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Broken bones and broken souls - Druckversion

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Seiten: 1 2


RE: Broken bones and broken souls - Holunderzweig - 14.03.2026


Irrsinn

Der Nebel war plötzlich zu eng.

Holunderzweig spürte ihn nicht mehr nur auf ihrem Fell, sondern in ihrer Brust. Als würde die Luft selbst schwerer werden. Die Worte des roten Katers lagen noch zwischen ihnen. Der Tod wartet schon sehnsüchtig auf euch.

Ein kalter Stich fuhr durch sie. Dann bewegte sich der Nebel. Zu spät erkannte sie, dass Loderblick bereits sprang. Der Aufprall traf sie mit voller Wucht. Seine Zähne gruben sich in ihr Nackenfell und rissen sie brutal von den Pfoten. Der Boden schlug hart gegen ihre Seite und für einen Herzschlag wurde ihr die Luft aus der Lunge gepresst. Sein Gewicht drückte sie fest. Panik schoss durch ihren Körper. Nicht wegen sich selbst. Wegen… der Jungen?

Für einen flüchtigen Moment spürte sie die Rundung ihres Bauches gegen den kalten Boden drücken. Ein heißer, lähmender Gedanke schoss durch ihren Kopf. Wenn er mich hier festhält… Holunderzweig riss sich aus der Starre.

Mit einem wütenden Fauchen riss sie die Hinterpfoten hoch und trat nach oben. Ihre Krallen fanden Halt in seinem Bauchfell und rissen sich durch Haut. Warm tropfte sein Blut auf ihr Fell. Ihr Gegner knurrte. Seine Zähne verfehlten ihren Bauch nur knapp, als sie sich zur Seite warf. Stattdessen schlossen sich seine Kiefer brutal um ihre Flanke. Der Schmerz explodierte. Für einen Herzschlag verschwamm die Welt. Doch mit dem Schmerz kam auch Wut.

Holunderzweig riss die Vorderpfote hoch und schlug nach seinem Gesicht. Ihre Krallen zogen fast quer über seine Schnauze, gerade im richtigen Moment drehte er den Kopf noch zur Seite, so dass sie nur seinen Hals erwischte. Blut spritzte. Loderblick fauchte auf und schlug zurück. Seine Krallen rissen über ihre Schulter und hinterließen eine brennende Furche. Der Treffer ließ ihre Beine zittern. Doch Holunderzweig dachte nur an eines.

Er darf nicht an meinen Bauch kommen.

Mit einem wilden Stoß zog sie die Hinterläufe erneut an und trat nach oben. Ihre Krallen trafen erneut seine Bauchseite und rissen die Wunde weiter auf. Der rote Kater verlor kurz den Stand. Knurrend schnappte er nach ihrem Nacken, doch Holunderzweig riss sich zur Seite und entkam seinem Biss. Seine Zähne klappten ins Leere. Sie rollte sich halb unter ihm hervor, kam keuchend auf die Seite und schlug ein weiteres Mal nach seiner Schulter. Doch diesmal war er schneller. Ihre Pfote schnitt nur durch Nebel.

Holunderzweig kam schwer atmend auf die Pfoten. Blut tropfte aus ihrer Flanke, Regen rann über ihr Fell und der Nebel verschluckte jede Bewegung. Doch sie stellte sich breit hin. Instinktiv so, dass ihr Bauch vom roten Kater weggewandt war. Ihre Augen brannten. Wenn er glaubt, ich würde hier zusammenbrechen, irrt er sich! 



Erwähnt: @Loderblick, @Lebenstraum, @Eisbrecher



RE: Broken bones and broken souls - Lebenstraum - 17.03.2026


The sound of silence



Das Lachen, das der Silbergraue von sich gab, bewirkte, dass sich Lebenstraums Nackenfell aufstellte. Ihr Versuch, Holunderzweigs Worten beizupflichten, hatte wenig Erfolg gehabt.

