man, he never had a chance
Das Rauschen des Flusses schien heute weitaus lauter als sonst. Nicht, weil das Wasser wilder strömte oder die Kiesel unter seinen Pfoten lauter knirschten, sondern weil Nachtpfote jede Welle hörte, als gebe sie seinen Herzschlag vor. Schnell, aber rhythmisch, drohte es ihm sowieso in jenem Moment aus der Brust zu springen und das sah man ihm mit Gewissheit an.
Der schwarzweiße Schüler stand starr am Uferrand, während sein langer Schweif träge hinter ihm schwebte. Sein rechtes Hinterbein hingegen war leicht eingeknickt, berührte wie immer nicht den Boden. In der Art eben, wie er es sonst auch hielt - als gehörte es nicht ganz zu ihm. Es war lediglich eine schmerzhafte Erinnerung - keine Stütze.
Sein Blick lag stumm auf der Wasseroberfläche. Dort, wo sich Licht auflöste und Formen verzerrten. Dort, wo er vor Monden fast sein Leben verloren hatte. Und nun war er wieder hier.
Der Pfad des Wassers.
Er wiederholte die Worte in Gedanken, als könnte er ihnen so den Schrecken nehmen. Die Kriegerprüfung des NebelClans - ein uralter Brauch, bei dem der Schüler dem Verlauf des Flusses folgen, ihn überqueren, untertauchen und mit den Strömungen ringen mussten. Keine einfache Prüfung. Es war ein Versprechen an den Clan, die Ahnen und vor allem an sich selbst.
Du hast darum gebettelt und nun kriegst du weiche Knie. Ich hätte dich hier damals ertrinken lassen sollen, du Feigling. Innerlich seufzte er. "Hast du aber nicht" , antwortete er IHR stumm sinnierend und einmal hielt SIE ihr vorlautes Maul.
Sein Herz schlug noch immer schneller, doch seine Miene blieb neutral. Wie sie oft, wenn er eine Maske für die Katzen seines Clans aufsetzte. Eine, mit der er vorspielte weder bitter, noch von seiner Existenz gekränkt zu sein.
Kurz glitten seine dunkelgrünen Augen über das gegenüberliegende Ufer und nicht zuletzt über die Katzen, die sich hinter ihm versammelt hatten.
Schweigsame Gestalten. Manche mit Erwartung, andere mit Skepsis.
Kieselstein, seine Mutter, war da. Saß abseits, halb verborgen, hinter Silberlicht, die mit ruhigem, sorgsamem Blick das Geschehen verfolgte. Kieselstein dagegen war wie eine leere Hülle. Ihr Blick glasig, ihre Haltung schief. Nachtpfote wusste wieso.
Der vertraute Geruch von Mohn war kaum wahrzunehmen und doch allgegenwärtig.
Für unzählige Herzschläge verweilte der Blick des jungen Katers auf ihr und nichts schien sich in ihm zu regen. Kein Zorn, keine Hoffnung. Was hätte sie schon tun oder sagen sollen?
Auch Krähenruf erkannte er in der Menge. Alt, aber aufrecht sitzend. Einst hatte sie ihn gewärmt, Geschichten erzählt und war ihm nicht von der Seite gewichen, als er den Heilerbau aufgrund seiner schweren Verletzung nicht mehr verlassen konnte.
Kieselstein war allerdings nicht da gewesen. Eigentlich war sie nie da.
Schneestern stand weiter hinten, ihre Präsenz unübersehbar. Er wusste nicht, was sie erwartete - oder ob sie überhaupt glaubte, dass er bestehen würde. Nach dem Gespräch, welches der Schüler in einer stillen Nacht mit ihr geführt hatte, zweifelte er so oder so daran, dass sie noch Hoffnung für ihn über hatte und dennoch musste er es versuchen.
Nachtpfote schloss die Augen, atmete einmal tief ein und aus. Hob den Kopf, um die Strömung nochmal bedächtig zu mustern. Sie war heute nicht stärker als sonst, aber keineswegs sacht. Würde er nicht eine - für ihn erstaunliche - Menge kraft aufbringen, so könnte sie seinen zarten Leib problemlos mit sich reißen.
Aber er war bereit. Kieselstein sah ihn nicht an, was für ihn in Ordnung war. Er tat es ja auch nicht für sie, sondern vor allem für sich selbst.
