i never liked misty days

Die Sonne lag wie flüssiges Gold auf Flimmers rabenschwarzem Pelz, kroch ihr bis auf die Haut und wärmte sie durch und durch. Sie schlenderte mehr, als dass sie wirklich ging - die Pfoten setzten sich fast von allein, während ihr Blick verträumt über die Welt glitt. Ein Lüftchen strich durchs Gras, trug den Duft von Staub, Harz und fernen Zweibeinern mit sich. Ach, das Leben war schon was Feines, wenn man’s nich’ so eilig hatte.

Flimmer hatte es noch nie verstanden, warum manche Katzen ständig hetzten, als würde ihnen der Himmel auf den Kopf fallen. Man musste doch nur die Augen offenhalten - für die warmen Sonnenflecken, das Rascheln im Unterholz, das Kitzeln vom Wind im Fell. Das waren die Sachen, die zählten. Die kleinen Dinger eben.

Sie blieb stehen, hob die Nase und schnupperte. Dann deutete sie mit einem Kopfnicken in Richtung einer lichteren Stelle abseits des Donnerwegs, wo der Wald dünner wurde und das Gras niedergetreten war.

"Schau, Zahn, da hinten ham se gerastet", murmelte sie, ihre Stimme rau und ein bisschen schief, als hätte sie zu oft Staub geschluckt. "Riechste das? Nich’ nach Clans. Nich’ nach so geschniegelt’n Grenzkontrolleuren. Eher… wie wir. Streuner halt. So frei Schnauze."

Ihre Schnurrhaare zuckten. Flimmer mochte manchmal wirken, als wäre sie ein bisschen neben der Spur - verträumt, leichtgläubig vielleicht - aber dumm war sie nicht. Als Späherin musste sie die Zeichen lesen können. Gebrochene Halme, fremde Gerüche, der Hauch von Gefahr zwischen den ganzen Eindrücke von Mutter Natur. Ein falscher Schritt, und man bezahlte teuer. Sehr teuer.

Mama hatte immer gesagt, Katzen hätten neun Leben. Flimmer hatte das nie so ganz geglaubt. Selbst wenn - neun war doch auch nich’ unendlich. Und jedes einzelne davon war kostbar wie ein warmer Schlafplatz in der tiefsten Blattleere.

"Vielleicht sind’s ja neue Freunde, hm?" Sie warf Zahn einen blinzelnden Blick zu, die Augen hell vor Hoffnung. "So wie die vom BrisenClan. Is’ schon’n Glück, dass wir bei denen unterkommen durften, weißte? Die Scheune…" Sie seufzte selig. "Boah, ich lieb das Stroh. So weich, so warm. Als würd’ste auf ’ner Wolke pennen. Stell dir das mal vor! Wenn wir da wieder hätten wegmüssen… nee, das wär mies gewesen. Richtig mies."

Für einen Moment verlor sie sich in dem Gedanken - goldene Halme, die nach Sonne rochen, und das leise Atmen der anderen Katzen in der Dunkelheit.

Dann - ZACK - war sie wieder ganz Energie.

"Los, Zahn! Wettrennen! LOS!" quietschte das Kätzchen urplötzlich, sprang um ihn herum wie ein aufgedrehter Schatten und rammte ihm mit einem frechen Grinsen die Schulter. "Wer schneller beim Zweibeinerort is’, muss das ganze Zeug schleppen! Äh - warte - ÄH! HALT! Wer langsamer is’!"

Ohne abzuwarten, ob er lachte oder schimpfte, schoss sie davon. Neben dem Donnerweg entlang, wo die Monster vorbeidonnerten und der Boden vibrierte. Staub wirbelte unter ihren Pfoten auf und brannte ihr in der Nase, aber sie liebte es einfach. Liebte das Rasen, das Brennen in den Muskeln, das Gefühl, als könnte sie mit den Monstern mithalten.

Der Wind zerrte an ihrem Fell und riss ihr ein freches Lachen aus der Kehle. Ihr Herz hämmerte, ihr Körper kribbelte vor Aufregung - und in diesem Moment fühlte sie sich unbesiegbar.


@Zahn
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