Fancy a race?



Er zeigte ein amüsiertes Grinsen während er ihr zuhörte und zuckte locker mit den Schultern. “Vielleicht? Aber dich höre ich viel lieber reden, liebste Dämmerbiss.”, gab er ernst, halb säuselnd und mit dem Grinsen zurück. Sie spürte ihre Wut zunehmen.

Im nächsten Herzschlag war sie auf ihn zugesprungen und er war ausgewichen als hätte er damit gerechnet. “Hoppla! Fast hättest du es vielleicht geschafft mich zu streifen.”, neckte er sie provokant. Und dann drehte er sich, schoss auf sie zu und stieß sie um bevor er beide Pfoten fest auf ihre Schultern drückte und sie auf den Boden presste. Dort hielt er sie fest, egal, wie sehr sie sich wehrte und gegen seinen Griff aufbäumte. “Ah ah ah, nicht so schnell. Ich muss das noch ein wenig auskosten.”, kommentierte Habichtblut ihren Versuch, sich zu befreien, amüsiert. Ärgerlich funkelte sie den Kater aus ihren mandelförmigen, kupferfarbenen Augen an.

Als sie schlussendlich ruhiger wurde, behielt Habichtblut seine Wachsamkeit. Er legte den Kopf auf ihre Worte hin leicht schief. “Ja, aber genau das hat mir zum Sieg verholfen. Darum geht es doch in einem Kampf, oder? Den richtigen Moment nutzen, um die Oberpfote zu erhalten und dann zu gewinnen.”, erwiderte er grinsend. Schon wieder dieses Grinsen! Sie schnaubte als Antwort einmal. “Ach, plötzlich hab ich doch beim Jagen verloren? Vorhin meintest du noch, du hast nicht gewonnen.” Leicht schüttelte er den Kopf bevor er wieder ernster wurde. “Wenn wir die Elster einmal vergessen, ist eindeutig, wer der Sieger ist.”, miaute er bevor er von ihr abließ und mehrere Pfotenschritte rückwärts ging, um ihr ihren Raum zu geben. “Das bedeutet...wir müssen uns etwas anderes suchen, um herausfinden zu können, wer der bessere Krieger ist.”, schloss er nach ihrem Unentschieden. Und Dämmerbiss konnte nur zustimmen. “Irgendwelche Vorschläge?”, fragte er neugierig.

Dämmerbiss blieb noch einen Herzschlag länger liegen, selbst als Habichtblut bereits von ihr abließ. Nicht, weil sie es musste sondern weil sie wollte. Der Boden unter ihr war kühl und feucht, das Moos gab leicht nach und ihr Brustkorb hob und senkte sich wieder gleichmäßig. Sie hasste es, auf dem Rücken zu liegen. Nicht wegen der Position selbst sondern wegen dem, was sie bedeutete. Kontrollverlust. Stillhalten. Abwarten.

Als sie sich schließlich aufrichtete, sprang sie nicht auf und schüttelte sich auch nicht demonstrativ. Sie stellte alle vier Pfoten fest auf den Boden, prüfte ihr Gleichgewicht, spannte die Schultern einmal kurz an dann hob sie den keilförmigen Kopf. Ihr kupferfarbener Blick legte sich auf Habichtblut. "Du hast Recht.", stimmte sie schließlich mit ruhiger Stimme. "Im Kampf geht es darum, den richtigen Herzschlag zu nutzen." Ihr kupferfarbener Blick glitt kurz zu der Stelle, an der sie eben noch gelegen hatte. "Und ja, diesen Herzschlag hast du genutzt."

Dämmerbiss trat einen Schritt näher. "Aber Kampf ist nicht alles, was einen Krieger ausmacht." Ihre Schweifspitze zuckte einmal kaum merklich. "Und wenn wir schon herausfinden wollen, wer von uns heute die Oberpfote behält, sollten wir etwas wählen, bei dem nicht nur rohe Kraft entscheidet." Ein leises, trockenes, fast amüsiertes Schnauben entwich ihr.

Ihr Blick wanderte kurz durch den Düsterwald, über die Fichten, das unregelmäßige Dickicht, die feuchten Senken, den tückischen Boden, die Wurzeln, die aus dem Boden ragten wie Stolperfallen, über die Schatten, Lichtflecken, engen Passagen. Dann richtete sie ihren kupferfarbenen Blick wieder auf Habichtblut.

"Ein Wettlauf." Sie ließ die Worte einen Herzschlag lang wirken. "Durch den Wald. Von hier bis zum Felsen am Hang." Ein Hauch Herausforderung lag in ihrer Stimme. "Wer zuerst dort ist ohne auf die Nase zu fallen oder sich in den Wurzeln zu verheddern, gewinnt." Leicht legte sie ihren keilförmigen Kopf schief. "Klingt doch fair, oder? Oder hast du Angst, dass dein Dickschädel beim Rennen weniger hilft als beim Umrammen?"

Die Kätzin trat einen Schritt zurück und schenkte Habichtblut ein herausforderndes, leichtes Lächeln. Ihre Augen hielten seinen Blick fest als sie sich umdrehte und zum Rennen bereitmachte.

"Bereit?", fragte sie ruhig ohne ihn anzusehen. Sie wartete einen Herzschlag. Und noch einen. "Los!", gab sie das Zeichen und setzte sich in Bewegung.

Der Start war sauber. Kein Stolpern, kein Zögern. Ihre Pfoten fanden Halt auf dem feuchten Boden, der Rhythmus stimmte, ihr Atem war kontrolliert. Für die ersten Längen hielten sie Schritt und genau das war der Herzschlag, in dem sie begriff, dass sie verlieren würde. Habichtblut beschleunigte mit einer Leichtigkeit, die ihr unangenehm vertraut vorkam. Seine Bewegungen wurden länger, kraftvoller während sie selbst spürte, wie der Boden sie bremste, wie jede Wurzel, über die sie hinwegsetzte, sie verlangsamte und jede Kurve Berechnung forderte.

Die Kriegerin hielt dagegen. Natürlich tat sie das. Sie presste die Zähne zusammen, trieb ihre Muskeln an, ignorierte das Ziehen in den Läufen. Aber der Abstand wuchs. Erst minimal und dann immer sichtbarer. Dämmerbiss’ Atem ging schneller und schwerer. Sie sah den Felsen am Hang vor ihnen, das Ziel, und gleichzeitig sah sie den Krieger. Weiter vorn, deutlich weiter vorn. Sie wusste, dass er gewinnen würde. Trotzdem lief sie weiter.



@Habichtblut
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