Alias — Moxxie
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Auch die junge Kätzin war an jenem Tag dabei, als der junge Nachtpfote seine Prüfung antrat. Der Pfad des Wassers. Auch ich musste ihn bestehen, hatte Angst vor den Geschichten von damals, als die Schüler hierbei nicht selten starben. Doch Nachtpfote müsse nicht um sein Leben sorgen. Es gab Krieger an beiden Seiten, die aufpassten und im schlimmsten Falle auf Schneesterns Befehl sofort in das Wasser springen würden. Erfahrene Schwimmer könnten das Leben von Nachtpfote retten, wenn er die Prüfung nicht bestehen könnte.
Zuversichtlich blinzelte sie ihn an, doch auch ihr waren die zweifelnden Augen nicht entgangen und ihr Blick huschte durch die Reihen. Taupfotes Mutter wirkte abwesend, als sei das nicht ihr Sohn, der dort einen der wichtigsten Momente seines Lebens vor sich hatte.
Kleinmotte saß neben Krähenruf und wirkte seltsam nachdenklich. Nichts ungewöhnlich für die kleine Kätzin, die man manchmal übersehen konnte und dann mit trockenen und manchmal gradezu gemeinen Worten sich selbst Gehör verschaffte. Nervös zuckte Elsterherz' Schweifspitze und sie sah zu dem Schüler, der vorne saß. Sein eines Hinterbein hing in der Luft, wirkte deplatziert und wie eine Bürde für den Kater. Würde es ihn nach unten ziehen? Wäre er ohne das Bein besser dran? Elsterherz schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie wusste, dass der Heiler des BrisenClans keine Augen mehr hatte und sie fragte sich, wie schmerzhaft es gewesen sein musste, als sie ihm diese genommen hatten, nachdem ein Greifvogel ihn dort so schlimm verletzt hatte, dass sie nicht mehr zu retten waren.
Was wäre, wenn man das mit einem Bein versucht? Kann eine Katze diese Schmerzen überhaupt überleben? War da nicht ein nicht nutzbares Bein besser, als gar keines? Elsterherz konnte diese Frage nicht beantworten, ebenso wenig wie die Frage, ob Nachtpfote die Prüfung bestehen würde.
Natürlich glaubte sie an den Kater, natürlich wünschte sie ihm alles Gute der Welt. Doch letztlich lag es doch in den Pfoten der Ahnen. Nahmen sie Nachtpfote als Krieger auf? Waren sie überzeugt von seiner Stärke?
Vom Nebel gezeichnet
Alias — Efeu
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Entscheidung der Ahnen
Der Fluss rauschte.
Unverändert. Unerbittlich.
Wie eh und je.
Und doch fühlte sich heute alles anders an.
Schneestern stand erhöht auf einer moosbewachsenen Steinplatte, der Blick fest auf die schwarzweiße Gestalt am Ufer gerichtet. Nachtpfote.
Er wirkte kleiner als sonst... und zugleich größer.
Seine Haltung war aufrecht, sein Gesicht eine Maske.
Aber sie kannte ihn. Kannte die Furchen hinter der Fassade, den Schmerz, den Stolz... und die Zerrissenheit.
Zwei Sonnenaufgänge war es her, dass er sie in der Dunkelheit aufgesucht hatte. Seine Worte hatten nicht gefleht, sie hatten gedrängt. Herausgefordert.
Er wollte diese Prüfung.
Wollte sich beweisen... oder scheitern.
Und sie… hatte Ja gesagt.
Warum?
Die Frage nagte.
War es Mitleid gewesen? Hoffnung? Schwäche?
Vielleicht.
Aber vor allem war es dies gewesen: Ein letzter Versuch, den SternenClan entscheiden zu lassen, wo ihr eigenes Urteil nicht reichte.
Denn sie hatte gezögert. Zu oft in den letzten Monden.
Seine Ausbildung war ein Ringen gewesen. Nicht nur zwischen Mentor und Schüler, sondern zwischen Pflicht und Gefühl. Zwischen Erwartung und Wahrheit.
Sie hatte ihn verteidigt. Gegen Zweifel, gegen stumme Blicke, gegen das eigene Herz.
Doch nun war sie nicht mehr sicher.
War Nachtpfote auf dem richtigen Weg?
Oder war sein Herz längst für einen anderen Pfad bestimmt, den sie ihm nicht zeigen konnte?
Der Fluss mochte heute nicht wilder sein als sonst, doch für Schneestern tobte er wie ein Urteil.
Nicht über ihn allein, sondern auch über sie selbst.
Ihr Schweif zuckte nur leicht, als sie sich aus der Menge löste.
