Der tiefgraue Himmel hing schwer über dem Lager, während dichte Wolken den feinen, kühlen Nieselregen herab trugen, der tropfenartig von Kieselsteins öligem Fell abperlte, als sie auf leichten, aber unsicheren Pfoten, aus der Kinderstube trat. Ihr silbergrauer Pelz wirkte im sanften Licht der Dämmerung, welches kaum durch die Wolkendecke brach, fast geisterhaft und schimmerte, wie Schuppen einer Forelle.
Still lag die Insellichtung, war doch kaum eine Katze zu sehen, woraufhin die Kätzin entnahm, dass die meisten wohl auf Patrouille, oder schlichtweg mit anderen Pflichten beschäftigt sein mussten. Pflichten, denen sie sich bereits lange entzog.
Doch dann ein Geräusch, ein leises Rascheln - ein Schemen in der Finsternis. Genug, dass sich ihre smaragdgrünen Augen vor Schreck weiteten, während ihr Herz einen heftigen Schlag aussetzte. War da etwas? Oder jemand? Der Nieselregen verzerrte die Konturen, ließ die Schatten tanzen. Ein Schauder lief ihr über den schmalen Rücken, formte diesen letztlich zu einem Buckel und ließ sie, zumindest für den Moment, an Ort und Stelle einfrieren.
"Ein Zeichen", fasste sie spontan einen panischen Gedanken. "Ein böses Omen."
Kieselsteins Atem ging nur noch stoßweise, ehe sie sich mit einem leisen Wimmern abwandte. Das Lager war verflucht - oder schlimmer noch, der SternenClan warnte sie. Vor was? Vor wem? Sie konnte es nicht wissen. Noch nicht.
Mit hastigen Schritten stolperte sie in den Heilerbau, fiel kopfüber in diesen hinein, und auch wenn der vertraute Duft nach Kräutern sie förmlich empfing, beruhigte er sie nicht. Stattdessen huschte der smaragdgrüne Blick, noch während sie sich aufrappelte, hektisch durch den Bau, bis er an einer vertrauten Gestalt hängen blieb. Silberlicht. Ihre Schwester saß zwischen sorgsam sortierten Blättern und ließ das Nervenbündel letztlich aufatmen. Wenn auch nur für einige Augenblicke.
"Silberlicht!" Kieselsteins Stimme bebte, während sie tiefer in den Bau vordrang, als fürchtete sie, die düsteren Silhouetten, denen sie vor wenigen Herzschlägen noch gegenüberstand, könnten nach ihr greifen. Dabei peitschte der schlanke Schweif irritiert und auch ihr Körper erschauderte hin und wieder. Ein sachtes, angespanntes Zucken ihrer Muskulatur, das auch ihrer Schwester unweigerlich ins Auge fallen musste.
"Sie... sie waren da!" , hechelte die kleine Kätzin mit fiebrig flackernden Augen. "Ein Zeichen, ein Omen - der SternenClan warnt mich! Er warnt uns! Ich habe es gespürt, Silberlicht! Irgendetwas Böses lauert im Lager!"
Sie keuchte auf, als hätte sie einen weiten Sprint hinter sich gelassen und auch ihre zarten Pfoten zitterten, als bebe die Erde unter ihnen. Blitzschnell, wie Monster auf dem Donnerweg, rasten ihre Gedanken, versucht, sich an den Sinn jenes Zeichens zu klammern. Doch es war zu chaotisch, zu unklar.
Dann, wie ein brennendes Verlangen, schlich sich ein ganz anderer Gedanke in ihren Kopf.
"Ich brauche Mohnsamen." Ihr weiches Stimmchen war fast flehend, als sie sich fest in den weichen Boden krallte. "Silberlicht, du verstehst nicht, ich kann nicht ohne - sie sprechen zu mir, verstehst du? Ohne sie... ohne sie ist es zu laut! Bitte."
Ihre Kehle fühlte sich trocken an und auch ihr gebrechlicher Leib kribbelte, krabbelten Ameisen unter ihren Pelz. Es war offensichtlich wie der Entzug am hübschen Kätzchen nagte, an ihren Nerven zerrte, ihre wirren Gedanken noch mehr verschwimmen ließ. Ohne Mohnsamen... war sie verloren.
Erneut suchte sie dann den Blick ihrer Schwester, hoffte verzweifelt auf Verständnis. Die Heilerin würde ihrem Drang doch nicht im Weg stehen, oder?