“Hast du das gehört, mein Freund? Sie sind nicht alleine hier. Wir sollten weg rennen bevor sie von ihrer Patrouille abgelöst werden!“, ertönte die Stimme des Katers von der anderen Seite. Lebenstraums dreieckiger Kopf schwang herum während sich ihr Herzschlag rasant beschleunigte. Krampfhaft versuchte sie ruhigzubleiben obwohl sie bereits merkte, dass ihre Angst anstieg. Die Stimme des Silbergrauen wurde leiser, verächtlicher und zugleich amüsierter. “Die Wurzelhirne scheinen schon so verzweifelt zu sein, dass sie ein kleines süßes Häschen und eine Kätzin in freudiger Erwartung los schicken.“ Lebenstraum blinzelte einmal. Die 'Kätzin in freudiger Erwartung' konnte sie nicht leugnen aber ein kleines, süßes Häschen'?! Sie war doch kein Häschen! Ärgerlich schlug ihr buschiger Schweif einmal hinter ihrem eigentlich schlanken, athletischen Körper, der lediglich von langem, dichten Fell ummantelt wurde.

“Aber wir sind doch auch nur zum Jagen hier.“, hörte Lebenstraum es flüstern. Ihr grasgrüner Blick wanderte über ihre Umgebung. Sie konnte einfach nicht ausmachen, woher die Stimme kam.

Dann schoss der Silbergraue aus seinem Versteck. Sie wollte herumfahren, wollte sich verteidigen oder ausweichen doch er schlug seine Zähne beherzt in ihren Hinterlauf. Lebenstraum schnappte wegen des Schmerzes nach Luft als sie versuchte, ihren Hinterlauf von ihm wegzuziehen, damit er losließ. Sie wirbelte herum, entriss ihm endlich ihr Bein und holte mit der Kralle aus. Der Silbergraue setzte die Hinterpfoten zurück, drückte sich mit den Vorderen ab und kratzte über ihr hübsches Gesicht. Sie zuckte zurück und kniff ihre grasgrünen Augen zusammen, um sie zu schützen. Heiliger SternenClan!

“Wer sagt, dass wir es nur mit zwei Katzen aufnehmen können? Oder gar wollen?“, fragte der Silbergraue als Lebenstraum ihre grasgrünen Augen wieder öffnete. Seine grünen Augen funkelten vor wilder Freude. Unwillkürlich trat sie einen Schritt zurück. Lebenstraum war keine Kämpferin. Das lag ihr einfach nicht. Die Jagd... Darin ging sie auf.

Als der Silbergraue auf seinen Hinterpfoten stand, sprang Lebenstraum ihn an und sie gingen gemeinsam zu Boden. Sie musste ihre Zweifel und ihre Zurückhaltung überwinden, damit sie es lebend hier wegschaffen würde. Denn Lebenstraum ging nicht davon aus, dass Holunderzweig und sie die beiden Felsenhirne vertreiben können würden. Der Silbergraue und die Bunde verwandelten sich in ein Knäuel aus Beißen, Kratzen und Schlägen doch keiner konnte wirklich die Oberpfote na sich reißen. Lebenstraum blockte einige Schläge und Tritte unter Keuchen während ihre Krallen leider auch ins Leere gingen. Mäusedreck! Gemeinsam rollten sie von Holunderzweig weg, an Loderblick vorbei. Und kamen zum Halten.

Lebenstraum konnte es kaum glauben. Das hatte sie doch schon einmal über sich ergehen lassen müssen. Vor einem Mond! Dieses Mal war der Silbergraue allerdings allein. Trotzdem saß er auf ihr - der Hintern auf ihrem unteren Bauch und die rechte Pfote auf ihre Halspartie gedrückt. Lebenstraums Ohren hatten sich angelegt während sie ihre Pfoten gegen Eisbrecher stemmte, um ihn von sich wegzudrücken. Er verlagerte das Gewicht unnachgiebig auf die Pfote und blickte ihr in die grasgrünen Augen. Oh große Ahnen, bitte nicht!