Ein Rauschen ging durch die Versammelten, die Stimmen verebbten. Die Ältesten neigten ehrfürchtig die Köpfe, Schüler drängten sich näher ans Ufer.
Doch Schneesterns Blick galt einzig Nachtpfote.
„NebelClan“ , erhob sie die Stimme, ruhig, aber durchdringend, „heute stellt sich Nachtpfote dem Pfad des Wassers.“
Ihr Blick wanderte kurz über die Menge, verweilte auf Kieselstein, leer und fern, auf Silberlicht, wachsam und stumm, auf Krähenruf, die mit trüben Augen doch alles zu sehen schien.
Dann sah sie wieder zu ihm. Dem Schüler mit dem verletzten Bein. Dem Schüler mit dem ungebrochenen Trotz.
„Der Fluss ist unsere Quelle. Er nährt uns, trägt uns, prüft uns. Wer in ihn eintaucht, taucht nicht nur ins Wasser, sondern in sich selbst.“
Eine kurze Pause.
„Zwei Sonnenaufgänge ist es her, dass du mich um diese Prüfung gebeten hast. Ich habe gezögert. Nicht, weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich weiß, wie schwer dein Weg war. Doch heute soll der SternenClan sprechen. Und ich werde seine Antwort annehmen. Geich, wie sie ausfällt.“ In Gedanken fügte sie hinzu: Mit dem Wissen, dass Scheitern ein Zeichen ist. Dass es kein Versagen ist, sondern eine Botschaft.
Sie trat einen Schritt näher an die Uferlinie, das Licht des Sonnenhochs glitzerte auf ihrem Fell.
„Heute sehe ich nicht nur einen Schüler am Wasser. Ich sehe eine Entscheidung. Nicht meine. Nicht deine. Sondern die der Ahnen.“
Ihre Stimme wurde leiser, aber nicht weniger bestimmt.
„Wenn du bereit bist, geh. Und der SternenClan wird antworten.“
Innerlich aber sprach sie die Worte, die sie sich nicht auszusprechen erlaubte:
Gebt mir ein Zeichen. Zeigt mir, ob ich ihn gehen lassen muss... oder ob noch ein Weg für ihn bei uns bleibt.
Angesprochen:
ALLE NEBELCLAN KATZEN
Sternentänzerin
Alias — Leni
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He carries the river in his soul
Laut drang das Rauschen des Wassers an ihre großen Ohren, die auf ihrem keilförmigen Kopf thronten. Aufmerksam waren sie aufgestellt als ihr smaragdgrüner Blick auf einer schwarz-weißen Gestalt ruhten. Es war ihm gelungen, Schneestern zu überzeugen, den Pfad des Wassers angehen zu dürfen. Eine Mischung aus Sorge und Stolz kam in der graublauen Kätzin auf, die ihren Neffen beobachtete. Halb verborgen hinter ihr saß seine Mutter, ihre Schwester. Kieselstein. Als sie Nachtpfotes Blick bemerkte, schenkte Silberlicht ihm ein sanftes, aufmunterndes Lächeln. Und versuchte ihre Besorgnis um den Kater zu verbergen. Sie hatte seine Einschränkung nicht vergessen. Und das machte die Prüfung noch gefährlicher als sie ohnehin schon war. Der Geruch von Mohn drang auch in die Nase der Heilerin, die nachgegeben hatte. Sie gab immer nach, wenn Kieselstein zu ihr kam. Und ihre Schwester wusste zu gut, welche Punkte sie treffen musste. Kieselsteins Blick war glasig, schien ins Nichts zu gehen. Silberlicht legte ihren Schweif auf den ihrer Schwester und berührte sie sacht mit ihrer eigenen Schulter.
Nachtpfote schloss die Augen, atmete tief durch und hob den Kopf, um die Strömung zu betrachten, die heute nicht stärker war als sonst. Doch das minderte nicht Silberlichts Sorge um den jungen Kater.
„NebelClan“ , erhob Schneestern schließlich ihre Stimme, die aus den Reihen der Versammelten getreten war, „heute stellt sich Nachtpfote dem Pfad des Wassers.“ Silberlicht nickte der Anführerin respektvoll zu während Schneesterns Blick über die Menge schweifte. An Kieselstein und Silberlicht kurz hängen blieb, weiter zu Krähenruf wanderte bis sie schließlich wieder Nachtpfote ansah.