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Das leise Prasseln des kühlen Nieselregens drang durch das Schilf, das den Eingang des Heilerbaus abschirmte. Im Inneren war es ruhig bis auf das leise Geräusch des Regens. Die schlanke, blaugraue Kätzin saß zwischen verschiedenen, kleinen Haufen aus Kräutern, überprüfte den Bestand und den Zustand ihrer Kräuter, um vor der nahenden Blattleere noch rechtzeitig Nachschub sammeln zu können. Unter anderem lagen Bachminze, Malve, Katzenminze, Thymian und Mohnsamen fein säuberlich sortiert auf ihren jeweiligen Haufen. Leicht legte Silberlicht den keilförmigen Kopf schief. Der Haufen der Mohnsamen war ein wenig kleiner als die anderen. Ich brauche bald Nachschub.
Plötzlich fiel eine zarte, zierliche Gestalt kopfüber durch den Eingang ihres Baus. Silberlicht erhob sich eilig als sie das ebenfalls silbergraue Fell erkannte, das auch ihren schlanken Körper ummantelte. Die Heilerin lief zu ihrer Schwester, die sich aufrappelte und hektisch durch ihren Bau blickte.
"Silberlicht!" , miaute Kieselstein mit bebender Stimme. Besorgt blickte sie ihre Schwester an und schnupperte kurz an ihr, um festzustellen, ob sie sich bei ihrem Sturz verletzt hatte. "Was ist passiert, Kieselstein? Geht es dir gut?" , fragte sie besorgt als sie der anderen Kätzin in die großen, smaragdgrünen Augen blickte. Der schlanke Schweif peitschte hinter der zarten Kätzin. Wieso war sie so beunruhigt und aufgeregt? Silberlichts Blick wanderte an der Kriegerin vorbei zum Eingang ihres Baus. War etwas auf der Lichtung vorgefallen? Wieso ist sie so angespannt? Die angespannte Muskulatur ihrer Schwester war ihr ebenfalls aufgefallen.
"Sie... sie waren da!" Silberlichts Blick sprang zurück zu Kieselstein. "Sie? Wer? Zweibeiner?" , fragte die Heilerin beunruhigt. Wurde das Lager angegriffen? Ist eine Patrouille angegriffen worden? Ihr eigener smaragdgrüner Blick zuckte zu den Kräuterhaufen, die sie errichtet hatte. Ob ihre Vorräte ausreichen würden? "Ein Zeichen, ein Omen - der SternenClan warnt mich! Er warnt uns! Ich habe es gespürt, Silberlicht! Irgendetwas Böses lauert im Lager!" , fuhr Kieselstein fort. Silberlicht blickte ihre Schwester wieder an und blinzelte einmal. Doch bevor sie Kieselstein nach dem Zeichen fragen konnte, keuchte ihre Schwester auf als hätte sie einen Sprint hinter sich. Ihre zierlichen Pfoten zitterten. Besorgnis breitete sich erneut in Silberlicht aus. War das Zeichen so schlimm? Ihre Schwester musste unglaublich verängstigt sein!
"Ich brauche Mohnsamen." , miaute Kieselstein fast flehend und riss Silberlicht aus ihren Gedanken, aus ihren Sorgen. Sie blinzelte einmal, um wieder in der Gegenwart anzukommen und erkannte, dass ihre Schwester sich im fest im weichen Boden festgekrallt hat. Ein wenig skeptisch blickte die Heilerin die Kriegerin an. "Ich weiß nicht, Kieselstein..." , setzte sie an. "Silberlicht, du verstehst nicht, ich kann nicht ohne - sie sprechen zu mir, verstehst du? Ohne sie... ohne sie ist es zu laut! Bitte."
Silberlicht war hin und hergerissen. Kieselstein war auf Entzug nach übermäßigem Mohnsamenkonsum... Andererseits wollte sie nicht, dass sich ihre Schwester so fühlte... Die Verzweiflung im Blick der ebenfalls silbergrauen Kätzin versetzte ihre einen schmerzhaften Stich in der Brust. Ihr Blick wanderte zu den Kräuterhaufen zurück. Ein kleiner Rückschritt war normal und gehörte zum Heilungsprozess... Für einen Herzschlag schloss Silberlicht die smaragdgrünen Augen, um ihre Gedanken zu ordnen. "Was... war es denn für ein Zeichen, Kieselstein? Was hast du gesehen oder gehört? Was haben dir unsere Ahnen gezeigt?" , fragte sie bevor sie ihre Augen wieder öffnete und den Blick auf die Kriegerin richtete. Vielleicht würde sich Kieselstein beruhigen, wenn sie darüber sprach. Doch irgendetwas sagte der Heilerin, dass dem nicht so sein würde... Abwarten.
