicht, dass ein Schüler Totenwache halten sollte.“ , begann er leise und blickte ihr ins Gesicht. Die Worte klangen ernst, doch sein Gesichtsausdruck war weich und einladend. “Nicht zu diesen Zeiten. Nicht allein. Wollen wir sie zusammen halten?“ Miaute der Kater, bevor er mit dem nächsten Schritt tiefer ging und seinen Kopf schnurrend über den von Maulbeerpfote rieb. Sanft und doch mit einem gewissen nachdruck, dass die Gestik Sicherheit vermittelte.
“Ein jeder der hier hat, hat das Recht dazu. Ich glaube Wind würde sich freuen über jeden einzelnen.“ , fügte er leise maunzend an alle hinzu, bevor er sich erhob und sie warm lächelnd einlud.
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