„Der Fluss ist unsere Quelle. Er nährt uns, trägt uns, prüft uns. Wer in ihn eintaucht, taucht nicht nur ins Wasser, sondern in sich selbst.“ Sie machte eine kurze Pause und Silberlicht sah von der schneeweißen Kätzin zu Nachtpfote. Erneut lächelte sie ihn ermutigend an. „Zwei Sonnenaufgänge ist es her, dass du mich um diese Prüfung gebeten hast. Ich habe gezögert. Nicht, weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich weiß, wie schwer dein Weg war. Doch heute soll der SternenClan sprechen. Und ich werde seine Antwort annehmen. Geich, wie sie ausfällt.“
Schneestern trat näher an die Uferlinie. „Heute sehe ich nicht nur einen Schüler am Wasser. Ich sehe eine Entscheidung. Nicht meine. Nicht deine. Sondern die der Ahnen.“ Silberlicht spürte ihre Besorgnis stärker werden. Ihre Pfoten... schienen zu brennen, schienen vor Tatendrang zu kribbeln. Etwas in ihr... schien sie anzuschreien, die Prüfung zu unterbrechen. Nachtpfote wird erfolgreich sein. Und einer der größten Krieger unseres Clans werden! Jedem Zweifler würde er beweisen, dass auch Krieger Defizite haben und trotzdem für ihren Clan kämpfen konnten!„Wenn du bereit bist, geh. Und der SternenClan wird antworten.“
Silberlichts Blick wanderte zu Schneestern. Sie blinzelte einmal. Leicht öffneten sich ihre Lefzen. Ob... es richtig war, Nachtpfote gehen zu lassen? Ihr smaragdgrüner Blick suchte die eisblauen Augen ihrer Anführerin. Schneestern...
Ahnenkind
Alias — Jacky
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man, he never had a chance
Das Wasser glitzerte sacht, als die Strömung unaufhörlich an den Pfoten Nachtpfotes riss. Die schwarzweiße Gestalt am Ufer stand einige Herzschläge lang regungslos, das rechte Hinterbein wie immer ungenutzt hinter ihm eingeknickt. Sein Schweif streifte träge über die Kiesel, doch jeder Muskel seines Körpers war angespannt, während er sich für den Sprung ins Ungewisse vorbereitete.
"Der SternenClan wird entscheiden" , hatte Schneestern gesagt, und so atmete er tief ein, begab sich in Einklang mit dem Gewicht seines Körpers, das spürbar ungleich verteilt schien. Jeder Versuch, das Gleichgewicht zu halten, ließ den Schmerz in seinem Bein auflodern. Ein steter, beißender Begleiter, der ihn an die Zeit erinnerte, als das Wasser ihn fast verschlungen hätte.
Langsam, aber nicht zögerlich, setzte der junge Kater eine Pfote nach der anderen in die Gischt. Die Strömung zerrte an ihm, riss ihn gar kurzzeitig beinahe von seinen Pfoten, und signalisierte, dass sie zu keinem Zeitpunkt Nachsicht mit ihm haben würde.
Wasserpflanzen verfingen sich hastig an seinen Beinen, zogen ihn zur Seite und drohten, den Schwarzweißen aus der Bahn zu werfen. Jede Bewegung wurde schnell zu einem Kräftemessen, dem sein schmächtiger Leib nur schwer widerstehen konnte. Jede Anstrengung war ein Kampf gegen den Körper, der ihm längst Grenzen gesetzt hatte, die er nicht wahrhaben wollte.
Aus seinem Augenwinkel erhaschte er ein sanftes, aufmunterndes Lächeln von Silberlicht. Dann ein Nicken seiner Schwester, die neben Kieselstein saß, welche in der Ferne wie eine leere Hülle anmutete - ihr Geruch von Mohn kaum wahrnehmbar, doch allgegenwärtig.
So erreichte er die Stelle, an dem der Fluss sich teilte. Hier musste der Kater untertauchen und darauffolgend das Objekt berühren, welches seine Verbindung zum SternenClan symbolisierte. Das Wasser jedoch wurde tiefer und wilder - voller Hindernisse. Ein Ast streifte seinen Schweif, eine Wasserpflanze wickelte sich um sein verletztes Bein. Panik stieg auf, kurz nur, bevor er die Kontrolle wiederfand. Er durfte nicht versagen, nicht hier. Nicht vor Schneestern, nicht vor dem versammelten Clan und schon gar nicht vor sich selbst.
