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In the morning light - Druckversion

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In the morning light - Steinkralle - 08.02.2026


Still standing


Es war still hier im Düsterwald als das erste Licht des Tages durch das dichte Blätterdach drang.
Der Himmel war klar und die Kälte der Nacht hing noch schwer zwischen den Stämmen. Tau perlte auf Nadeln und Moos, sammelte sich an niedrigen Farnen und sickerte lautlos in den dunklen Boden.

Steinkralle erreichte den Düsterwald als Erster. Seine breiten Schultern schoben sich durch das Unterholz, ohne Hast und ohne Zögern. Der moosbewachsene Boden gab kaum nach unter seinem Gewicht und sein schiefergraue Pelz des Katers nahm die Kälte auf, als hätte er nie etwas anderes gekannt. Sein Schweif hing locker hinter ihm und seine mittelgroßen Ohren waren aufmerksam aber ruhig aufgestellt.

Er sog tief die Luft ein. Harz, feuchte Erde und schale Beutegerüche. Aber seine aufmerksamen Ohren registrierten eine Bewegung. Seine goldenen Augen verengten sich minimal, als er den keilförmigen Kopf ein Stück hob. Die Sonne schob sich gerade über den Horizont, ließ die Nadeln der Bäume glimmen als stünden sie kurz in Flammen. Für einen Herzschlag war alles still. Dann zuckte sein Ohr.

Ratte. Der Geruch war frisch und warm. Zu frisch. Ratten waren nicht seine bevorzugte Beute aber jedes Beutestück nährte den Clan. Steinkralle verharrte, eine Pfote bereits angehoben. Seine schwarzen Krallen schimmerten kurz im Licht als er das Gewicht verlagerte. Er folgte der Spur ein paar Schwanzlängen weit, lautlos und konzentriert. Doch das Tier war schneller. Ein Rascheln. Ein Pfotentrippeln. Dann nichts mehr.

Die Ratte war entwischt.

Ein kaum merkliches Schnauben entwich ihm. Dann wandte er den Kopf leicht zu Bergviper, die nun ebenfalls zwischen den Bäumen stand. Steinkralle musterte sie einen Moment lang, offen aber unaufdringlich. Er kannte diesen Blick. Den, der blieb, auch wenn alles andere gegangen war. Verlust hatte eine ganz eigene Stille. Man erkannte sie, wenn man gelernt hatte, ihr zuzuhören.

"Die Spur ist noch warm.", sagte er schließlich. Seine Stimme war tief und rau vom frühen Morgen aber ruhig. Kein Mitleid lag darin und kein falscher Trost. "Sie hält sich wahrscheinlich näher an die trockeneren Stellen. Richtung Berg."

Er ließ den goldenen Blick erneut durch den Wald gleiten, über das Dickicht und die moosige Lichtung in der Ferne, wo der Tau im ersten Sonnenlicht glitzerte wie Sternenstaub. Für einen Moment flackerte etwas in seinen Augen auf. Eine Erinnerung, vielleicht. Oder einfach nur Müdigkeit. Dann richtete er sich wieder auf.

"Wenn du möchtest, übernehme ich die linke Seite.", bot er an. "Sag Bescheid, wenn du etwas riechst." Dann setzte sich Steinkralle langsam wieder in Bewegung.