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Kieselstein spürte, wie sich der weiche Boden unter ihren Pfoten verdichtete, als hätte er ihre Panik förmlich aufgesogen. Der vertraute Duft von Kräutern, der sonst beruhigend wirkte, brannte diesmal unangenehm in ihrer Nase - zu stark, zu scharf. Sie spürte, wie ihre Schultern zitterten, der Körper zu leicht und zu schwer zugleich war, während Silberlicht ihr mit so einem sanften, aber viel zu durchdringenden Blick zugleich gegenüberstand.
Warum sah ihre Schwester sie so an?
"Ich weiß nicht, Kieselstein…" hatte Silberlicht gesagt. Ein leiser, vorsichtiger Zweifel. Kieselstein sog darauf hörbar die Luft ein, als hätte man ihr einen gezielten Prankenhieb versetzt.
"Du glaubst mir nicht" , murmelte sie, das Stimmchen kaum mehr als ein zittriger Hauch im stickigen Heilerbau. Sie wich einen Schritt zurück, der fast unmerklich war, aber dennoch bedeutungsschwer. Ihre smaragdgrünen Augen flackerten rastlos. "Wie die anderen. Immer… dasselbe."
Doch dann stellte Silberlicht diese Frage. Diese eine Frage, die sich tiefer als jede Klaue in ihren bebenden Leib grub. Die Kätzin fror ein, der Atem stockte ihr. Was sie gesehen hatte? Was sie gehört hatte? Ihre Pupillen verengten sich, während sich ihr Blick ins Leere richtete. Irgendwo über Silberlichts Schulter hinweg, als würde sie dort die verheißungsvollen Schattengestalten materialisieren können.
"Schatten. Überall.. Da waren überall Schatten, Silberlicht! Bösartig und bedrohlich" , flehte sie ihre Schwester in der Hoffnung an, dass sie ihr Glauben schenken würde. Die Stimme hatte einen tonlosen, entrückten Klang angenommen, fast tranceartig, als würde sie das Erzählte selbst noch einmal durchleben.
Langsam richtete sie den Blick perplex blinzelnd zurück auf die Heilerin. Ihre Pupillen waren geweitet, ihr ganzer Körper angespannt. "Ich weiß, was du denkst. Dass ich übertreibe. Dass es der Entzug ist, dass ich wieder spinne. Aber ich… ich weiß es, Silberlicht!" Ein dünnes, fieberhaftes Krächzen drang aus ihrer Kehle, gefolgt von einem rauen Flüstern: "Der SternenClan schweigt, aber trotzdem sendet er mir klare Zeichen. Sie warnen mich. Uns... Den ganzen Clan!"
So trat sie wieder näher an ihre Schwester heran. Diesmal so dicht, dass ihr bebender Atem Silberlichts Schnurrhaare streifte. "Wenn du mich jetzt nicht schützt… wenn du mir die Mohnsamen verweigerst… dann hilfst du ihnen. Und wenn sie mich holen, dann wirst du zusehen müssen, wie ich gehe. Und du wirst nichts tun können. Alle werden wissen, dass es allein deine Schuld war!"
Ein Zucken fuhr durch ihren dünnen Körper, die Stimme ein letztes Mal drängend, gebrochen, flehend:
"Nur ein paar Samen. Ein paar. Damit es still wird. Damit ich denken kann. Bitte, Schwester. Nur… einer."
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Kieselstein sog hörbar die Luft ein. Als hätte Silberlicht sie geschlagen. "Du glaubst mir nicht" , murmelte ihre Schwester. Ihre Stimme war kaum mehr als ein zittriges Hauchen. Sie wich kaum merklich zurück. Silberlicht schüttelte langsam den Kopf. Eine kleine Bewegung, die größer wurde. Mitfühlend blickte sie die andere Kätzin an. "Nein..." , setzte sie an. "Wie die anderen. Immer… dasselbe." Kieselsteins große, smaragdgrüne Augen wirkten rastlos. "Nein, Kieselstein, so war das nicht gemeint." , widersprach Silberlicht mit sanfter Stimme.