Doch der Strom war zu stark. Die Fluten zerrten an ihm, rissen ihn unter und sein Atem kam nur noch stoßweise, wann immer er es schaffte dem kalten Nass zu entkommen. Er kämpfte, trat mit seinen gesunden Pfoten, doch das rechte Bein blieb nutzlos, wie ein Anker, der ihn nach unten zog. Verzweifelt streckte er sich und spürte, wie das Rauschen des Flusses ihn übertönte. Alles andere verschwand. Ein hektischer Schlag, ein Versuch - und dann ließ die Kraft nach. Die Strömung ergriff ihn vollständig.
"Tja, wenn ich dich jetzt nur retten könnte."
Und dann tauchte Nachtpfote auf, schnappte panisch nach Luft und strampelte wild, um zumindest einige Herzschläge an der Oberfläche zu bleiben. Immer wieder wurde er unter die Wasseroberfläche gerissen, trieb weiter den Fluss hinab. Er wirkte wie ein Junges - unkoordiniert und schwach. Sein Bein behinderte ihn und dennoch wollte er nicht aufgeben, schien stattdessen nur noch mehr zu geben.
Trotz brennender Lungen und einem Körper der schmerzte, als hätte er sich in tausende Igel gelegt, gelang es dem älteren Schüler sich temporär zu stabilisieren und den Kopf über Wasser zu halten. "Ich muss nur untertauchen, das schaffe ich" , mauzte er leise zu sich selbst. Ein schwacher Versuch, sich trotz aller Hindernisse zu motivieren.
Alias — Moxxie
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Krähenruf hatte den Fluss schon gesehen, als er noch schmaler gewesen war. Hatte ihn in Blattfrische anschwellen sehen, im Blattfall Eis tragen sehen. Sie kannte sein Rauschen, kannte sein Locken. Und sie kannte sein Nehmen. Die alte Kätzin saß neben Elsterherz . Ihre hageren Schultern zeichneten sich scharf unter dem schwarzen Fell ab, Narben wie blasse Erinnerungen an Kämpfe, die niemand mehr zählte. Ihre trübgelben Augen jedoch waren wach. Wach wie die einer Katze, die zu viel verloren hatte, um noch leichtsinnig zu hoffen.
Als Nachtpfote ins Wasser trat, spannte sich etwas in ihr, das sie längst für verknöchert gehalten hatte. Er ging nicht wie ein Kater, dre fast ein Krieger war. „Mäusehirn“ , knurrte sie heiser, kaum hörbar, mehr Atem als Stimme. Die Strömung packte ihn schneller, als es ihre alten Augen verfolgen konnten. Ein Rucken. Ein Taumeln. Das verletzte Bein wie ein Schatten hinter ihm herziehend. Krähenrufs Krallen fuhren unwillkürlich in den Boden. Sie erinnerte sich. An ein anderes Junges. An ein anderes Ringen mit Wasser. Der Fluss vergaß nie.
Als die Pflanzen sich um ihn wanden, richtete sie sich ein Stück auf. Ihr Rücken schmerzte, doch das war ihr gleich. Sie sah, wie er kämpfte. Wie er trat, schlug, rang und wie das Wasser ihn trotzdem weiterzog. Kein Krieger kämpft gegen den Fluss, dachte sie bitter. Ein Krieger lernt, mit ihm zu gehen. Dann verschwand er.
Ein Zucken ging durch die Menge. Ein Keuchen. Krähenruf hörte nichts mehr davon. In ihren Ohren rauschte nur das Wasser und das Echo von Geschichten, die sie einst selbst erzählt hatte. Vom Mut. Von Prüfung. Von Ahnen. Mut war nichts ohne Maß.
Als Nachtpfote wieder auftauchte, panisch schnappend, die Bewegungen fahrig und viel zu groß, war da kein Zorn in ihrem Blick. Nur eine schneidende Klarheit.
Er tauchte wieder unter. „Genug“ , knurrte sie diesmal lauter, ihr Schweif peitschte einmal über den Boden. Ihre Stimme war rau, brüchig, aber sie trug. Ob sie Schneestern meinte oder die Ahnen, wusste sie selbst nicht.
Ihre Augen suchten die weiße Gestalt der Anführerin. Suchten ein Zeichen. Eine Entscheidung. Krähenruf war alt, ja. Ihre Gedanken verloren sich manchmal in Nebeln vergangener Monde. Doch dies hier war kein Traum, kein Schatten. Das hier war ein Junge, der glaubte, er müsse allein kämpfen. Als Nachtpfote sich noch einmal über Wasser hielt, leise murmelnd, als könne er sich selbst befehlen, weiterzumachen, schnaubte Krähenruf.