“Hallo, Süße.", wiederholte der Silbergraue süßlich. “Wir jagen hier. Auf unserem Gebiet. Und ich bin dir äußerst dankbar, dass du dich als meine Beute so schön anbietest. Du bist wirklich vorzüglich.“ Er neigte langsam den Kopf, um an ihrem Hals und Wangenfell zu schnuppern. Lebenstraum konnte nicht verhindern, dass sie zitternd einatmete und ihre grünen Augen fest zusammenkniff. “Du Duftest köstlich..“, fuhr er leise fort bevor sein Kopf zurückglitt und er sie wieder angriste, “nach Angst.“

Die Kätzin öffnete eins ihrer Augen. Wie es Holunderzweig ging, konnte sie nicht sagen. Sie betete nur dafür, dass die andere Kätzin ihren Kampf einigermaßen heil überstehen würde. "Ich bin nicht deine 'Süße'!" Ihre Antwort war weniger bissig als sie gewollt hatte, was leider der Situation geschuldet war. Immer wieder wiederholte sich ein Name in ihrem Kopf, an dem sie sich festkrallte, um nicht vor Angst zu beginnen zu schreien.

Gebirgsjäger. Gebirgsjäger. Gebirgsjäger. Gebirgsjäger.

Immer und immer wieder wiederholte Lebenstraum seinen Namen während sie um Fassung kämpfte. Denk doch nach!

Lebenstraum versuchte ihren Kopf zu heben, um sich zu befreien. Der Schmerz zuckte durch ihren Hinterkopf als er ihren Kopf wieder auf den Boden zurückbeförderte. Wie sollte sie so denn freikommen?! Im nächsten Herzschlag traf sie ein Schlag seiner Pfote. Ihr Kopf ruckte leicht zur Seite während sie noch immer seine Pfote auf ihrer Luftröhre spürte. Lebenstraum schnappte leicht nach Luft.

Eine ihrer Pfoten rutschte von seiner Brust ab, gegen die sie ihre Vorderpfoten gestemmt hatte. Der Kriegerin zuckte eine Idee durch den Kopf. Sie ließ ihre Pfoten fallen als wäre sie abgerutscht während sie erneut nach Luft schnappte. Mit ihrer Pfote tastete sie über den erdigen Boden bevor sie ihre schneeweiße Pfote unter einen kleinen Haufen Erde schob. Sie riss ihre Pfote hoch und warf Eisbrecher die Erde in die grünen Augen.

Los jetzt!

Lebenstraum drückte sich hoch, schlug seine Pfote weg und stieß ihm ihre Schulter gegen den Rumpf bevor sie unter ihm herauskroch und eilig einigen Abstand zwischen den Silbergrauen und sich brachte. Ihre Brust hob und senkte sich stark während sie ihre Atmung zu beruhigen versuchte. Das war so knapp... Und es hätte ganz anders ausgehen können.

Vermutlich war es eine Handlung aus ihrer Angst und ihrer Verzweiflung über diese Situation doch Lebenstraum drückte sich vom Boden ab, nahm Anlauf und sprang auf den Kater zu. Ihre scharfen Krallen blitzten auf. Doch zu einem Angriff kam es nicht von ihrer Seite. Ihr wurde die Luft aus den Lungen gedrückt als er seinen Schädel gegen ihre Brust schlug. Ein leises Geräusch entkam ihr als ihren Lungen die Luft entwich. Hustend kam Lebenstraum auf die Pfoten und taumelte zurück, schnappte nach Luft, um ihre Lungen wieder damit zu füllen.

Lass dich nicht unterkriegen!

Also versuchte sie es erneut. Lebenstraums Lungen brannten noch von dem Verlust ihrer Atemluft und trotzdem sprang sie erneut auf Eisbrecher zu. Doch schien sie zu langsam zu sein. Sein Konter brachte die Kätzin ins Stolpern.

Große Ahnen, helft uns doch!



Angesprochen: @Eisbrecher Erwähnt: @Loderblick @Holunderzweig @Gebirgsjäger



RE: Broken bones and broken souls - Eisbrecher - 23.03.2026


Imagine... How we finnish you off...



Er genoss es, wie sie ihre Augen schloss. Ihr Duft war so verführerisch. Sollte er ihr ein Andenken da lassen? Oder sich selbst eines nehmen? Zuerst sollte er beobachten. Grinsend blickte er sie aus der kleinen Distanz an wie sie ihre Augen öffnete. Sie ihr kleines Mäulchen öffnete und für ihn verzweifelt maunzte: “Ich bin nicht deine 'Süße'!“
Die Luft verließ die Nase, die Lefzen zogen sich höher und die Augen funkelten. “OH doch, das bist du.“, maunzte er sanft und verführerisch. “Mein süßes kleines Häschen.“ Die Zunge glitt über die Lippen. Er genoss es so sehr. Diese Angst.

