Wild hearts can't be broken
Es war nicht das erste Mal, dass sich die silbrige Kätzin diesen Mond aus dem Lager schlich. Zuletzt hatte sie sich Anfang des Monds davon geschlichen, weil es geregnet und sie befürchtet hatte, dass Gebirgsjäger und Möwenschrei das Kampftraining von Tropfenpfote und Brombeerpfote deshalb ausfallen lassen würden. Brombeerpfote war Tropfenpfote sogar ein wenig näher gekommen, hatte ihn dazu gebracht, mehr als nur sein verbittertes Ich zu zeigen. Man, hat das Ärger gegeben. Die junge Schülerin hatte sich selbst daraufhin geschworen, dass sie das Lager nicht so schnell ohne Erlaubnis ihres Mentors verlassen würde.
Hat lange gehalten.
Knappe 9 Tage hatte ihr Vorsatz gehalten. Denn jetzt durchquerte sie mit ihrer Schwester das Territorium ihres Clans nachdem sie sich aus dem Lager geschlichen hatten. Mondhoch war die perfekte Zeit dafür. Der Himmel war mit Wolken bedeckt, leichter Wind war aufgekommen und es regnete. Schon wieder Regen. Brombeerpfote plusterte ihr kurzes, dichtes Fell gegen den Regen auf, wie sie es vor ihrem Trainingskampf mit Tropfenpfote getan hatte.
Sie blickte über ihre Schulter zu Maulbeerpfote. "Schneller! Ich kann ihn schon sehen! Und riechen!" , rief sie ihrer Wurfschwester über die Schulter zu während ihre Pfoten sie geschickt über das nasse, rutschige Laub trugen. Brombeerpfote umrundete einen Strauch ohne sich von ihrem Weg abbringen zu lassen. Ihr schlug bereits - trotz des Regengeruchs - der Geruch des Donnerwegs entgegen, den die Schwestern anpeilten.
Als sie die glatte, vom Regen nasse Oberfläche entdeckte, wurde sie langsamer. Schließlich kam die silbrige Kätzin am Rand des Donnerwegs zum Stehen. Ihr Herz raste in ihrer Brust vor Aufregung. Hier hatte im letzten Mond ein Grenzkampf stattgefunden, an dem Maulbeerpfote teilgenommen hatte! Mit gerade 6 Monden - frisch ernannt! Vermutlich war es für ihre gutmütige, sensible Schwester weniger aufregend als es für Brombeerpfote gewesen wäre. Die silbrige Kätzin schüttelte sich einmal, sodass Wassertropfen zur Seite flogen bevor sie ihre Schwester aus ihren blassgrünen Augen aufgeregt anblickte. "Warst du seit dem Kampf letzten Mond noch mal hier?" , fragte Brombeerpfote aufgeregt. Natürlich hatte sie ihre Schwester über Details ihres Kampfs ausgequetscht. Ich wär so gern dabei gewesen!
Alias — Jacky
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Vom Donnerweg und Alpträumen
Maulbeerpfote hatte ein schlechtes Gewissen. Sie wollte ihren Mentoren Hoppelsprung nicht enttäuschen oder gar dafür sorgen, dass er ausgeschimpft wurde, da er auf seine Schülerin kein Auge gelegt hatte. Doch andererseits war es so schön befreiend, mit ihrer Schwester bei Mondhoch durch das Territorium ihres Clans zu rennen. Und außerdem schlief ihr Mentor bestimmt und keiner würde ihren nächtlichen Ausflug mitbekommen, oder?
Der Regen, der die beiden Schülerinnen umgab, würde auch ihren Geruch und ihre Spuren davon treiben, sodass niemand ihr Fehlen bemerken würde. Außer natürlich jemand suche sie im Schülerbau auf und wenn sie nach einiger Zeit nicht zurückkämen, wäre es klar, dass sie auch nicht auf dem Schmutzplatz waren. Doch darüber wollte sich die helle Kätzin jetzt keine Gedanken machen, lieber die Freiheit genießen.
Brombeerpfote sah zu ihr zurück und miaute, sie könne den Donnerweg schon sehen und riechen. Tief atmete Maulbeerpfote ein und zwischen dem Regen konnte auch sie den stinkenden Donnerweg ausmachen, der ihr die Nase kräuseln ließ. Neben Brombeerpfote kam Maulbeerpfote vor dem harten Weg zum Stehen. Dann schüttelte sich die silbrige und Maulbeerpfote gab ein entrüstetes Knurren von sich.
”He, pass auf wo du mit deinen Tropfen hinzielst.” , beschwerte sie sich und stieß ihre Schwester spielerisch gegen die Schulter.
Dann zuckten ihre Ohren bei den Worten Brombeerpfotes und die cremefarbene Leopardenkatze verzog das Gesicht.
”Nein, ich glaube, hätte ich hierher kurz nach dem Kampf zurückkehren müssen, hätte ich mich das gar nicht getraut… Aber jetzt, wo es schon ein Mond zurückliegt, ist es deutlich besser.” , miaute sie. Dann zögerte sie, ehe sie wieder sprach. ”Für wenige Nächte hatte ich sogar Alpträume gehabt.” , gab sie zu. ”Ich hatte geträumt, dass Fichtenstern persönlich gekommen und mich auf den Donnerweg geworfen hat und dann ein Monster kam und… na ja, dann bin ich aufgewacht.”