Ihre Muskeln spannten sich. Aber wenn Schneestern auch nur einen Herzschlag zu lange zögerte, würde Krähenruf gehen. Mit schmerzenden Knochen, mit brennender Lunge, mit allem, was noch in ihr war. Der Fluss durfte prüfen. Aber er durfte nicht länger verschlingen. Nicht ihren geliebten Enkel.
Alias — Leni
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Gespannt folgte Elsterherz der ganzen Sache. Die Älteste Krähenruf setzte sich zu ihr und als Nachtschatten immer wieder untertauchte, hörte er die Stimme der Großmutter des Schülers. Sie forderte ein Ende des ganzen. Würde Schneestern handeln? Elsterherz gingen viele Dinge durch den Kopf. Warum konnte Nachtpfote sich nicht behaupten? War es der Sternenclan, der gegen ihn war? Doch warum?
Unruhig setzte Elsterherz sich erneut hin und als der Schüler wieder unter der tosenden Wasseroberfläche verschwand, sprang die Kätzin kurz auf. Sie musste regelrecht gegen den Drang ankämpfen in den Fluss zu springen und Nachtpfote zu retten. Er ist verletzt! Sternenclan, warum gebt ihr ihm die Kraft nicht? Ist das fair? Wollt ihr ihn zu euch holen? Unruhig setzte sich Elsterherz erneut hin, blickte zu Krähenruf und dann zu Schneestern. Wann würde die Anführerin eingreifen? Es musste doch jemand was tun?
Und doch hatte die ehemalige Streunerin Hemmungen selbst etwas zu tun. Sie dürfte nicht das Ritual stören und letztlich war es wohl Schneestern, die entschied wann es genug war?
Der Schüler war doch ein guter Kater, es konnte doch nicht sein, dass der Sternenclan sich seiner entledigen wollte, nur weil seine Hinterpfote verkrüppelt war? Immerhin war Echowind komplett blind und er war der Heiler des BrisenClans, eine sehr wichtige Rolle innerhalb des Clans. Für jede Katze musste es doch irgendwo einen Platz geben und es konnte nicht richtig sein, ihn seinen Weg zu den Ahnen antreten zu lassen!
Vom Nebel gezeichnet
Alias — Efeu
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Der Fluss rauschte unerbittlich. Auch sie hatte einst ihren Pfad des Wassers abgelegt, um zur Kriegerin ernannt zu werden. Es war für sie nicht leicht gewesen, war die Strömung doch sehr stark und Beerennase trotz ihrer Ausdauer recht zierlich. Zu gut erinnerte sich die trächtige Kätzin daran, dass sie es beinahe nicht an die Oberfläche zurückgeschafft hätte. Mit ihren letzten Kräften hatte sie es dann doch durch die Wasseroberfläche und ans Ufer geschafft.
Heute allerdings war Nachtpfote an der Reihe. Heute war sein Tag und Beerennase hatte sich natürlich nicht entgehen lassen wollen, wie der durch sein verkrüppeltes Bein eingeschränkte Schüler zum Krieger ernannt werden würde und seinen Pfad des Wassers abschloss! Sie war froh, dass Wieselfeuer die Prüfung ebenfalls nicht verpassen wollte. So hatte sich die Kätzin neben ihren Gefährten gesetzt und lehnte sich an ihn.
„NebelClan“ , erhob Schneestern ihre ruhige aber durchdringende Stimme, „heute stellt sich Nachtpfote dem Pfad des Wassers.“ Die Anführerin blickte über die Versammelten während Beerennases Blick von der Schneeweißen zu Nachtpfote glitt. Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. Du schaffst das! Er sollte sich nur nicht von seiner Einschränkung unterkriegen lassen! „Der Fluss ist unsere Quelle. Er nährt uns, trägt uns, prüft uns. Wer in ihn eintaucht, taucht nicht nur ins Wasser, sondern in sich selbst.“ , fuhr Schneestern fort und machte eine kurze Pause. „Zwei Sonnenaufgänge ist es her, dass du mich um diese Prüfung gebeten hast. Ich habe gezögert. Nicht, weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich weiß, wie schwer dein Weg war. Doch heute soll der SternenClan sprechen. Und ich werde seine Antwort annehmen. Geich, wie sie ausfällt.“ Dann trat Schneestern einen Schritt näher ans Ufer. Beerennase richtete sich ein wenig auf, lehnte aber dennoch leicht an ihrem Gefährten. Die Sitzposition war leichter für sie. „Heute sehe ich nicht nur einen Schüler am Wasser. Ich sehe eine Entscheidung. Nicht meine. Nicht deine. Sondern die der Ahnen.“ Ihre Stimme wurde leiser aber nicht weniger bestimmt. „Wenn du bereit bist, geh. Und der SternenClan wird antworten.“
Und dann setzte Nachtpfote langsam eine Pfote nach der anderen in die Gischt. Beerennase hielt unwillkürlich den Atem an während er von der Strömung leicht zur Seite gezogen wurde. Er erreichte die Stelle, an der sich der Fluss teilte und wo er untertauchen musste. Doch hier wurde das Wasser trickreicher und wilder. Die Wassermasse riss und zerrte an ihm während er dagegen ankämpfte. War er dem vielleicht doch noch nicht gewachsen? Unsicher wanderte ihr blattgrüner Blick zu Wieselfeuer neben sich bevor ihr Blick wieder zu dem Schüler wanderte. Was wäre, wenn das eins ihrer eigenen Jungen wären? Würde Beerennase ihr Junges auch in einer solchen Lage in die Fluten schicken? Ungern.