Herzschläge vergingen. Atemzüge streiften den anderen während sie in dieser Position verweilten. Der Nebel zog schweigend um sie, ließ Grenzen verschwimmen – distanzierte die Clangefährten der beiden immer weiter und Schloss den Raum um sie selbst.
Schließlich spürte er wie die Schildplatt Kätzin versuchte sich zu erheben, er drückte sie wieder runter und schlug mit der mächtigen Pfote gegen ihren Kopf. Schlug ihr die Idee heraus. Der Kopf fuhr zur Seite und sah er da Unglauben in ihren Augen? Er spürte wie es unter seiner Pfote nachgab und etwas dann versuchte gegen sie anzukämpfen – sie versuchte zu Atmen. Eisbrechers Schnurrhaare vibrierten, die Augen weiteten sich und betrachteten sie genau.

Ein Fehler.
Die Kätzin warf plötzlich mit Erde nach ihm und fauchend ließ er ab. Versuchte unter zugekniffenen Augen die Erde los zu werden. Dann spürte er wie sie ihn weg schlug und ihn anrempelte. Eisbrecher verlor den Halt, das Gleichgewicht und fiel seitlich über sie. Er fauchte und keuchte. Das Fell sträubte sich.
Wild zuckend erhob sich der getigerte Kater.
Sein Blut brannte. Diese kleine Süße, hatte sich in einer Art gewehrt die nicht eingeplant war. Das kleine Häschen warf mit Dreck nach ihm und er hatte es nicht einmal bemerkt. Der Zorn zerrte an den Muskeln. Der Kater knurrte laut: “Du miese kleine Ratte! Ich werde dich lehren was es bedeutet mit Dreck nach einem Krieger zu werfen!“
Als er sich zu ihr wandte, sah er wie sie Anlauf nahm. Eisbrecher preschte direkt vor. NICHT mit ihm! Sie hatte ihn nun mehr als nur erzürnt.
Er tobte innerlich!
Sie hatte dieses Wundervolle Spiel verpatzt!
SIE wollte doch wirklich bis zum Schluss kämpfen!

Sein Kopf prallte gegen ihre Brust und drückte die Lungen aus ihr heraus. Er hörte wie sie sie verließ ohne dass sie es wollte. Ein verächtliches und fast zufriedenes Schnauben.
Doch dies reichte ihm nicht!
Er betrachtete kurz, wie sie hustend und taumelnd auf die Beine kam, während sein Schwanz unruhig peitschte. Die Krallen zogen tiefe Spuren in die Erde. Sie taumelte vor ihm zurück und rang nach Luft. Er keifte und peitschte erneut mit dem Schwanz.
“Pass auf, auch wer am Boden liegt kann immer tiefer fallen. Schau dir doch nur einmal dein schönes Fell an. Wie zerzaust es ist! Und dreckig. Voller Blut. Ein kleiner Spatz der versucht einem Adler zu entkommen...“
Da sprang sie wieder vor. Eisbrecher war schneller, glitt hervor und unter sie durch. Am richtigen Punkt warf er seinen Oberkörper und Kopf hoch, brachte sie aus dem Gleichgewicht und zum Stolpern. Erneut schnaubte er und trat an ihr vorbei.

Zurück in den Nebel.

Sie wurden eins.

“Sie hören dich nicht.“, sprach er leise. Zorn vibrierte in der sanften Stimme, zog an ihr dass sie sich verformte. Sie ließ erahnen welche Grimassen er wohl zog, welche Belustigung oder welchen Hass. “Sie antworten dir nicht. Niemand wird zur Hilfe eilen.“, miaute er fort, als hätte er ihre Gedanken vernommen.
Ein Huschen zu ihrer linken..
Schweigen.
Eine springende Scheme zur rechten. Sein Duft tauchte kurz auf. Dann verschwand er wieder.

