Wettrennen bis zur Mooslichtung
”Los, los. Niemand achtet auf uns, schnell!” , wisperte Heidepfotes Stimme zu ihrem Bruder Felsenpfote und den anderen beiden Schülern Fuchspfote und Eichhornpfote. Sie hatten den Entschluss gefasst, dass sie sich heimlich aus dem Lager schleichen und ein Wettrennen zur Mooslichtung machen würden, um vor Ort dann eine kleine Trainingseinheit zu absolvieren. Nun mussten sie aber leise und ohne gesehen zu werden das Lager verlassen, doch glücklicherweise klappte das hervorragend.
Bestimmt waren die Katzen alle noch zu abgelenkt von dem, was zu Sonnenhoch geschehen war. Fichtenstern hatte die Schlangenfelsen für den GlutClan errungen! Er hatte mit seinen Kriegern gegen die WurzelClaner gekämpft und natürlich gesiegt. Von nun an gehörten die Schlangenfelsen dem GlutClan und nicht mehr zum WurzelClan.
Die Sonne begann langsam unter zu gehen, doch noch war es nicht gänzlich so weit, um als Sonnenuntergang bezeichnet zu werden. Vielleicht kurz vor Sonnenuntergang, aber das auch nur, wenn man ein Auge zudrücken würde.
Direkt außerhalb des Lagers sah die Schülerin die anderen mit funkelnden Augen an. ”Los!” , miaute sie leise, aber bestimmt das Zeichen dafür, dass ihr Wettrennen zur Mooslichtung begann.
Dann preschte sie nach vorn und freute sich insgeheim sehr darüber, so tolle Clankumpanen zu haben, die mit ihr jedes noch so kleine Abenteuer erlebten. Auch wenn dies nur ein Abenteuer zum trainieren war, sie also nichts Böses vor hatten. Dennoch brachen sie heute bestimmt tausende Regeln, doch für den Moment war der Perlgrauen das egal. Das wäre ein Problem für Zukunfts-Heidepfote, nicht für Jetzt-Heidepfote. Denn die Jetzt-Heidepfote wollte unbedingt Spaß haben und wenn all ihre Mentoren gerade was besseres zu tun hatten, dann suchten sie sich halt ihr eigenes Training. Und wer sagte, dass es nicht mit Spaß beginnen und man dabei Spaß haben durfte? Auch wenn ihr Gedanke vielleicht etwas gemein war, schließlich hatten die Krieger heute hart gekämpft, um ihnen einen Sieg ins Lager zu bringen.
Der Abstieg fiel ihr sehr schwer, auch ihr Bruder machte es besser als sie. Dass die anderen beiden Schüler es besser konnten, war kein Wunder, sie waren einen Mond älter als Felsenpfote und Heidepfote, die das alles erst noch lernen und verinnerlichen mussten.
Doch als es darum ging zum Froschteich zu rennen, holte Heidepfote ihren Bruder wieder ein.
”Du Matschhirn, wir warten nicht auf besseres Wetter.” , rief sie Felsenpfote liebevoll zu, und grinste ihn an.
Das Wort ‘Matschhirn’ war keine richtige Beleidigung für Heidepfote an ihren Bruder. Es war eher eine liebevolle Art ihn zu necken und mehr aus ihm herauszuholen. Sie wollte nicht, dass er verlor, wollte aber auch nicht einfach so tun, als würde sie sich nicht anstrengen. Würde er sie am Ende fragen, könnte sie nicht lügen und würde ihm ehrlich sagen, dass sie ihn gewinnen ließ. Nein, Felsenpfote musste von sich aus gewinnen und seine Schwester versuchte ihn anzutreiben.
Und scheinbar funktionierte es. Denn das Matschhirn zog nach dem Froschteich an ihr vorbei, als würden ihm Bienen in den Hintern stechen. Das Schnurren, das aus Heidepfote kam hörte er bestimmt nicht, doch sie freute sich für ihren Bruder.
”Gib alles und überhol auch noch Fuchspfote und Eichhornpfote!” , murmelte sie leise, nur für sich, und mit leuchtenden Augen.