Beerennase beobachtete wie Nachtpfote wieder auftauchte, panisch nach Luft schnappte und scheinbar wild strampelte, um an der Oberfläche zu bleiben. Unwillkürlich richtete sie sich wieder auf. Immer wieder tauchte er unter und wieder auf, trieb weiter ab und dennoch kämpfte er weiter. Beerennases Herz wurde schwer.
„Genug“ , hörte sie Krähenruf mit rauer, brüchiger Stimme knurren. Beerennase war hin und her gerissen. Einerseits wollte sie sehen, dass Nachtpfotes Kampf nicht umsonst gewesen wäre und er Krieger werden würde. Andererseits sah sie, was passierte. "Wenn das so weitergeht... ertrinkt er noch..." , flüsterte sie während ihre blattgrünen Augen die Stelle absuchten, an der er scheinbar erneut untergetaucht war. Ihr Blick wanderte zu Wieselfeuer bevor sie zu Silberlicht und schließlich zu Schneestern blickte. "Tut doch etwas!" , miaute die trächtige Kätzin besorgt.
Meisterin der Jagd
Alias — Jacky
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He carries the river in his soul
Weiterhin beobachtete Silberlicht ihren Neffen mit einer Mischung aus Stolz und Besorgnis. Doch wurde ihre Besorgnis größer als er in die Strömung trat. Silberlicht konnte sehen, wie sie an ihm riss, ihn mit sich zerren wollte.
Er kämpfte sich dennoch weiter bis zu der Stelle, an der sich der Fluss teilte. Hier würde er tauchen und ein Objekt berühren müssen, das seine Verbindung zum SternenClan symbolisierte. Silberlichts Herz schlug immer schneller, schlug schlussendlich gegen ihre Brust wie die Flügel eines Vogels, der bereits zwischen Fängen einer Katze gefangen war. Sie beobachtete wie Nachtpfote tauchte und konnte ihren smaragdgrünen Blick nicht von der Stelle abwenden. So ging es wohl auch anderen, unter anderem Beerennase, die an ihrem Gefährten lehnte.
Irgendwann tauchte Nachtpfote auf nach einer gefühlten Ewigkeit. Er schnappte panisch nach Luft und strampelte wild, um an der Oberfläche zu bleiben bevor er wieder unter die Oberfläche gerissen wurde. Angst begann sich in der silbergrauen Kätzin auszubreiten.
Holt ihn nicht zu euch, große Ahnen!
Lieber würde sie selbst in den Fluss springen, um Nachtpfote aus den Fluten zu zerren. Trotzdem zwang sie sich dazu, sitzen zu bleiben. Doch blickte sie nun aus dem Augenwinkel zu Schneestern. Was hielt die schneeweiße Kätzin davon?
Immer wieder tauchte Nachtpfote auf, wurde wieder unter Wasser gerissen, trieb ab und schaffte es schließlich den Kopf über Wasser zu halten und zu stabilisieren. Aber wie lange? Besorgt beobachtete Silberlicht ihren Neffen weiter.
„Genug“ , hörte sie Krähenruf mit rauer, brüchiger Stimme knurren während sie die eisblauen Augen Schneesterns suchte. "Wenn das so weitergeht... ertrinkt er noch..." , drang Beerennases Flüstern an ihre Ohren. "Tut doch etwas!" , fügte Beerennase besorgt hinzu.