“Was wird dies für ein Bild?“, fragte er schließlich. Die Bewegungen hielten inne, der Raum durch den Nebel drängender, drückender. “Eine tragende Katze, auf dem Boden des Schlangenfelsens. Der Bauch aufgeschlitzt... Die Kinder tot, vielleicht auch eines wimmernd ohne Antwort... am verrecken! Ein bissiges Hauchen, ganz nah an ihrem Kopf. Dann verschwand der Schatten wieder.
Der Kater umkreiste seine Beute. Glitt durch den Nebel. Wechselte die Richtungen und zog seine Furchen.
“Die Freundin... Am Verbluten. Sie konnte nichts tun. Sie wird sterben, kleine Maus. Und du bist Schuld.“
Dann ein Lachen. Tief, leise. Es schwoll an und verklang wieder.
Stille kehrte ein.

Wo war er?
Was tat er?
Bedrückend und unheimlich legte sich diese Stille über den Raum. Lediglich die zwei Katzen seitlich waren zu hören – entfernt und dumpf.
Hatte Eisbrecher Lebenstraum noch weiter abgetrieben von Holunderzweig?
War er vielleicht jetzt bei Holunderzweig?
Alles ließ Raum für Gedanken.
Fürchterliche Gedanken.



@Loderblick @Holunderzweig @Lebenstraum



RE: Broken bones and broken souls - Loderblick - 02.04.2026


Two snakes in the dark



Die Kätzin keuchte, zitterte, blutete. Doch sie war so verdammt stur. Stand hier vor ihm mit einer Herausforderung in den Augen als würde sie sagen: Mich bekommst du nicht klein! Allein das verdiente wohl schon einen Hauch von Anerkennung. Loderblick hatte Respekt vor Stärke. Auch wenn sie töricht war. Doch sie hatte wohl kaum eine Chance, wenn sie versuchte zu fliehen. Mit diesem dicken Bauch hätte der athletische Kater sie in Sekunden eingeholt. Und einem Angriff von hinten hätte sie kaum etwas entgegen zu setzen.
 
Mit einem süffisanten Grinsen begann er sie zu umrunden, langsam, schlendernd. Sein Auge glühte förmlich im Nebel, heftete sich an sie, schien sie nieder zu starren. Er betrachtete ihre Rundungen, ihre Wunden, das Blut, welches ihr langes Fell dunkelrot färbte. Der Nebel tränkte ihren Pelz, ließ in Nass und dicht am Körper kleben. Loderblick hatte für heute genug gespielt. Er neigte den Kopf vor ihr, tief hinab wie eine übertriebene Verneigung. Dann öffnete er seine Lefzen, die Worte voll Hohn und Spott:
 
“Vielleicht lässt du dir das eine Lehre sein. Ihr seid nirgends sicher, nicht auf eurem Revier, nicht vor eurem Lager und bald schon nicht einmal mehr in eurem Lager.“ Seine Augen funkelten böse, während seine Krallen wie beiläufig mit dem feuchten Boden spielten.
“Nutz diese Chance, Mutti. Nimm deine Freundin und geh.“ Er sah sie an, machte klar, dass sie nur diese eine Chance für einen Rückzug erhalten würden. Gespannt sah er sie an. Würde ihr Stolz so weit gehen, dass sie dafür ihre Jungen opferte? Der nächste Biss würde sitzen, würde ihr die Eingeweide aufreißen und sie elendig verbluten lassen, während Loderblick zum ersten Mal den Geschmack von ungeborenen Jungen kosten durfte. Er schleckte sich über die Lippen, beinahe bedauernd sah er die Tragende an. Doch heute würde er sie ziehen lassen, wenn sie schlau genug war, diese Möglichkeit zu nutzen.



@Eisbrecher @Lebenstraum @Holunderzweig



RE: Broken bones and broken souls - Holunderzweig - 16.04.2026


Zwischen Atemzügen

Der Nebel lag schwer auf ihr. Er hing nicht nur zwischen den Bäumen oder klebte an ihrem Fell, sondern schien sich in ihre Brust zu drücken, ihre Lungen enger werden zu lassen, als würde selbst die Luft sie nicht mehr tragen wollen. Jeder Atemzug war flacher als der davor, kürzer, unvollständig, und mit jedem Herzschlag wurde es schwieriger, ihn bewusst zu steuern. „Nutz diese Chance, Mutti. Nimm deine Freundin und geh.“ Das Wort blieb hängen. Mutti. Es war kein bloßer Spott mehr, kein beiläufig hingeworfener Hohn, sondern etwas, das sich festsetzte, sich in sie bohrte und nicht mehr loslassen wollte. Holunderzweigs Blick ruhte noch einen Herzschlag auf Loderblick, auf seinem Grinsen, auf diesem kalten, ruhigen Wissen in seinem Blick, als hätte er längst entschieden, wie und wann sie sterben würde. Und plötzlich wusste sie, dass er recht hatte. Nicht über den Tod, sondern darüber, wie nah sie daran war. Denn es schmerzte. Der Schmerz überrollte sie. Ganz plötzlich. Kein Schmerz, den sie kannte, doch einer, den sie gewiss einordnen konnte.