Ihre Schwester schien zu erstarren, sogar ihr Atem stockte. Die graublaue Kätzin beschlich ein ungutes Gefühl. Das Heilertreffen war wenige Tage her und alle Heiler hatten dort eine unheilvolle Botschaft erhalten. Hatte Kieselsteins Zeichen... etwas mit der Botschaft zu tun? Silberlicht hatte es noch nicht über ihr Herz gebracht, Schneestern davon zu erzählen. Aber das würde sie müssen sobald sie feststellen würde, dass Kieselsteins Botschaft etwas damit zu tun hatte. Ihre Pupillen verengten sich, der grüne Blick ging ins Leere. Die andere Kätzin fixierte einen über Silberlichts Schulter, den wohl nur sie sehen konnte.
"Schatten. Überall.. Da waren überall Schatten, Silberlicht! Bösartig und bedrohlich" , begann sie zu flehen. Leicht schluckte die Heilerin. Fast hätte sich ihr graublaues Fell gesträubt. Schatten? Oder... Finsternis...? Langsam und blinzelnd wanderte Kieselsteins Blick zu Silberlicht zurück. Ihre Pupillen waren geweitet und sie wirkte angespannt. "Ich weiß, was du denkst. Dass ich übertreibe. Dass es der Entzug ist, dass ich wieder spinne. Aber ich… ich weiß es, Silberlicht!" , krächzte sie als sie fortfuhr. "Der SternenClan schweigt, aber trotzdem sendet er mir klare Zeichen. Sie warnen mich. Uns... Den ganzen Clan!" , flüsterte sie rau.
Kieselstein trat näher an die Heilerin heran. Ihr bebender Atem strich Silberlicht über das Gesicht, streifte ihre silbrigen Schnurrhaare. "Wenn du mich jetzt nicht schützt… wenn du mir die Mohnsamen verweigerst… dann hilfst du ihnen. Und wenn sie mich holen, dann wirst du zusehen müssen, wie ich gehe. Und du wirst nichts tun können. Alle werden wissen, dass es allein deine Schuld war!" Leicht zuckte Silberlicht zurück. Jetzt fühlte sie sich als hätte ihre Schwester sie geschlagen. Es ging Silberlicht immer nah, war immer schwer für sie, wenn sie eine Katze nicht retten konnte. Dabei musste sie an Hummelpfote denken - eine vielversprechende Schülerin, der alles offen gestanden hatte. Die eine hervorragende Kriegerin abgegeben hätte. Ihr junges Leben war jäh von einem Fuchs beendet worden. Auch nach ihrem Tod hatte sich Silberlicht Vorwürfe gemacht. "Nur ein paar Samen. Ein paar. Damit es still wird. Damit ich denken kann. Bitte, Schwester. Nur… einer." , flehte Kieselstein drängend.
Silberlicht spürte Unruhe, die in ihr aufkam. Unruhe und ein schlechtes Gewissen. Sie wusste, dass ihre Schwester auf Entzug war. Und sie wusste, dass es wichtig war, dass der Entzug erfolgreich wäre. Ein Entzug war nicht leicht. Aber... Kieselstein machte ihr ein schlechtes Gewissen. Was war, wenn sie recht hatte? Bedrohliche, gefährliche Schatten, die sie holen wollten? Waren es nur Halluzinationen von ihrem Entzug oder war es tatsächlich ein Zeichen ihrer Ahnen? Oder schlimmer... Der Wald der Finsternis? Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Seit die Heiler diese Botschaft erhalten hatten, kam ihr immer wieder der Gedanke. Finsternis... Der Wald der Finsternis? Aber bis sie nicht sicher war, bis sie nicht herausgefunden hatte, was ihre Ahnen ihr sagen wollten, wollte sie Schneestern nicht beunruhigen.
Leicht atmete die blaugraue Kätzin durch. "Kieselstein" , fing sie schließlich möglichst ruhig an, "das klingt sehr beängstigend. Ich verstehe, wie du dich fühlst." Ruhig und mitfühlend blickte sie ihre Schwester an. "Aber die Mohnsamen werden dir nur eine temporäre Linderung verschaffen. Auf Dauer... werden sie nicht helfen." , versuchte sie ihrer Schwester sanft aber bestimmt klarzumachen. Kurz musterte sie Kieselsteins smaragdgrüne Augen mit ihren eigenen. So gerne Silberlicht auch helfen wollte... das hier war Teil von Kieselsteins Kampf gegen ihre Sucht. Ich kann doch nicht einknicken... Sie lehnte sich ein wenig vor, um ihre Wange an der ihrer Schwester zu reiben. "Die Schatten werden dich nicht erwischen, solange du den Glauben an unsere Ahnen nicht verlierst, Kieselstein." , miaute sie beruhigend. Rieb ihre Wange sanft an der der anderen Kätzin.