Maulbeerpfote sah zur Seite, traute sich nicht, ihre Schwester anzusehen. Sie hatte die Alpträume niemandem erzählt, da sie schließlich nach nur wenigen Nächten auch wieder weg waren und sie es nicht der Rede wert empfunden hatte. Doch irgendwie tat es jetzt auch gut ihrer Schwester davon zu erzählen, schließlich wusste die ja sowieso alles über sie.
Alias — Kadse
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Zwischen dem, was war und dem, was kommt
Der Wald fühlte sich anders an,
wenn man wusste, dass sich etwas veränderte.
Bernsteinpfote hätte nicht genau sagen können, was es war. Der Regen vielleicht, der sich wie ein leiser Schleier über alles legte. Oder die Luft, die schwerer wirkte, als würde sie etwas zurückhalten. Vielleicht lag es aber auch einfach an Blätterjunges. Noch drei Nächte. Nein, eigentlich nur Zwei. Diese Nacht, die man ja schon gar nicht mehr richtig dazu zählen konnte. Die darauffolgende Nacht und die Nächste. Zwei Nächte, dann würde sie nicht mehr Blätterjunges sein.
Bernsteinpfote biss die Zähne leicht zusammen, während sie sich lautlos durch das nasse Unterholz bewegte. Ihre Pfoten kannten den Weg nicht wirklich, sie folgten keinem klaren Ziel. Es war eher ein Ziehen gewesen. Ein Gefühl, das sie aus dem Lager getrieben hatte, kaum dass Mondhoch erreicht war. Und natürlich hatte sie Blätterjunges mitgenommen. Oder... sie überredet. So genau wusste sie das nicht. „Du wirst dann die ganze Zeit bei Brandnarbe hängen. “, murmelte sie leise, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme war beiläufig, fast schon spöttisch, aber nicht ganz. „Kräuter sortieren, Träume deuten oder so… und darfst du nicht mal mehr kämpfen! “ Ein leises Schnauben. „Soooo Langweilig. “
Die Worte klangen leichter, als sie sich anfühlten.
In Wahrheit hatte sie keine Ahnung, wie das sein würde. Blätterjunges beim Mondsee. Die Ahnen. Diese ganze… Sache. Etwas daran zog sie an und stieß sie gleichzeitig ab. Es war nicht ihr Weg. Und trotzdem fühlte es sich an, als würde sie etwas verlieren, bevor es überhaupt richtig begonnen hatte. Ihr Schweif zuckte leicht. „Also dachte ich… “, setzte sie nach, jetzt etwas leiser, „du kannst wenigstens vorher noch einmal raus. “ Kein großes Geständnis. Kein Blick zurück. Aber es war ehrlich. Bernsteinpfote hatte ihrer Schwester von dem Donnerweg erzählt, der die Grenze zwischen dem BrisenClan und dem GlutClan, sowie dem WurzelClan und dem GlutClan markierte. Sie hatte von dem Kater Steppenpfote erzählt, der ihr den Schmetterling wegnehmen wollte. Doch das war jetzt nebensächlich, denn...
Ein Geruch traf sie wie ein Schlag.
Donnerweg. Bernsteinpfote blieb abrupt stehen, ihre Krallen gruben sich leicht in den weichen Boden. Sofort war sie wach, jede Faser angespannt. Der Regen konnte den Gestank nicht überdecken, nur verdünnen. Allerdings war dies nicht der Hauptgrund, der alles andere in den Hintergrund rückte. Es waren Stimmen. Fremde Stimmen. Ihr Kopf hob sich ruckartig, die bernsteinfarbenen Augen verengten sich. Sie deutete ihrer Schwester an kurz zu warten und machte einen Schritt nach vorne, schob sich ein Stück aus dem Schutz der Büsche und sah sie.
Zwei Schülerinnen. WurzelClan. Ihr Herz schlug schneller, aber diesmal war es kein reines Abenteuer mehr. Etwas Schärferes mischte sich darunter. Wachsamkeit. Besitzanspruch. Dieses leise, instinktive Das hier ist nicht euer Ort . Trotzdem trat sie vor. Natürlich tat sie das. Der Regen glitt über ihr Fell, während sie aus dem Schatten trat, sichtbar wurde. Klein, schlank, aber mit erhobenem Kopf, als würde sie jeden Unterschied in Größe oder Kraft einfach ignorieren. „Ihr riecht nach WurzelClan. “ Ihre Stimme war ruhig, aber fest. Sie zitterte nicht oder zögerte. Ihr Blick wanderte kurz über den Donnerweg, dann wieder zu ihnen zurück. „Und ihr seid ziemlich weit von zu Hause weg. “ Ein leichtes Neigen des Kopfes, neugierig. Da war er wieder, dieser Funke. Dieses kleine, gefährliche Spiel mit Worten. Doch diesmal blieb er nicht ganz ungebremst.
Bernsteinpfote hatte Blätterjunges eben noch neben sich gespürt. Sie hatte ihre Nähe gespürt, ihre Bedeutung, gerade jetzt. Daher hielt sie sich ein kleines bisschen zurück. Nur ein kleines bisschen. Ihr Schweif strich kurz gegen den ihrer Schwester. „Wir wollen keinen Ärger. “, fügte sie hinzu, ruhiger, klarer. „Wir sind nur… unterwegs. “ Ein kurzes Zögern. Dann, fast widerwillig ehrlich: „Bevor sich alles ändert. “ Ihre Augen flackerten für einen Herzschlag zu Blätterjunges und wieder zurück zu den anderen.
Alias — Leni
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