Alias — Kadse
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Die Schüler schlichen sich heimlich davon, ohnehin war der Clan abgelenkt und triumphierte über den Sieg. Die Schlangenfelsen gehörten nun ihnen und Fuchspfote hoffte, dass Habichtblut ihn bald mit dorthin nehmen würde zum Jagen. Wenn man sich schon ein neues Gebiet unter die Krallen riss, dann wollte Fuchspfote es auch sehen! Seine Schwester Eichhornpfote war ja bereits da, als es noch Gebiet des WurzelClans gewesen war und Fuchspfote war vor Neid fast geplatzt! Doch jetzt wollte er sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Immerhin würden sie ein kleines Wettrennen zur Mooslichtung abhalten und dort miteinander ihre Kräfte messen. Wie die echten Krieger, die hatten auch gekämpft.
Als Heidepfote ihnen zunickte, ging das Rennen auch schon los. Es begann mit dem Abstieg der Klippen und das meisterte Fuchspfote sehr gut und schnell. Oft schon war er mit Habichtblut hier herabgeklettert und es klappte immer besser. Er war mittlerweile ein richtiger Meister darin geworden. So ließ er bald schon Heidepfote und auch Felsenpfote hinter sich, doch der graue Kater war ihm dicht auf den Pfoten und Eichhornpfote überholte ihn sogar, als sie die Berge hinabstiegen. Kaum hatte Fuchspfote wieder festen Boden unter den Pfoten, rannte er los so schnell er konnte und direkt hatte er seine Schwester überholt »Du lahmer Dachs! « lachte Fuchspfote frech. Wieder war Felsenpfote dicht hinter ihm und plötzlich preschte der perlgraue Pelz von Heidepfote an ihm vorbei. »Hey, das war doch geschummelt! « rief Fuchspfote und bemühte sich, sie einzuholen, doch er hatte keine Chance. Erst als sie am Froschteich ankamen, hatte der orangene wieder die Möglichkeit. Er war nicht der Schnellste, aber seine Ausdauer war gut und in der letzten Etappe half ihm das. Heidepfote ging die Puste aus und die Kätzin fiel wieder zurück, dafür holte Felsenpfote wieder auf und heftete sich an Fuchspfotes Fersen. Und da kam plötzlich der flammenfarbene Pelz seiner Schwester und überholte ihn. »Wo kommst du denn her, hast du eine Abkürzung genommen? « rief Fuchspfote keuchend, denn er gab alles was er hatte. Er holte auf und nebeneinander rannten die Geschwister auf die Mooslichtung zu, ehe Fuchspfote nochmal alles aus sich rausholte und seine Schwester einholte. Auf der Mooslichtung angekommen, verfiel er ins Traben und blieb schließlich stehen. »Ich habe gewonnen ihr staubfressenden Wurzelhirne! « rief er ausgelassen und freute sich über seinen Sieg.
Alias — Efeu
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Das Lager war immer noch in Aufruhr vom heutigen Kampf um die Schlangenfelsen. Verwundete wurden versorgt, Krieger prahlten mit ihren Siegen und wurden vom restlichen Clan für ihre Stärke beglückwünscht. Niemand achtete auf die vier Schüler, die sich verstohlen davonstahlen, Abenteuerlust in den Augen und Tatendrang in den Pfoten. Mit Heidepfote und Felsenpfote war es nun noch voller im Schülerbau geworden und Eichhornpfote freute sich, dass sie und ihr Bruder nun nicht länger die Jüngsten waren und dass ihre Freunde aus der Kinderstube nun wieder bei ihnen im Bau schliefen.
Verstohlen grinsend stahlen sie sich davon und die rote Schülerin genoss das leichte Prickeln im Fell, welches sich immer zeigte, wenn sie etwas Verbotenes tat. Sie wollten heute mit einem Wettrennen beginnen und Eichhornpfote straffte die Muskeln. Sie war die Kleinste unter den Versammelten, doch das konnte auch Vorteile haben. Voller Vorfreude knete sie den Boden und preschte augenblicklich los, als Heidepfote das Signal gab. Das Rennen begann mit dem felsigen Abstieg vom Lager hinab und Eichhornpfote legte ein waghalsiges Tempo vor. Schnell hatte sie alle drei hinter sich zurückgelassen, während ihre Pfoten nur so über den steinernen Boden flogen und sie mehr als einmal fast gestürzt wäre. Doch sie schaffte es nach unten, strauchelte aber schon auf den ersten Metern, als der Boden wieder eben wurde.