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Kieselstein hatte nichts für ihre Schwester übrig, als ein boshaftes Funkeln in den smaragdgrünen Augen, deren Pupillen stark geweitet waren. Höchstens ein feindseliges Knurren, welches heiser aus ihrer Kehle herausdrang und die Dringlichkeit ihres Anliegens untermauern sollte.
"Oh doch, genauso ist es" , fauchte sie mit angelegten Ohren, "Du glaubst mir nicht. Du glaubst nur dem, was du selbst siehst … dem, was du zu sehen gedenkst .." Das Nackenfell stand immer noch vor lauter Schreck zu Berge und ihrer unsicheren Körpersprache konnte man entnehmen, dass sie in jeder Ecke - jedem Schatten - Unheil zu vermuten schien. Etwas Fremdes. Etwas, das sie weder kannte noch kennen wollte. Doch war es nicht gerade diese Ungewissheit, die alles so entsetzlich machte? Eben weil sie nicht wusste, was dort draußen auf sie lauerte?
Kurzerhand wandte sie sich dann ab, begann im Heilerbau auf und ab zu gehen. Hin und her, als litt die Silbergraue unter einer Art innerem Zwang. Sie hielt nicht, sah nicht auf - starrte wie gebannt gen Boden und murmelte. Leise, unkenntlich, irgendein wirres Geflecht aus Worten. Dann hielt sie, blieb mit dem Rücken zu ihrer Schwester gedreht und auch ihre Flanken hoben und senkten sich nicht länger.
Und dann - auf einmal - fuhr sie herum, das Gesicht verzogen vor lauter Zorn und der Schweif peitschend.
"Du gibst sie mir. Du gibst mir sofort die Mohnsamen" , knurrte sie schief, aber fordernd, und begann ihre Schwester - ähnlich einem Raubtier - zu umkreisen. Immer enger, Schritt für Schritt, als würde sie die Heilerin in eine Ecke drängen wollen. "Silberlicht, ich frage nicht nochmal!"
Was blieb ihr auch anderes übrig? Selbst wenn Silberlicht recht haben sollte - die Mohnsamen waren das Einzige, das sie noch etwas Gutes fühlen ließ. Sie linderten nicht nur die physischen Schmerzen, die Kieselstein quälten, sondern auch jene seelischen, über die die Kriegerin nicht sprach. Nicht sprechen konnte . Und vor allem schenkten sie ihr Kraft, wenn die Schatten nach ihr griffen. Wenn das Böse versuchte, Einlass in ihre reine Seele zu finden.
"Der SternenClan … er prüft mich, Silberlicht." Ihre Stimme bebte förmlich vor lauter Emotionen, die sie in jenem Moment überkamen. "Die Stimmen. Die Stimmen werden … immer lauter … Aber sorge dich nicht." Langsam wurde ihr Ton wieder weich, ihre Haltung weitaus friedlicher, beinahe entspannt. "Die Mohnsamen helfen, dass mein inneres Licht nicht erlischt … niemals" , versprach sie ehrlich, gefolgt von einem tiefen Atemzug, "Und nun … bitte gib sie mir."
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Noch während Silberlicht ihre Wange zur Beruhigung an Kieselsteins rieb, konnte sie das feindselige, heisere Knurren aus ihrer Kehle hören. Die Heilerin zog ihren keilförmigen Kopf zurück und trat einen Schritt zusätzlich zurück als sie das boshafte Funkeln in den smaragdgrünen Augen der Kriegerin sah, deren Pupillen stark geweitet waren. "Oh doch, genauso ist es" , fauchte ihre Schwester mit angelegten Ohren. Silberlicht bemühte sich um Fassung und Ruhe, auch wenn sie der Tonfall und der Blick ihrer Schwester schmerzten. "Du glaubst mir nicht. Du glaubst nur dem, was du selbst siehst … dem, was du zu sehen gedenkst.." Kieselsteins Nackenfell stand zu Berge. Und die Heilerin begann immer mehr zu zweifeln. Sie hatte selbst vor einigen Tagen diese... Gestalt gesehen, die Kieselstein und ihr so ähnlich gesehen hatte. Sie hatte das leise Rinnen von Wasser gehört, hatte den Geruch von kaltem, dunklem Wasser in der kleinen, schwarzen Nase gehabt. Was wäre... wenn sich ihre Schwester doch nicht täuschte? Hatte sie auch diese Gestalt gesehen? Sah sie die Fremde auch und reagierte deshalb derart heftig? Es ist der Entzug, es kann nur so sein! Richtig, richtig. Die Heilerin durfte sich nicht beeinflussen oder verwirren lassen.
