the river knows no borders


Die Sonne hatte ihren Zenit lange verlassen und hing nun beinahe träge über dem fernen Horizont. Es war einer dieser selten gewordenen, sonnigen Tage gewesen und die Wärme hing noch in der abendlichen Luft, Vögel sangen freudig ihre Lieder und die Libellen summten geschäftig über das Flussbett. Dämmerlicht genoss den träumerisch schönen Anblick, betrachtete die langen Schatten, die sich spielerisch in den sanften Wellen brachen. Der Fluss war ruhig an diesem Tag, beinahe friedlich. Die junge Kriegerin trat näher ans Ufer, ließ ihre Pfoten von dem kühlen Nass umspielen. Sanft zog die Strömung daran, wie eine stumme Einladung. Gefährlich für jene, die dem Fluss nicht gewachsen waren.

Sie senkte den Kopf hinab und trank ein paar Schlucke, während die Gischt frech um ihre Schnurrhaare tanzte. Grinsend hob sie den Kopf und schleckte sich übers Maul, bevor sie ein paar Schritte am Ufer entlang tappte, bis sie schließlich die Trittsteine erreicht hatte. Recht mittig befand sich ein Stein, der etwas höher über den Fluss hinausragte und der einladend in der Sonne glänzte. Vorfreudig spannte die dreifarbige Kriegerin die Muskeln und setzte hinüber, sprang von Stein zu Stein, bis sie den ausgewählten Trittstein erreicht hatte. Verzückt spürte sie die Sonnenwärme, die immer noch darin gespeichert war und legte sich darauf nieder, ließ den Schweif träge durchs Wasser pendeln. Er war groß genug, dass die schmale Kätzin zusammengerollt darauf Platz finden konnte und seit sie keine Schülerin mehr war, lag sie gerne an diesem vorwitzigen Ort. Hier hatte man eine gute Sicht auf das Territorium des WurzelClans, hörte das Rauschen des Flusses so laut und ungefiltert, wie sonst kaum irgendwo am Ufer und konnte an Abenden wie diesen sogar noch seine Muskeln wärmen. Zufrieden rekelte sie sich auf dem Stein, ließ nun auch ihre Vorderpfoten ins Wasser eintauchen, bevor sie sie wieder auf den Stein absetzte und die Abdrücke bewunderte, die ihre nassen Pfoten hinterließen.

Lächelnd erhob sie sich wieder in eine sitzende Position und ließ ihren Blick über das Wasser schweifen. Warum nicht die Chance nutzen, noch etwas Beute mit nach Hause zu bringen? Regungslos saß sie nun auf dem Stein, elegant den Kopf erhoben und unbewegt ins Wasser starrend.



@Nebelkrähe
Alias — Haku
Haku ist Offline
5 posts