Ein dumpfer Schmerz zog durch ihren Bauch, anders als zuvor, tiefer, schwerer, nicht mehr nur ein warnendes Ziehen, sondern etwas, das sich ausbreitete und blieb. Holunderzweigs Atem stockte, und für einen Moment vergaß sie, wie man ihn wieder einsetzt. Ihr Körper spannte sich an, ganz von selbst, als hätte etwas in ihr die Kontrolle übernommen. Nicht hier. Nicht jetzt. Ihr Blick zuckte zur Seite, suchte Halt, suchte Orientierung. Lebenstraum, Bewegung, Geräusche. Alles wirkte plötzlich gedämpft, als würde sie es durch Wasser hören. Der Kampf, die Stimmen, selbst der Geruch von Blut rückten in den Hintergrund. Der Schmerz nicht. Er kam wieder, schärfer, zog sich nach unten, ließ ihren Körper unwillkürlich verkrampfen. Ein gepresstes Geräusch entkam ihrer Kehle, kaum hörbar, roh, und irgendwo in ihr formte sich der Gedanke, ohne dass sie ihn wirklich dachte: zu früh. Etwas ist falsch.

Holunderzweig wich zurück. Kein hastiger Rückzug, kein panisches Fliehen, sondern ein kontrollierter Schritt, dann ein zweiter. Sie ließ Loderblick nicht aus den Augen, würde ihm diesen Moment nicht geben, würde ihm nicht zeigen, dass ihr Körper sie verriet. Ihr Herz schlug schwer in ihrer Brust, jeder Schlag ein dumpfes Pochen, das bis in ihre Glieder vibrierte. Noch ein Schritt. Der Schmerz kam wieder, stärker, breiter, zwang sie für einen Moment innezuhalten. Ihre Krallen gruben sich in den Boden, suchten Halt, während sie sich zwang, weiterzugehen. „Komm.“ Mehr war es nicht, ein raues, leises Wort an ihre Clangefährtin gewandt, kaum mehr als Atem, doch es reichte. Dann drehte sie sich und ging. Nicht sehr schnell. So schnell sie konnte. Der Boden unter ihren Pfoten war rutschig, der Nebel verschluckte Konturen, ließ den Wald fremd wirken, doch sie zwang ihren Körper vorwärts, Schritt für Schritt, weg von den Felsen, weg von diesen Augen, weg von diesem Versprechen von Tod.

Doch ihr Körper begann, sich gegen sie zu stellen. Der Schmerz kam in Wellen. Die erste ließ sie stolpern, die zweite zwang sie stehenzubleiben, die dritte traf sie so hart, dass ihr die Beine nachgaben. Sie brach nicht dramatisch ein, stürzte nicht laut zu Boden. Sie sackte einfach zusammen, als hätte jemand die Kraft aus ihr gezogen. Der kalte, nasse Boden nahm sie auf, kroch durch ihr Fell bis auf ihre Haut, während sie sich instinktiv krümmte. Ihr Atem ging stoßweise, unkontrolliert, und der Schmerz durchzog sie, tief, reißend, unerbittlich. Zu früh. Viel zu früh. Ihr Körper arbeitete gegen sie, zog, drängte, ließ ihr keine Wahl. Sie presste die Augen zusammen, krallte die Pfoten in den Boden, als könnte sie sich festhalten, als könnte sie es aufhalten. Doch es ließ sich nicht aufhalten. 