Kieselstein wandte sich ab, begann auf- und abzutigern, hin und her. Silberlichts smaragdgrüne Augen folgten ihrer Schwester während diese zu Boden starrte, leise und unverständlich murmelte. Dann blieb sie abrupt stehen, den Rücken zu Silberlicht gewandt. Ein ungutes Gefühl, eine ungute Vorahnung breitete sich in ihr aus.
Plötzlich fuhr Kieselstein herum, das Gesicht vor Zorn verzogen und ihren Schweif peitschend. Silberlicht trat einen Schritt zurück. "Du gibst sie mir. Du gibst mir sofort die Mohnsamen" , knurrte sie schief aber fordernd. Silberlichts grüner Blick folgte der Gestalt ihrer Schwester als diese begann, sie zu umkreisen. So weit sie konnte, drehte sie ihren keilförmigen Kopf bevor sie ihn zur anderen Seite drehte, um Kieselstein weiter im Auge behalten zu können. Silberlicht hatte kein Kampftraining mehr gehabt seit sie ihre Heilerausbildung angefangen hatte und die kurze Jagdeinheit von Wieselfeuer im letzten Mond würde ihr nichts nutzen, wenn Kieselstein sie tatsächlich angreifen würde. Sie wird nicht angreifen. Sie wird ihre Schwester nicht angreifen. Vielleicht war es Wunschdenken. Aber damit versuchte sich die Kätzin zu beruhigen, damit sie nicht nachgab. Immer enger, Schritt für Schritt, zog die Kriegerin den Kreis um die Heilerin während diese langsam weiter zurückwich. "Silberlicht, ich frage nicht nochmal!" Bisher hatte die Heilerin geschwiegen. Was hätte sie auch sagen sollen? Nichts hätte Kieselstein beruhigen können, wenn ihre sanften Worte es zuvor schon nicht hatten bewerkstelligen können. "Kieselstein, beruhige dich. Bitte." , erwiderte die Heilerin ruhig und eindringlich, ohne auf ihre bedrohliche Haltung und ihre warnenden Worte einzugehen.
"Der SternenClan … er prüft mich, Silberlicht." , fuhr Kieselstein mit bebender Stimme fort. Die Heilerin schluckte einmal. Und, wenn es stimmt? Fast hätte sie den Kopf geschüttelt. "Die Stimmen. Die Stimmen werden … immer lauter … Aber sorge dich nicht." Der Ton ihrer Schwester wurde wieder weich, ihre Haltung wurde friedlicher, fast entspannt. "Die Mohnsamen helfen, dass mein inneres Licht nicht erlischt … niemals" , versprach die andere Kätzin ehrlich bevor sie einmal tief atmete. "Und nun … bitte gib sie mir."
Silberlicht versuchte nach außen hin möglichst ruhig zu bleiben während sie die andere silbergraue Kätzin anblickte. "Versteh doch, Kieselstein, dass dir die Mohnsamen nicht auf Dauer helfen werden. Sie schaden dir mehr als sie dir helfen." , versuchte es die Heilerin erneut. Doch sie zögerte. Langsam trat sie einen Schritt vor. "Welche... Gestalt haben diese... Schatten...? Was... sagen sie...? Kannst du sie verstehen...?" , fragte die Heilerin zögerlich. Natürlich wollte Silberlicht ihre Schwester nicht so sehen. Natürlich wollte sie ihr Linderung und Ruhe verschaffen. Doch noch zögerte die Heilerin, wusste sie doch zu gut, dass die Mohnsamen ihr mehr schaden als, dass sie ihr helfen würden. Trotzdem... wollte Silberlicht, dass sich Kieselstein verstanden fühlte. Vielleicht konnte sie so ihre Schwester davon abbringen, weiter nach den Mohnsamen zu verlangen. Ein anderer Ansatz.
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