Silberlicht verstand die Älteste und die trächtige Kriegerin aber solange Schneestern nicht der Meinung war, dass die Prüfung zu enden hatte, mussten sie ruhig bleiben. Außerdem...
"Nachtpfote hat noch nicht aufgegeben."
Sie schrie nicht. Dennoch war ihre Stimme laut genug, um Beerennase verstummen zu lassen, auch wenn sie weiterhin besorgt aussah. Der Schüler kämpfte noch immer. Sollten sie nicht seinen Wunsch respektieren... zu kämpfen? Würde man einen verletzten Krieger, der noch Kampfwillen hatte, vom Schlachtfeld zerren? Silberlicht blickte aus dem Augenwinkel erneut zu Schneestern. Als wollte sie sich bei der anderen Kätzin vergewissern. Hab ich recht? Sollen wir ihn weiterkämpfen lassen?
Ahnenkind
Alias — Jacky
Jacky ist Offline
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Etwas neidisch war er schon, musste er zugeben. Nachtpfote erhielt die Möglichkeit, die Chance seinen Pfad des Wassers zu absolvieren. Und er selbst? Er würde noch 4 Monde warten müssen, wenn nicht sogar länger. Verwunderlich wäre es nicht, wenn Schneestern ihn die Ausbildung verlängern lassen würde. Schließlich war Himmelspfote nicht der Umgänglichste, stellte viel Unsinn an und setzte sich über Grenzen und Regeln hinweg. Dennoch hätte Himmelspfote am liebsten schon jetzt seine Prüfung abgelegt, um seinen Kriegernamen zu bekommen. Glückspilz.
Aufmerksam beobachtete der gräuliche Schüler, wie Nachtpfote seine erste Pfote in die reißenden Fluten setzte. Leicht lehnte sich der jüngere Kater vor während der ältere Schüler offensichtlich mit der starken Strömung kämpfte. Ich hätte keine Probleme. Himmelspfote war sich sicher, dass er problemlos die Prüfung ablegen würde. Die Strömung zerrte Nachtpfote mit sich - oder versuchte es zumindest. Trotz seines Versuchs, sich gegen den Fluss zu behaupten, gelangte Nachtpfote irgendwann zu der Stelle, an der er zu tauchen hatte. Jetzt wird's spannend.
Himmelspfote trat unwillkürlich einen weiteren Schritt nach vorne, um besser sehen zu können. Neugierig und auch ein wenig aufgeregt beobachtete er den älteren Kater, der immer wieder untertauchte, auftauchte, weitergerissen wurde. Immer und immer wieder schien sich das Muster zu wiederholen bis er es endlich schaffte, sich zu stabilisieren und seinen Kopf über Wasser zu halten. Dafür, dass Nachtpfote nicht schon bei der ersten Schwierigkeit aufgegeben hatte, hatte Himmelspfote einen Funken Respekt übrig. Er selbst war auch ein Kämpfer, der bis zum Schluss alles gab, was er geben konnte.
„Genug“ , erhob Krähenruf ihre raue, brüchige Stimme. Und Himmelspfote rollte mit den himmelblauen Augen. "Wenn das so weitergeht... ertrinkt er noch..." , hörte er Beerennase flüstern. Fast hätte Himmelspfote geseufzt. Wieso wollten diese überfürsorglichen, hysterischen Kätzinnen einem Schüler nur die Möglichkeit nehmen, sich beweisen zu können? Das war ihre Tradition. Das war nötig, damit ihre Ahnen, Nachtpfote als vollwertigen Krieger anerkennen würden! "Tut doch etwas!" , erhob Beerennase besorgt und lauter ihre Stimme.
Jetzt reichte es Himmelspfote allmählich. Vollkommen egal, dass die trächtige Kätzin die Gefährtin seines ehemaligen Mentors war. Sein rundlicher Kopf schwang zu ihr herum, seine Lefzen öffneten sich bereits, bereit, Beerennase die Meinung zu geigen. Egal, wie Wieselfeuer darauf reagieren würde. Da kam ihm eine Kätzin zuvor.
"Nachtpfote hat noch nicht aufgegeben."
Himmelspfote löste seinen Blick von der trächtigen Kriegerin und blickte die silbergraue Heilerin an, die auf das Wasser blickte. Auch sie schien besorgt zu sein, schien aber Nachtpfote eine Chance geben zu wollen, weiterzukämpfen. Wer hätte das gedacht? So schwieg Himmelspfote und richtete seinen himmelblauen Blick wieder auf den im Wasser kämpfenden Schüler.
Alias — Jacky
Jacky ist Offline
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