Keuchend kämpfte sie um Balance auf dem neuen Untergrund und brauchte ein wenig, um ihren Rhythmus zu finden. Fuchspfote war augenblicklich auf ihrer Höhe und schoss an ihr vorbei mit einem frechen Lachen auf den Lefzen. Zu neuen Höchstleistungen angespornt grub sie die Krallen in den Boden und staunte nicht schlecht, als nun auch Heidepfote an ihr vorbeizog.
“Hey, na wartet!“ , fauchte sie verspielt und donnerte am Froschteich vorbei. Nun hatte sie sich wieder eingespielt, ihre Muskeln tanzten förmlich unter ihrem roten Pelz, als sie Heidepfote erneut einholte und hinter sich ließ. Auch Felsenpfote holte offenbar auf, doch Eichhornpfote hatte nur Augen für ihren Bruder. Sie holte noch einmal alles aus sich heraus und zog an ihm vorbei, schlug ihm frech mit dem Schweif auf die Ohren, bevor sie ihn hinter sich ließ. Doch schnell holte er auf, seine längeren Beine trugen ihn sofort wieder auf eine Höhe mit seiner Schwester. Mit angelegten Ohren versuchte die Rote alles, um ihn abzuhängen, doch Fuchspfote gewann schließlich ihr kleines Rennen.
Keuchend und schlitternd kam Eichhornpfote zum Halt und bretterte in ihren Bruder hinein, warf ihn ausgelassen von den Pfoten.
“Du blöder Fellball, friss selber Staub!“ , fauchte sie lachend und schaufelte mit den Pfoten Staub und Dreck auf ihn zu.
Alias — Haku
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At least not the last one
Felsenpfote hatte sich nur auf diesen heimlichen Ausflug eingelassen, weil die vier Schüler ernsthaft vorhatten zu trainieren und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Was sprach auch dagegen, während der Clan den Sieg gegen den Wurzelclan feierte, sich für eine Weile davonzustehlen und etwas zu üben, während ihre Mentoren sich ohnehin ausruhen mussten? Nun, zumindest alle außer Aschesturm, der Mentor seiner Schwester Heidepfote.
Geduckt schlich Felsenpfote als Dritter aus dem Lager und achtete darauf, dass seiner Schwester ihm dicht auf den Fersen war. War sie. Die Schülergruppe war erfolgreich. Sie fackelten nicht lange und das Wettrennen zur Mooslichtung startete.
Der Abstieg verlief etwas holprig für die beiden, die noch nicht allzu lange Schüler waren. Das orangene Geschwisterduo hatte einen Vorsprung von einem Mond, aber Felsenpfote ließ sich davon nicht beirren. Konzentriert suchte er einen sicheren, aber schnellen Weg und legte dann los.
Aber seine Schwester holte ihn knapp ein. “Du Matschhirn, wir warten nicht auf besseres Wetter.”, rief sie ihm beim Vorbeirennen zu. Felsenpfote musste ebenfalls grinsen. Ihm war wohl bewusst, dass das keine ernsthafte Beleidigung war. Die beiden gaben sich ständig irgendwelche blöden Namen. “Na gut, du Mooskopf, dann mach ich jetzt ernst. Aber jammere mir zuhause danach nicht die Ohren voll!” , lachte Felsenpfote. Er sammelte seine Kräfte und gab noch einmal richtig Vollgas. Er war zwar nicht der schnellste, aber dennoch holte er Heidepfote kurz danach ein.
Es war ein spannendes Rennen. Mal lag Eichhornpfote ganz vorne, dann Fuchspfote und auch Felsenpfote konnte sich für wenige Sekunden die Führung erkämpfen. Doch am Ende gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Geschwistern Fuchspfote und Eichhornpfote. Felsenpfotes Ausdauer war zwar nicht schlecht, aber da machte sich der Nachteil ihres kleinen Altersunterschiedes bemerkbar. Felsenpfote und Heidepfote mussten noch viel lernen. Am Ende gewann Fuchspfote und er freute sich zurecht über den Sieg.
