Nachtschatten, Nachtschatten
Schenk' uns einen Morgen
Irgendwie hatte sie es geschafft Krähenruf aus diesem vermaledeiten Flusslauf zu ziehen. Auch diesen Hang hinauf. Immer wieder musste die kleine Kätzin Halt machen, nach Luft schnappen und ein verzweifeltes Aufschreien vor Schmerzen unterdrücken oder sie brüllte es sich in die vorderen Läufe. Würde es nicht so verdammt weh tun, würde sie sich selbst beißen.
Endlich hatte sie es zum oberen Teil der Blumenwiese geschafft.
Schwer atmend stand sie da. Ihren Kopf zum Himmel gereckt als würde sie um Beistand bitten. Dabei ging die Kätzin nur die letzten Momente durch. Ihr wahr durchaus bewusst, dass sie eine deutliche Spur mit Krähenrufs, aber auch mit ihren eignen Wunden, gezogen hatte.
Und dennoch hatte Schneewehe die Alte dort nicht liegen lassen können. Es war keine Sympathie die sie da trieb. Kein „um der alten Zeiten willen“. Für die Stimme hatte der Trübblick noch eine Aufgabe. Sie musste noch ihren Part spielen und erfüllen. Dass sie es tun würde, daran hegte Schneewehe keinen Zweifel.
Mit einem mal sackte sie selbst weg. Lag da, mitten in der Wiese und neben Krähenruf.
“Nur einmal kurz ausruhen.“
, brachte sie unter schweren Atemzügen hervor. Ihre Lider flackerten kurz vor Erschöpfung, bevor sie diese schloss.
Sonnenhoch würde nicht mehr lange bleiben und ihr Fall wird sich ankündigen. Da bis jetzt keine Patrouille erschienen war, würde dann sicher eine kommen. Und da die Alte nicht mehr im Flusslauf war, wird sie auch besser gefunden – für eine Katze.
Raubvögel hätten den Körper lieber im Flussbett vorgefunden. Wäre sicher einfacher gewesen für diese beschwingten Biester. Aber so einfach wollte Schneewehe es den Feinden der Katzen nicht machen.
Sollte eine Patrouille nicht an diesen Teil der Blumenwiese vorbei kommen, so doch gewiss die Spur am Grenzgebiet entdecken. Dieser würden sie schließlich folgen, da viel Blut geflossen war und es nach einer Clankameradin und einer Fremden roch.
Prüfend schnupperte Schneewehe. Es roch klamm, aber nicht nach Regen. So schnell wird der Beweis ihrer Existenz nicht von der Natur verschleiert werden.
Sollte sie dem Nachhelfen?
Die Kätzin überlegte was sinnvoller für den Nebelfluch war, doch sie musste sich am Ende eingestehen, dass sie nicht der Gedanke war.
Ein leises seufzen entglitt ihr, die Augen öffneten sich und musterten das Gras, die Landschaft und den Himmel. Sie fühlte sich so schwer an, ob ihre Beine noch auf sie gehorchen würden?
Sie musste schließlich fort bevor sie entdeckt wurden. Gegen weitere Katzen hätte Schneewehe keine Chance mehr.
Ihr Ohr zuckte und wandte sich. Hatte sie da etwas gehört?
Oder spielten ihr nun die Sinne streiche?
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Die Blumenwiese trug ihren Namen nicht ohne Grund. Selbst jetzt, da Sonnenhoch bereits seinen höchsten Punkt überschritten hatte, hing noch der schwere Duft von Blüten in der warmen Luft. Zwischen den hohen Halmen schimmerte hier und da ein Tupfer Farbe - blasses Gelb, sanftes Violett, das tiefe Blau kleiner, unscheinbarer Blüten, die man leicht übersah, wenn man nicht wusste, wonach man suchte.
Mit gesenktem Kopf bewegte er sich langsam durch das Gras, darauf bedacht, die zarten Stängel nicht unnötig zu knicken. Zwischen seinen Zähnen hielt er vorsichtig ein kleines Bündel Kräuter, das er erst vor wenigen Herzschlägen gesammelt hatte. Der Geruch von Kamille und wilder Minze lag ihm in der Nase - beruhigend und vertraut zugleich. Kräutersammeln hatte etwas Stilles an sich, etwas, das seine Gedanken ordnete, wenn sie zu laut wurden. Vielleicht mochte er es gerade deshalb.
Der Kater setzte eine Pfote vor die andere, überlegt wie immer, sein rechtes Hinterbein nicht unnötig zu belasten. Der Schmerz meldete sich nur schwach heute, ein dumpfes Echo unter der Oberfläche seines Körpers.
Krähenruf hätte vermutlich etwas Scharfzüngiges über seine Langsamkeit gesagt, wenn sie ihn so sehen würde. Sie hatte ihn großgezogen, zurechtgewiesen, wenn er als Junges zu neugierig gewesen war, und ihn später mit dieser eigentümlichen Mischung aus Strenge und trockener Geduld begleitet, die nur Katzen besaßen, die schon zu viel vom Leben gesehen hatten. Selbst jetzt, wo sie zu den Ältesten gehörte, blieb ihre Stimme eine der wenigen, die ihn noch wirklich aus seinen Gedanken reißen konnte.
Ein anderer Geruch lag plötzlich in der Luft, welcher Nachtschatten dazu trieb, den Kopf langsam zu heben. Der süße Duft der Blumen wich etwas anderem - schwer und metallisch. Es musste Blut sein.
Nun sah er auch die Spur im Gras - niedergetretene Halme und dunkle Flecken zwischen den Stängeln. Eine Linie, die sich durch die Blumenwiese zog wie eine Narbe. Das Herz des Schwarzweißen begann hart in seiner Brust zu klopfen und plötzlich graute es ihm.
Ohne weiter nachzudenken ließ er die Kräuter aus seinem Maul ins Gras fallen und folgte der Spur. Seine Schritte wurden schneller, auch wenn sein Bein sich dagegen sträubte. Das Rascheln der Halme wurde lauter, bis sich schließlich zwei Körper vor ihm abzeichneten.
Nachtschatten blieb abrupt stehen und seine tiefgrünen Seelenspiege weiteten sich. "…Krähenruf?" Der Name kam kaum mehr als ein Atemzug über seine Lefzen.
Die alte Kätzin lag im Gras, ihr Fell durchnässt und vom Blut schwer gezeichnet. Neben ihr eine andere Katze - fremd, erschöpft und ebenfalls verletzt. Für einen Herzschlag lang verstand Nachtschatten nicht, was er sah. Seine Gedanken schienen einen Moment zu brauchen, um die Wirklichkeit einzuholen.
"Beim SternenClan, was ist hier passiert? Wer bist du? "
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