Blätterjunges stand unter Strom. Ihr Fell prickelte seit Tagen, als würde es nicht recht zu ihr gehören, ihr Verstand war unruhig, sprang umher wie ein Jungtier, das das erste Mal das Lager verlassen durfte. Seit Fichtensterns Verkündung waren nur wenige Tage vergangen und die Jungkatze konnte Halbmond kaum erwarten. Ihre Emotionen wechselten von unbändiger Vorfreude über Sorge bis hin zu waschechter Panik hin und her, teilweise im Minutentakt. Es war ermüdend und beängstigend, und allmählich verzehrte es die junge Kätzin danach, dass es aufhörte. So oder so musste dieses Warten bald ein Ende finden.
Brandnarbe war noch immer unzufrieden, auch wenn er doch eigentlich gefunden hatte, was er gesucht hatte. Doch sicherlich hatte er sich seine kostbare Heilerschülerin ein wenig anders vorgestellt. Blätterjunges wollte in seiner Nähe sein, wollte von ihm lernen, doch Fichtenstern hatte ihr verboten, mit der Kräuterkunde zu beginnen ohne den vorherigen Segen des SternenClans. Also musste sie sich in etwas üben, was ihr wahnsinnig schwer fiel: Geduld.
Ihr Blick wanderte durch das Lager, das sie mittlerweile wohl besser kannte, als jeder sonst hier. Es kam ihr wirklicher vor als die echte Welt dort draußen, die sie seit Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte. Ihre Pfoten pochten vor unterdrücktem Tatendrang und sie verzehrte sich danach, etwas anderes unter ihren Pfoten zu spüren, als Stein. Verdammt, sie war doch sonst immer so genügsam gewesen. Doch vor drei Tagen hatte sich ihr die Welt eröffnet und nun schien sie nicht genug bekommen zu können.
Ihr Blick blieb an einem kräftigen, silbergrauen Kater hängen, der alleine am Rand des Lagers saß. Die meisten anderen hatten mittlerweile ihre Aufgaben für den heutigen Tag erledigt und saßen in kleinen Gruppen zusammen, teilten Beute oder gaben sich die Zungen. Doch dieser hier? Er war ganz alleine. Wenn Blätterjunges näher darüber nachdachte, dann war dieser Kater häufiger alleine unterwegs. Sie spitzte die schmalen Ohren und legte nachdenklich den Kopf schief. Ob er wohl einsam war?
Zartes Mitleid rührte sich tief in ihrem Inneren und sie erhob sich zögerlich auf die Pfoten. Ihr Kopf arbeitete, suchte nach einem Namen. Eis… Eisbrecher. So hieß der Krieger. Und sie war sich sicher, dass sie noch nie ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Normalerweise ging sie den erwachsenen Kriegern aus dem Weg, denn wer war sie schon? Eine elende, kranke Katze die zu schwach war, um alleine zu überleben. Doch diese Katze war sie nicht mehr. Sie würde eines Tages Heilerin sein! Und wenn sie schon nicht die Kräuter und deren Wirkungen lernen durfte, dann konnte sie doch wenigstens anfangen, den Clan kennenzulernen. Und war sie nicht schließlich auch dazu da, Leiden zu lindern? Ob körperlich oder seelisch war schließlich egal, oder?
Sie reckte den Kopf und tappte los, durchquerte leichtfüßig das Lager, sorgsam darauf achtend, dass sie niemandem in die Quere kam. Aus der Nähe war der graue Kater noch viel größer, als sie angenommen hatte. Und sein Blick… irgendwie grimmig. Doch nun konnte sie schlecht umkehren, denn Eisbrecher hatte längst gemerkt, dass sie sich ihm näherte. Mit ein wenig Abstand blieb sie stehen und setzte sich unsicher zu Boden.
“Hallo Eisbrecher, ich bin Blätterjunges.“ Genau, erst mal klein anfangen. Nur weil sie den halben Tag irgendwo lauerte und Gespräche und Namen aufschnappte hieß das nicht, dass der graue Krieger wusste wer sie war. Obwohl das eigentlich spätestens seit der letzten Clanversammlung kein Geheimnis mehr sein dürfte. Blätterjunges musterte den grauen Krieger vor sich neugierig, jedoch auch mit einer gehörigen Portion Wachsamkeit.
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Seine Aufgaben erledigt. Seine Begleiter? Froh ihn los zu sein. Und er? Eindeutig glücklicher.
Hunger? Nicht vorhanden.
Interesse an Interaktion? definitiv nicht gegeben.
Der Steinkater drückte sich an die schroffe Felswand und schloss die Augen für den Moment. Er versuchte die Stimmen auszublenden. Sie los zu werden.
Eigentlich suchte er Ruhe. Und nicht dieses.
Dieses etwas hier.
Er blinzelte leicht und blickte aus den Augenwinkeln zu den anderen. Die den neusten Tratsch austauschten, sich ankuschelten und ableckten als gäbe es kein Morgen mehr. Der Kater schüttelte sich und rieb dabei mit der Haut leicht gegen die scharfen Kanten. Ein.. interessantes und angenehmes Gefühl.
Kalt und kantig.
So wie er.
Mit einem tiefen Atemzug, tat er seinen Unmut kund. Die Katzen die sich noch in seiner Nähe aufhielten zuckten mit den Ohren und beeilten sich Land zu gewinnen. Mehr Abstand ware besser für alle.
Belustigt zuckten seine feinen Schnurrhaare.
Vielleicht.
Sein Blick glitt hinaus durch die Öffnung des Lagers. Ein leichter Wind trieb den Nebel hinauf auf ihre Felsen. Es war ein wundervoller Anblick. Ein beruhigender, vielversprechender Anblick. Einer, der die weiten der Möglichkeiten ins unermessliche stiegen ließ.
Ja, vielleicht sollte er sich auf machen und hinaus gehen. Seinen Steinpelz vom Nebel verschlucken lassen und nach einem neuem Abenteuer suchen. Ein wenig Spaß für sich.
Plötzlich vernahm er ein tappen. Die Ohren zuckten in die Richtung. Zwei Herzschläge später schlug er mit dem Schwanz ungehalten auf den Felsen. Welches Mäusehirn traut sich bitte zu dieser Zeit, in diesem Moment, bei diesen Überlegungen an mich heran? Er schloss die Augen mit einem unterdrücktem Knurren. Es klang wie kleine Pfoten, die sich dort bewegten. Noch einmal schlug der Schwanz zu Boden.
Ein dummer Schüler der glaubt er kann Eindruck schinden, da er sich auf den ach so liebevollen Eisbrecher einlässt und ein Gespräch mit ihm wagt?
Als er die Augen öffnete, drehte er sich nicht zu der Katze die inne hielt und sich unsicher auf den Boden pflanzte. Er starrte nur weiter hinaus in den Nebel und stellte sich vor von diesem verschluckt zu werden oder die Katze selbst darin verschlucken zu lassen.
Letzteres Bild gefiel ihm in rot besser.
“Hallo Eisbrecher, ich bin Blätterjunges.“
Fuchsdung!
Der Körper des Katers zeigte keine Reaktion.
Als sei er selbst zu Eis erstarrt.
Es musste auch ausgerechnet diese Katze sein!
Konnte sie nicht..
Ach Fuchsdung! Konnte sie ja wirklich nicht, sie sollte sich erst noch beweisen
Ein höhnisches Schnaufen, wie ein kurzes Auslachen, entkam ihm.
Mehr erhielt das Kätzchen nicht als Reaktion.
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