Felsenpfote wurde langsamer und hielt dann ebenfalls atemlos an. Er drehte sich um und sah zu wie Heidepfote als Letzte an ihrem Ziel ankam. Prüfend musterte er sie, wollte sichergehen, dass sie sich nicht allzu sehr ärgerte oder frustriert war. Er blickte mit leuchtenden Augen zu dem Sieger dieses Wettrennens. “Glückwünsch, Fuchspfote! Das war wirklich spannend zwischen euch beiden!” , miaute der graue Kater keuchend, ehe er seine Schwester in die Seite knuffte. “Danke für den Ansporn, aber ich hätte es auch so geschafft.” , miaute er, halb neckend, halb ernst, mit einem amüsierten Grinsen im Gesicht.
Alias — Connor
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Wer wird mein Gegner sein?
Heidepfote wurde hinter den drei anderen Schülern zurückgelassen, doch das machte ihr heute irgendwie nichts aus. Sie liebte es, Wettrennen und andere Spielchen zu spielen, für gewöhnlich wollte sie auch immer gewinnen und die beste sein, doch heute langte es ihr, die Freude in den Augen der anderen zu sehen. Nein, sie freute sich einfach darüber, mit den anderen was zu unternehmen, Freundschaften zu knüpfen oder gar zu verfestigen und einfach schöne Zeiten zu erleben.
Daher machte es ihr auch nichts aus, dass alle drei Schüler sie irgendwann überholt hatten. Nein, sie feuerte ihren Bruder Felsenpfote noch an, doch sie erkannte, dass die rötlichen Geschwister einfach schneller waren, als sie und ihr Bruder und seufzend erkannte sie, wie Fuchspfote ausreichend seinen Sieg feierte. Seine Schwester krachte kurz darauf in den Sieger hinein und warf ihm Dreck vom Boden zu. Felsenpfote war immerhin nicht Letzter, doch als er sich prüfend nach ihr umsah, musste sie einfach lachen, da sie heute seltsamerweise nichts Zickiges zu sagen hatte, sondern ehrlich erfreut war.
”Keine Sorge, ich bin nicht traurig, ich freue mich! Du warst sehr gut, Fuchspfote! Aber Eichhornpfote, wie du an uns allen vorbei geprescht bist, das war der Wahnsinn!” , miaute Heidepfote stolz, als wäre sie die Mutter der beiden und würde sie loben.
Dann traf ihr Blick wieder den ihres Bruders und sie leckte ihm liebevoll über die Wange. ”Ich weiß, ich bin nicht immer einfach, aber heute, da habe ich einfach gewollt, dass du gewinnst.” , erklärte sie ihm und blinzelte ihn gutmütig an.
In ihrem Herzen glomm jedoch ein kleiner Funken Eifersucht. Ja, sie hätte gerne gewonnen, schließlich wollte sie immer die Beste in allem sein und jeden besiegen. Aber heute glomm dieser Funken nur leicht und war nicht wie immer ein Inferno. Felsenpfote würde wissen, dass sie es ehrlich meinte. Schließlich war Heidepfote keine Katze, die gut lügen konnte.
Mit einem gezielten Sprung in die Mitte der Schüler miaute die perlgraue Kätzin einmal, um die Aufmerksamkeit aller zu erregen, dann sah sie jedem der Schüler in die Augen. Die braunen Augen Fuchspfotes. Die rostroten Augen Eichhornpfotes und die bernsteinfarbenen Augen ihres Bruders Felsenpfote.
”Also, wer kämpft gegen wen? Wie teilen wir uns auf? Kämpfen wir Bruder gegen Schwester oder ist euch das schon zu langweilig und wir wollen was Neues versuchen? Vielleicht nach Geschlecht? Oder der Sieger des Wettrennens sucht sich seinen Kampfpartner aus?” , fragte sie die Versammelten und sah zuletzt zu Fuchspfote, da ihm das vielleicht gefallen könnte.
Heidepfote war es egal, gegen wen sie antreten würde. Diesmal wollte sie gewinnen und am liebsten hätte sie nicht gegen ihren Bruder gekämpft, sondern gegen einen der beiden älteren Schüler, um mehr zu lernen und anzuschauen, was diese schon drauf hatten. Sie wollte herausfinden, was für Strategien Eichhornpfote und Fuchspfote kannten, die Heidepfote noch komplett unbekannt waren. Vor Vorfreude kribbelten ihre Pfoten schon vor Tatendrang.
Alias — Kadse
Kadse ist Offline
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