Die erste Fehlgeburt kam leise. Ein Nachgeben, ein Druck, dann… Leere. Holunderzweigs Augen öffneten sich einen Spalt, doch ihr Blick war verschwommen, unfähig, das Bild wirklich zu erfassen. Zu klein. Zu still. Keine Bewegung. Ein Laut blieb in ihr stecken, schaffte es nicht hinaus, blieb irgendwo zwischen Schmerz und Atem gefangen. Ihr Körper spannte sich erneut an, heftiger, unkontrollierter, ein Zittern durchlief sie, während der zweite Krampf sie erfasste. „Nein…“ Es war kaum mehr als ein Hauch. Der zweite Körper folgte, deutlicher, unübersehbar und ebenso still. Sie gaben keinen Laut von sich oder zuckten... nichts, das Leben bedeutete.

Holunderzweig bewegte sich nicht mehr. Ihr Körper lag da, zitternd, erschöpft, ausgelaugt, während der Schmerz langsam nachließ, sich zurückzog und etwas anderes zurückließ. Etwas Leeres. Ihre Augen waren geöffnet, doch sie sah nichts mehr wirklich. Der Nebel hatte sich wieder um sie gelegt, gleichgültig, still, als wäre nichts geschehen. Als hätte der Wald nichts gesehen, nichts genommen. Ihr Atem wurde ruhiger, flacher, mechanischer, und irgendwo tief in ihr war etwas zerbrochen. 

Holunderzweigs Blick glitt nicht zu ihnen. Nicht zu den kleinen, reglosen Körpern. Nicht wirklich. Sie wusste, dass sie da waren. Das reichte. Ein Teil von ihr wollte sich zwingen, hinzusehen. Wollte begreifen, wollte sich selbst dazu bringen, es wirklich zu verstehen. Doch ein anderer Teil hielt sie fest. Starr. Reglos. Als würde schon ein einziger bewusster Blick alles endgültig machen. Sie hatte diese Jungen nie gewollt. Der Gedanke war immer da gewesen, unausgesprochen, tief vergraben, irgendwo zwischen Trotz und Angst. Sie hatte ihn weggeschoben, verdrängt, sich selbst eingeredet, dass es keine Rolle spielte. Dass es einfach passieren würde. Dass sie schon damit umgehen würde, wenn es soweit war. Eine andere Königin könnte die Jungen nehmen. Und doch… Jetzt, wo es vorbei war, fühlte sich ihr Herz an, als würde es in ihrer Brust zerbrechen. Schwer. So schwer. Viel zu schwer für ihren Körper. Hatte Lebenstraum irgendwas gesagt? Sie nahm sie nicht wahr.

In dem Kampf vorhin… da hatte sie sie beschützen wollen. Sie hatte sie gespürt. Echt. Zerbrechlich. Ein Teil von ihr. Und sie hatte gekämpft. Zu hart, rücksichtslos und zu lange.  Sie hatte sich nicht geschont. Hatte den Schmerz ignoriert, die Warnungen ihres Körpers übergangen, hatte sich in den Kampf gestürzt, als wäre sie noch dieselbe Kriegerin wie zuvor. Als hätte sich nichts verändert. Als hätte sie nichts zu verlieren. Ein bitteres, kaum spürbares Zittern ging durch ihren Körper. Sie war noch weiter gegangen, als sie es hätte tun sollen. War geblieben, wo sie hätte fliehen müssen. Hatte zugeschlagen, wo sie hätte schützen müssen. Zu spät. Der Sinneswandel war zu spät gekommen. Immer zu spät.

Ihr Atem stockte für einen Moment, brach dann unregelmäßig weiter, als hätte selbst ihr Körper vergessen, wie man ihn ruhig hält. Der Nebel legte sich dichter um sie, dämpfte die Welt, nahm ihr die Schärfe. Vielleicht war das besser so. Vielleicht war es einfacher, wenn nichts mehr klar war. Holunderzweig blinzelte langsam, doch ihre Augen wirkten leer, unfokussiert, als würde sie durch alles hindurchsehen, ohne wirklich etwas wahrzunehmen.

Sie hatte sie nie wirklich angenommen.
Und trotzdem…
hatte sie sie verloren.

Und dieser Verlust lag nun schwer in ihr, still, unaufhaltsam, wie etwas, das sich nie wieder zurücknehmen ließ.


Angesprochen: @Lebenstraum
Erwähnt: @Loderblick, @Eisbrecher